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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-12-01 · Heft 12 (1.12.1887) · p. Seite 285

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 12 (1.12.1887)
Date
1887-12-01
Page
Seite 285 (sequence 21)
Language
German
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285 heil überboten wurde. Ist es ja soweit gekommen, daß Herr Di-. Ludwig Philippson, der im vorliegenden Buche S. 318 gar arg mitgenommen ist, Hildesheimer'sche Orthodoxie „als auf historischem Boden bestehendes Judentum" bezeichnet, für das er befürwortend eintritt. Aus der Reihe der Männer von Gesinnung und theologischer Tüchtigkeit, wie Geiger, Wechsler, Aub, Holdheim, Löw, hat sich Philippson schon längst durch seine Gesinnungslosigkeit, die er schoir früher oft an den Tag legte, gestrichen. Herr Prof. Lazarus hat das unbestrittene Verdienst, ohne Theologe von Beruf zu sein, mit Verständnis, Ernst und Eifer an der Verjüngung und Neubelebung des Judentums mitgearbeitet zu haben und die ihm gewordene Anerkennung den Synoden zu Leipzig und Augsburg, an denen Laien auch teilnahmen, zu präsidieren, war eine verdiente, denn Lazarus besitzt zwei große innere Vorzüge, die ihm aller Parteihader nicht streitig machen kann. Er ist ein Philosoph, dem nach seinem eigenen Bekenntnisse alle Idealität in der Religion gipfelt, und er ist ein warmer begeisterter Anhänger des Judentums, der die alte Fahne hoch hielt und nicht gleich vielen Anderen, so sie kaum eine höhere Stufe erklommen, auf das Judentum verächtlich herabblickten. Lazarus ist stolz auf das Judentum und darum kann das Judentum stolz auf Lazarus sein. Eine schöne Beigabe sind die einzelnen Reden auf Ludwig Traube, Berthold Auerbach und andere; sie zeigen uns den Verfasser als formgewandten Redner, dem der Quell des Idealen einen herrlichen Zauber und eine geweihte Hoheit verleihen. Wir schließen unser Referat über das Buch, das wir unseren Lesern aufs wärmste empfehlen mit dem Wunsche eines amerikanischen Blattes, daß an Stelle der gegenwärtigen Hiskia-Charaktere, deren Motto ist: „Wenn nur Friede ist in unseren Tagen!" Männer erstehen, welche sich selbst in der Sache, die ihnen am Herzen, liegt, vergessen; denen nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft heilig ist und teuer genug, um fiir sie denselben feurigen und starken Eifer zu zeigen, als für die großen Bedürfnisse der Gegenwart. Herr Dr. H. Graeh, Professor an der Universität Breslau, gründete sich den Ruf eines bedeutenden Forschers auf dem Gebiete altisraelitischer und jüdischer Geschichte durch sein großes Geschichtswerk in elf Bänden, welches eine außerordentliche Verbreitung gefunden und in fremde Sprachen, wie französisch, englisch, russisch, übersetzt wird. Während dieses Werk wegen ausführlicher kritischer Behandlung der Quellen mehr für Gelehrte und Fachmänner geschrieben ist, nimmt die im Erscheinen begriffene „Volkstümliche Geschichte der Juden in drei Bänden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart." Ca. 30 Hefte ä, 70 Pf., (Leipzig, Verlag von Oskar Leiner), von welcher uns das 1. Heft, 4 Bogen, zuging, ausschließlich Rücksicht auf gebildete Laien, für welche diese kürzer gefaßte Ausgabe auch speziell bestimmt ist, um die Kenntnis dieser Geschichte in weitere Kreise des Publikums hineinzutragen und das Interesse dafür zu wecken und zu heben. Wir werden später auf das Werk zurückkommen, sobald der I. Band vollständig uns vorliegen wird. Für heute wollen wir die Interessenten unserer Leser auf dasselbe nur aufmerksam machen. — Von Herrn Cantor Abolf Ichönfeld in Posen sind fünf Lieder für das Chanukafest erschienen (Preis 50 Pf. — 30 Kr.), die wir hiermit wegen Inhalt und schöner Ausstattung empfehlen. Für Schulen dürften sich dieselben ganz besonders gut eignen, da man den Festgedanken bei der Jugend durch dieselben mit beleben und heben kann. — Den verschiedenen Versuchen, die bisher gemacht wurden, den Text der bekannten Mesa-Ziischrift in allen Einzelheiten zu entziffern, ist noch immer

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