Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1887)
- Date
- 1887-12-01
- Page
- Seite 284 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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284 Lehre Mosis, des Knechtes Gottes. Mein Herz ist sicher, daß Zeiten kommen, wo Euere Feinde einsehen und begreifen werden, daß wir Alle einen Vater haben, daß ein Gott uns geschaffen und falscher Glaubenseifer nicht mehr herrschen wird im Lande. Diese Worte gewinnen noch mehr an Bedeutung, wenn man bedenkt, daß sie in Rußland gesprochen wurden. — Senator Gherghel und Hauptmann Moroi sind in Rumänien die Führer der antisemitischen Bewegung. Ein Neffe des Elfteren, Emil Grccenau, ist in Wieu zum Judentume übergetreten und führt jetzt den Namen Mendel Grecenau. Unter Vorsitz Gherghel's tagte am 5. September in Bukarest im Athenaeum ein Antisemiten-Congreß. Folgende Resolutionen sollen von demselben gefaßt worden sein, 1) die Regierung soll den Juden verbieten, sich weiter mit Industrie zu befassen, 2) dieselbe möge anordnen, daß die Juden kein Landgut pachten dürfen, 3) es soll jedem Juden verboten sein, sich vor dem 25. Lebensjahre zu verehelichen. — Für die Professur i« Literaturgeschichte an der Universität in Lund sind ein getaufter Jude, Herr Docent Schick, und Herr Marburg aus Gothenburg, ein Jude, vorgeschlagen. — Herr Rabbiner Moses, früher in Milwaukee, hat sein Amt als Rabbiner in Uashvillt angetreten. — In San Francisco wurde am 15. September eine Synagoge eingeweiht. — In Mondeville lebt eine jüdische Frau, 77 Jahre alt, welche Mutter von drei und dreißig Kindern ist. Der Staat Virginia hat dieser Frau eine Jahrespension ausgesetzt. — Der Sultan von Marocco, der in letzter Zeit viel von sich reden machte, hat das Rauchen bei Todesstrafe verboten, man meint aus Haß gegen die Juden, weil der Tabakhandel in ihren Händen liege. — In Bethlehem ist Gasbeleuchtung eingeführt worden. Meferate und Mitteitungen. Treu und Frei. Gesammelte Reden und Vorträge über Juden und Judentum von Prof. vr. M. Lazarus (Leipzig, C. F. Winter'sche Verlagsbuchhandlung 355 Seiten). Es ist ein Stück Entwicklungsgeschichte des Judentums in der Neuzeit, das sich in vorliegenden Reden, die Herr Prof. Lazarus bei verschiedenen Anlässen gehalten, abspiegelt. Ihre nochmalige Veröffentlichung in einem Gesamtbande hat gerade jetzt, >vo in Deutschland ein Niedergang aller besseren Bestrebungen innerhalb des Judentums zu verzeichnen ist, einen um so größeren Wert und eine um so höhere Bedeutung, als sie uns zeigen, wie weit man in gewissen Kreisen von den Zielen sich entfernt hat, die die Besten und Edelsten ln Israel noch im Anfänge der siebziger Jahre unter Einsetzung ihrer ganzen Kraft augestrebt haben. Auf die Frage, warum keine dritte Synode zu Stande gekommen, möchten wir Herrn Professor Lazarus antworten, daß, seitdem das Lasker'sche Austrittsgesetz in Wirksamkeit getreten, die Gemeinden nicht nur, wie er sesbst schon bei Eröffnung der . zweiten Synode in Augsburg geäußert, „nicht jauchzten, zu dem, was die Synoden gesagt haben", sondern daß sie von dem Zeitpunkte ab ihren geistigen Halt und ihren Standpunkt verloren haben. Der Steuerzettel war von jetzt ab das Programm der jüdischen Gemeinden und Friede auf Kosten der Wahrheit war ihr Werk. Daß die Mattherzigkeit der Rabbinen — wenige Ausnahmen abgerechnet — dadurch nur noch gewachsen, kann uns nicht wundern. Es hat sich eine Charakterlosigkeit unter den jüdischen Theologen breit gemacht, die höchstens noch durch deren Unwissen-