Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1887)
- Date
- 1887-12-01
- Page
- Seite 283 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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283 schild, da Fräulein Sassoon, eine berühmte Londoner Schönheit, die Schwester der Baronin Leopold von Rothschild in London ist. — Am 20. Oktober starb in London Herr Baron Hermann de Stern, gebiirtig aus Frankfurt a. M, der älteste Chef des Bankhauses Stern Brothers, im Alter von 72 Jahren. Er genoß auch als Mensch wegen seiner persönlichen Vorzüge und wegen seiner Wohlthätigkeit hohes Ansehen in den weitesten Kreisen. — Don Pedro, Kaiser von Brasilien besuchte am 8. Oktober die Synagoge in Brüssel während des Sabbatgottesdienstes. Mit einem Gebetbuche in der Hand folgte er sehr aufmerksam dem Gottesdienste. — Se. Majestät König Hninbert von Italien beehrte jüngst die Rabbinerschule in Dom mit seinem Besuche. Er verweilte in der Anstalt zwei Stunden und folgte den Vorträgen der Herren Professoren mit großem Interesse. — Die Königin von Italien besitzt eine große hebräische Bibliothek, wie „Le Christianisme au XIXe sifccle“ (1887 Nr. 27) berichtet. In derselben befinden sich auch die neuesten Werke über die jüdische Litteratur. Die Königin ist in der hebräischen Sprache sehr bewandert und liest mit vieler Leichtigkeit das Alte Testament im Original. Könnte man auch von Jüdinnen aus höheren Ständen einmal von Begeisterung für das hebräische Schrifttum berichten? — Bei dem in Mailand versammelten internationalen Eisenbahnkongreß war Frankreich durch Herrn Jules Lar, den General-Direktor der Französischen Eisenbahnen, einen Juden, vertreten. — In der Schwei; leben jetzt 8000 jüdische Seelen gegen 3146 im Jahre 1850. — In Rußland leben über drei und eine halbe Million Juden. Warschau zählt 146,246, Wilna 80,000, Berditschew 60,000 jüdische Seelen. — Nach den offiziellen Listen der Russischen Regierung sind von 1881—1886 an 114,000 Juden aus Rußland nach Amerika ausgewandert. — Die Censurbehörde in Rußland hat ein Cirkular an einige Blätter erlassen, wonach denselben verboten wird, die Semitenfrage zu berühren und das Wort „Shid", d. h. Jude, hetzerisch zu gebrauchen. — In It. Petersburg sollen unter den 1200 Aerzten 500 Juden sein. — Der bekannte Schriftsteller S. Ä. Zinn, Herausgeber der Zeitschrift „Hakarmel" in Miln«, feierte am 7. Oktober das Fest seiner vierzigjährigen Wirksamkeit als Lehrer. — Am 9. September wurde in Gdelsa eine Synagoge eingeweiht. Herr Stadtrabbiner Di-. Schwabacher hielt die Weihrede. — Eingeweiht wurden ferner Synagogen vor den hohen Festen in Tiflis, Lad; und Iimprropol. — Wie die Tilsiter Zeitung jüngst berichtete, sieht man in dem dortigen Bahnhofe jüdische Auswanderer, die sich nur nach Zehntausenden zählen lassen. Es entwickeln sich an diesem Platze Szenen des jüdischen Volkslebens, die für Maler und Novellisten einen reichen Stoff abgeben würden. — In Kiew und Charkow sind jüdische Abiturienten, um an den Universitäten ausgenommen zu werden, zum Ehristentume übergetreten. Es ist Aufgabe der verschiedenen Allianzen, hier mit Geldmitteln einzutreten, um den jüdischen Studenten, die dem Judentume treu bleiben, es zu ermöglichen, an außerrussischen Universitäten ihre Studien zu treiben. — Aus Anlaß des Jubiläums des Metropoliten Apaltia. in Kiew, der immer für die Juden eintrat, begrüßte ihn eine Deputation der jüdischen Genieinde und wurde in den Synagogen ein besonderes Gebet für das Wohlergehen des edlen Priesters verrichtet. — Wie die „Hazephira" berichtet, sprach der Bischof von Kameiic;, Podolsk, zu einer Deputation der Juden, die ihm mit Salz und Brod entgegen kam: Aus innerstem und tiefstem Herzen danke ich. Möge Gott Euch gelingen lassen Euere Werke und mögen die Hände der Bösewichte und Frevler Euch nichts Böses anhaben können, damit Ihr beobachten könnet das Gesetz der 24*