Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1887)
- Date
- 1887-12-01
- Page
- Seite 280 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2969669-2969740-2969753--2135-2972306- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
280 der göttlichen Gerechtigkeit anfwerfen zu müssen, auf der anderen Seite aber in der Zeit eines indifferentistischen Humanismus dem gerechten Gott in den Arm fallen wollte. — — Wenn Christen in bitterem Haß und gehässiger Anklage oder Verfolgung über die Juden herfallen, wie sollen diese dann Eindruck gewinnen, daß der, nach dem sich die Christen nennen, derjenige .ist- ,.i M dem geschrieben steht: „Also hat Gott die Welt geliebt" u. s. w. Lic. Marr-Dalman sprach über „Judentum und Mission", das hellenistische Judentum habe Mission getrieben, auch in Palästina fehlte es nicht an Missionserfolgen, so der Uebertritt des Königshauses von Adiabene. Hillel gewann Heiden durch seinen Sanftmut und Weisheit. Im Talmud werden Proseliten als ein Aussatz fürs Judentum bezeichnet. Die Synagoge hat sich gegen das Christentum verteidigt, aber es hat nicht missioniert. Missionär Fabcr hielt die Schlußansprache. Er bezeichnete die Verbreitling des hebräischen Neuen Testamentes als den wichtigsten Zweig der Judenmission. — Kaufmann Kolke aus Cassel, der unter der Adresse „An den Juden plant in Magdeburg" eine Postkarte richtete, auf welcher unter Anderem zu lesen war: „Sie sind ein echter Jude", mußte dieses Schreiben in Folge Erkenntnis des Gerichtshofes, der darin eine „wüste Beschimpfung" der Religion erblickte, mit einer Geldstrafe von 100 Mk. büßen. — Am 28. September fand in Berlin die erste Versammlung des Reformvereins statt. Aufhebung der Emanzipation der Juden und ihre Stellung unter Fremdengesetze ist das Ziel dieser reinen unverfälschten Antisemiten. - Herr Dr. Ferdinand Goeh, der Geschäftsführer der deutschen Turnerschaft, spricht sich in der „Deutschen Turnzeitung" in einein „Bis hieher und nicht iveiter" überschriebenen Artikel gegen die Vorgänge in Krems aufs allercntschiedenste aus. Diesem Artikel ist ein Brief des Dr. Goetz an den Oberturnrat des Ersten Wiener Turnvereins beigedruckt, in welchem es unter anderem heißt: Ich habe Ihnen zu erklären, daß ich Ihren Kampf gegen das Judentum schon im Allgemeinen nicht zu billigen vermag, daß ich denselben — für einen unerhörten Frevel am Deutschtum halte — das Auftreten Ihrer Genossen in Krems ist ein der Turnsache so unwürdiges — daß für solche Leute kein Raum mehr in der deutschen Turnerschast ist. — In Kriir wurde Herr Dr. G. Deutsch, bisher Religionslehrer in Krünn, als Rabbiner erwählt. An seine Stelle wurde Herr Dr. Grünfeld, bisher in Mmüh, berufen. — In Iombor wurde Herr Dr. Michael Fischer als Rabbiner installiert und in G. Kaiistn Herr Dr. Ilesch aus dem Rabbinerseminare in Budapest. — In C;egled wurde Herr Dr. Josef Feldmann zum Rabbiner erwählt, in Auna- Földvar Herr Dr. K. pinknsseld und in Me;ö Vereng Herr Dr. M Schwär;. — In Kopreinih hat Herr Rabbiner Hessel sein Amt am 6. September angetreten. — Am 10. Oktober starb in Budapest Herr Dr. Joseph L. Fischer, bekannt als Pädagog und Schriftsteller. — In Prag starb die Frau des Herrn Regierungsrats Prof. S. I. Kaempf, Franziska, geborene Meist, eine Enkelin des um die böhmische Judenschaft hochverdienten Martinove;. Bei dem unter großer Teilnahme aus allen Schichten der Bevölkerung stattgefuudenen Leichenbegängnisse widmete ihr Herr Oberrabbiner Dr. Markus Hirsch tiefempfundene Worte des Nachrufes. — Dem plötzlich verstorbenen Prager Bürgermeister Ferdinand Kali», an dessen Beerdigung sich auch die jüdische Geistlichkeit beteiligte, hielt Herr Oberrabbiner Hirsch in Prag am zweiten Neujahrstage einen warmen Nachruf. — Am 18. September wurde die neue Synagoge der Türkischen Gemeinde in Wien eingeweiht. Herr Architekt Hugo Kilter v. Wiedrnseld übergab mit einer kurzen Ansprache dem Präsidenten der Gemeinde, Herrn M. Knsso, die Schlüssel