Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1887)
- Date
- 1887-12-01
- Page
- Seite 281 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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281 des Gebäudes. Rabbiner Papo sprach ein Gebet in spanischer Sprache, Herr Oberkantor Bauer leitete mit gewohnter Meisterschaft die Gesänge. — Am 13. September fand die Einweihung des israelitischen Tempels in Stampfe» statt, den Her' ‘"nit Spitzer und dessen Frau aus eigenen Mitteln erbauen ließen. — In Salat.wurde die durch die Israelitische Allianz in Wien gegründete Schule am 5. Oktober eröffnet. — In Ulagensnct ist ein jüdischer Kultusverein ins Leben getreten. Ein Bethaus soll erhalten und ein Religionslehrer berufen werden. — In Klausrnbucg hat sich eine Fortschrittsgemeinde gebildet. Der neuerbaute Tempel derselben, in welcher sich eine Orgel befindet, wurde durch die Herren Oberrabbiner Dr Uofenberg-Arad und Dr. Löw-Szegedin eingeweiht. — Von Dr. Jellinek's „der jüdische Stamm in nichtjüdischen Sprichwörtern" erscheint eine englische Uebersetzung durch Herril M. Haymson. — Herr Prof. Dr. Goldzieher wird demnächst im Kreise von Studenten in Budapest einen Vortrag über „die Entwicklung und das Wesen der jüdischen Religion" halten. — Herr Israel Ball in Lemberg giebt ein Halbvierteljahrschrift unter dem Titel „Sem und Japhet" heraus. Dieselbe, in hebräischer Sprache abgefaßt, enthält auch deutsche und französische Beilagen. — Das Ungarische Dramenbeurteilungs- Comite in Budapest hat das von Herrn Wilhelm Rarzag verfaßte Stück „Die Ehegattin", zur Aufführung angenommen. Der Dichter, ein Jude aus Debreczin in noch jugendlichem Alter, berechtigt zu großen Hoffnungen. — Der österreichische Unterrichtsminister Dr. u. Gautsch that jüngst einem jungen Gelehrten, Herrn Dr. Moritz Löwith, gegenüber, der zum Professor für pathologische Anatomie in Innsbrulk ernannt wurde und der bei der Bewerbung um diese Stelle in einer Audienz beim Minister die Aussichtslosigkeit seiner Bewerbung wegen der Macht der Vorurteile und des Racenhasses darthat, die Aeußerung: „In gewisser Beziehung ist es leider so, was jedoch mich betrifft, mögen Sie überzeugt sein, daß ich in der Wissenschaft keine konfessionellen Unterschiede kenne." — In Budapest wurde jüngst bei Planirungsarbeiten ein jüdischer Grabstein aufgefunden. Am oberen Teile desselben befinden sich drei Rosen, dazwischen einige hebräische Buchstaben. Derselbe enthält eine einige Zeilen umfassende Inschrift. — Der ungarische Unterrichts minister hat die beiden durch ihren Antisemitismus bekannten Professoren in Budapest, Herren Dr. Lubriih und Kranz Tomor, „auf unbestimmte Zeit beurlaubt." — In Nyirvasoari gierig der Wittwe Lukas Koksis ihr sechsjähriger Knabe verloren, den sie vorher durchgeprügelt. Der Gemeindevorstand hat nach der Anzeige von dem vermißten Kinde in seiner Weisheit beschlossen, die Judenhäuser durchsuchen zu lassen. Ja, ein Richter in Begleitung eines Geschworenen drangen in später Nachtstunde zum Zwecke der Haussuchung nicht nur in jüdische Wohnhäuser, sondern sie ließen sogar die Synagoge aufschließen, woselbst die Bundeslade ausgerüumt werden mußte. Jndeß war der kleine Junge zu Hause angelangt, unter Thränen erzählend, er habe sich aus Furcht vor einer neuen Prügeltracht im Garten schlafen gelegt. Wo solche Richter wirken, kann der Wahn des Volkes nicht leicht schwinden und es wäre Pflicht der Vertretung der ungarischen Judenheit, gegen ein solch widersinniges Verfahren von Seiten eines Richters aufs entschiedenste bei höherer Stelle zu protestieren. — In der Hauptverhandlung gegen die R'jeteiner Excedenten zu Mmllh wurde der Hauptangeklagte Iapletai zu sechs Monaten schweren Kerkers und 53 Angeklagte zu Kerker und Arrest von acht Tagen bis zu mehreren Monaten verurteilt. — Am 15. September kam es in Prag zu einem Pöbelauflauf, es war auf die Gewölbe der Juden abgesehen. Dreizehn vorge- 24