Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1887)
- Date
- 1887-12-01
- Page
- Seite 279 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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279 Inlaut in Jerusalem hat eine hebräische Flugschrift gegen Herrn Dr. Hildesheimer mit unterschrieben, in welcher derselbe als Heuchler u. s. w. bezeichnet wird. In. diesem Punkte scheint Herr Salant einen guten Blick zu haben. — Bei der am 4. September in Heidelberg stattgehabten Versammlung des „Institut für Völkerrecht" wurde Herr Prof. Ueumann aus Wien, ein Jude, zum ersten Vicepräsidenten erwählt. — Man schreibt uns: Jüdische Geschworene hatten bei Eröffnung der Schwurgerichtsperiode in Keuthen um eine Beurlaubung für den Versöhnungstag nachgesucht. Diesem Gesuch wurde nicht stattgegeben. Herr Staatsanwalt Wulff begründete die Ablehnung in einer Form, welche derselben eine prinzipielle Bedeutung giebt. Er meinte: Wollen die Juden, gegen welche sich gegenwärtig eine Abneigung geltend macht, diese von sich äbwenden, so müssen sie voll und ganz im Staate stehen. Sie müssen aufhören, eine eigene Kaste und Nation zu bilden und müssen auch allen ihren staatsbürgerlichen Pflichten willig Nachkommen. Wir haben dem hinzuznfügen, aber sie müssen auch ihre Religion heilig halten und wie Katholiken an speciell katholischen, auch an ihren jüdischen Feiertagen von gewissen Pflichten dispensiert werden. Solche Fälle sollten überhaupt nicht dem persönlichen Belieben anheim gestellt sein. Auch in Weimar gieng mail ähnlich vor. — In Wünche» erkannte das Gericht die Weigerung eines Israeliten, am Versöhnuugstage einen Eid abzulegen, an. — In Gelsenkirihen hat der Bäckermeister Krienburg, der sich „Antisemit" unterschreibt, im dortigen „Täglicher Anzeiger" Folgendes von Stappel laufen lassen: „Achtung! Da ich schon seit langer Zeit das Prinzip verfolge, von keinen! Juden zu kaufen, noch an dieselben zu verkaufen, so habe ich in Folge dessen den Herren Juden Ferse, dem Juden Schöneberg und dem Juden Neuwahl den Verkauf meiner Patent-Zwiebacke entzogen. Auch ist den genannten drei Juden nicht mehr gestattet, Zwiebäcke zu verkaufen, da ich sonst bei jeder Uebertretung gerichtlich vorgehe." — Bei der gelegentlich des Lehrer-Vereins-Jubiläums am 2. September vor dem Denkmale des Bischofs Sailer in Kegensburg stattgehabten Ovation hielt Professor und Kreisscholarch vr. Wilhelm Schm;, der auch Inspektor der isr. Volksschule ist, eine Ansprache, in der er unter anderem sagte: „Es giebt keinen Zufall, aber es giebt, wenn auch selten, Wunder und eine fast wunderbare Fügung möchte man es nennen, daß Sailers Standbild gerade hier seine Aufstellung fand zwischen der ehrwürdigen Kirche Sankt Emmeran und dem Bureau unseres verehrten Kreisschulreferenten, rechts flankirt von dem Sitze der obersten Regierungsbehörde des Königs, links vom evangelischen Bruderhause, in welches obendrein ein recht wohlerhaltener Grabstein eines israelitischen Rabbiners, des Rabbi Chayini, eingemauert wurde — wahrlich ein Bild, wie man es sich für den Anschauungsunterricht vollständiger nicht wünschen kann. O möchte nie — das predigt der bischöfliche Pädagoge von seinem erhabenen Piedestal herab — die Schule zum Zankapfel dienen zwischen Staat und Kirche! Möchte nie zwischen den Bekennern der verschiedenen Konfessionen unseres lieben Bayernlandes anderer Streit bestehen, als der feierliche Wettstreit treuester Pflichterfüllung gegenüber Gott und den Mitbürgern." - Am 21. September fand in Leipsiy unter Vorsitz des Grafen Hihthum v. Eckstaedt die Jahresversammlung des evang.-lutherischen Centralvereins für Mission unter Israel statt. Herr Missionär Lader bezeichnete Ungarn und Galizien als das gegenwärtig ergiebigste Feld für Judenmission. Herr Oberkonsistorialrat Anacker betonte in seiner Rede, daß die Christenheit vielfach gefehlt habe in ihrein Verhalten gegen die Inden, indem sie auf der einen Seite glaubte, sich gleichsam zum Anwalt