Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1887)
- Date
- 1887-12-01
- Page
- Seite 275 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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275 — gemeinsamer Beratung und Beschlußfassung nicht majorisieren lassen. Bei einer widergesetzlichen irreligiösen Beschlußfassung würde sonst die öffentliche Meinung den Rabbiner beschuldigen, im falschen Sinne mitgewirkt oder gar mitgestimmt zu haben. In solcher Lage und Stellung bleiben deshalb die Rabbiner lieber den Laien-Kollegien fern.' Mancher Rabbiner mag da auch vielleicht mit Ezechiel Landau, dem berühmten Rabbiner Prags im vorigen Jahrhunderte, denken und sprechen, als er, noch sehr jung in diese Stellung berufen, einst einer Vorstands- Sitzung zu präsidieren hatte. Ein graubärtiger Kollege und Gelehrter mißgönnte ihm den Präsidenten-Sitz, und als der Rabbi, auf seinem Sessel sitzend, sich diesen zurecht rückte, frug ihn höhnisch der Kollege:' „Nicht wahr, Rabbi, der Stuhl ist Ihnen wohl zu hoch?" „O nein," erwiderte schlagfertig der Rabbi, „der Tisch vielmehr ist mir zu niedrig." -Die Stellung der Rabbiner und Lehrer bedarf sehr einer Besserung. Von definitiver Anstellung ist selten die Rede; man dingt und entläßt sie wie die Knechte. Selbst in großen Gemeinden ist Pension nur eine Gnade, kein Recht; Meistens werden die alten abgenutzten Beamten rücksichtslos ohne Pension entlassen oder aus Rücksicht — für die Gemeinde — frühzeitig fortgedrüngt oder fortgeschickt, damit sie nicht „alt" in der Gemeinde werden. Wie soll sich da bei solcher Erniedrigung der Stand hoch halten und heben? Die Vorsteher sind Geschäftsmänner, sie behandeln auch die Besetzung der Beamten-Stellen geschäftsmäßig. Aeltere Männer, durch Gelehrsamkeit, Fähigkeit, Verdienst und Würde ansgezeichnet, werden nicht befördert; sie bleiben in ihren kleinen Anfangsstellen, man stellt jüngere, wenn auch weniger tüchtige Kräfte an, aus Geld-, Sparsamkeits- und anderen Rücksichten und nennt dies: „ein gutes Geschäft machen." Falsche, materielle Rücksichten haben schon längst zur Cumulation der Aeinter geführt und veranlaßt, das Schächteramt mit dem Lehr- und Vorbeter- Amt zu vereinigen. Der Fleischverkauf aber ist ein Gewerbe, und Sache des Verkäufers ist es. für rituell geschlachtetes Vieh zu sorgen, nicht Sache der Gemeinde. Neuerdings muß ein solcher Schächter auch das Predigeramt verwalten, oder der Prediger wird genötigt, nebenbei auch Schächter und sogar Synagogendiener zu sein. Aus dem Leben entnommen! Die Träger und Vertreter der Religion sinken immer tiefer; da kann es nicht fehlen, daß auch die äußere und innere Würde der Religion und schließlich das Interesse an der Religion immer tiefer sinkt. Beten wir nicht nur: „Gott möge es bessern," sondern sagen wir uns: „Menschen, bessert es!" R.-A, Wonatsfchau. Herr Dr. Lehrend, Professor der Rechte an der Universität in Areslau, ist zum Reichsgerichtsrat ernannt worden. Herr Dr. Behrend, früher Professor der Rechte in Greifswald, wurde seiner Zeit zum Rektor der dortigen Universität ernannt und unter Mißbilligung von Seiten der konservativen und antisemitischen Presse in dieser Würde bestätigt. — In i’ouii wurde Herr Dr. med. Ungar zum außerordentlichen Professor ernannt. Auch die Herren Dr. phil. Irniilt und Dr: jur. Aindsiierg erhielten Professuren an derselben Universität.— Herr Dr. Hermann Schapiro wurde znm außerordentlichen Professor der Mathe-