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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-12-01 · Heft 12 (1.12.1887) · p. Seite 270

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 12 (1.12.1887)
Date
1887-12-01
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
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270 Es würde zu weit führen, die einzelnen biblischen, lexikographischen, philosophischen, astronomischen Arbeiten, die der so vielseitige rastlose Gelehrte für Magazine und Zeitungen jeder Art lieferte, aufzuzählen, wie näher auf seine Dispute mit der orthodoxen wie ultra-reformen Partei einzugehen. Er bekämpfte mit unerschütterlichem Freimut und Ueberzeugungstreue die Ultrareformer, die „das Judentum wie einen Kalkstrich auf einer Wandtafel" auslöschen wolle», wie das orthodoxe Element, das jedes Abweichen von der kleinsten Ceremonie verketzert und blind ist vor Argumenten wie vor der Evidenz der Thaten. Im Winter 1885 ließ seine Gesundheit schnell nach, mit Heiterkeit ertrug er sein physisches Leiden und flößte noch seinen Angehörigen Trost ein. Am 9. Mai 1886 erlöste ihn der Tod von seinem Leiden. Ein tiefes Gefühl des Schmerzes und Kummers durchdraug jede Gemeinde, jedes Individuum des Landes bei der Todeskunde. Er hinterließ keine weltlichen Güter, aber einen weib'«reicheren Schatz als Reichtum — einen unbefleckten Namen, einen beneidenswerten Ruhm. Der Nachwelt hinterließ er eine belehrende, nützliche Litteratur, der litterarischen Welt seine prosaischen unb poetischen Werke, dem Judentum ein Religionssystem, welches alle Bessergesinnten stets Hochhalten werden. Aufschwung und Werfall. Zwei Gegensätze durchziehen die Geschichte der Geistesentwicklung der Menschheit von den ersten Anfängen geschichtlicher Erinnerung an bis auf die Gegenwart und sehen sich an wie Vor- und Kehrseite, wie Tag und Nacht, wie Licht und Schatten. Und dieser Dualismus, dieser Aufschwung und Verfall, dieses Auf- und Niedersteigen menschlicher Bestrebungen und Willensrichtungeil, diese Glanz- und Schattenseiten, sie zeigen sich nicht minder an dem Volke Israel, das von Anfang an berufen war, geistig richtunggebend auf größere Kreise innerhalb der Menschheit einzuwirken. Nach jeder Glanz- und Ruhmesepoche unseres Volkes, welch' ein Verfall in Eschlaffung unb sittliche Gleichgültigkeit! nach jedem Erklimmen der höchsten Gipfel der Wissenschaft und der Gottesbetrachtung, welch' ein Versinken in den Abgrund des Aberglaubens unb des Unglaubens! So trat nach der lichtvollen durch Maimonides bezeichneteu, der Forschung im Gesetze wie der griechischen und arabischen Philosophie geweihten, für die Wissenschaft so glücklichen Zeit des späteren Mittelalters eine lebensfeindliche, geisttötende Epoche mit ihrer Verewigung des erassesten Aberglaubens ein. Und nach dem frischen Aufblühen des fortschrittlichen Judentums durch die Freunde und Nachfolger Mendelssohns — was erblicken wir überall in der heutigen Zeit in Israel? Wo finden wir im heutigen Judentum ein wahrhaft geistiges Erfassen des religiösen Inhaltes, ein tiefes Versenken in den Geist und das Wesen des Judentums, ein überzeugungsvolles Eintreten für seine Prinzipien und Forderungen? Ach, schmerzlich ist die Beantwortung dieser Frage! Ueberall Lauheit und Gleichgültigkeit auf jüdischem Boden, überall Haschen und Liebäugeln mit einer wesenlosen, unwahren Orthodoxie, überall Halbheit und Hinken auf beiden Seiten — ja, wir müssen es offen gestehen — ein Verfall, wie oft schon dagewesen, ein Sinken von der Höhe geistiger Ausschau in selbstgefällige Werkheiligkeit. Wir haben eine Broschüre vor Augen, betitelt „die historische und religiöse Weltstelluug der Juden und die moderne Judenfrage" von Dr. C. F.

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