Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1887)
- Date
- 1887-12-01
- Page
- Seite 269 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 269 — 8. Alle wirksamen Mittel, eine wahre Gottesverehrnng zu begründen, seien sie alten oder modernen Ursprungs, müssen gewahrt werden. 9. Ein Messias, welcher die Israeliten zurück nach Palästina führen soll, ist weder erwartet noch gewünscht. Der wahre Israelit betrachtet sein Geburtsland oder das Land seiner Wahl als sein Palästina. 10. Die Idee einer messianischen Bestimmung Israels muß beibehalten werden. Israels heiliger Beruf ist es, der erlösende Messias der Menschheit zu . werden, die Wahrheit zu reden und zu predigen. Wohl vermochte der Verfasser am Schlüsse dieser Artikel zu sagen: „Nachdem ich so das Judentum'moderner Zeit beleuchtet habe, wird, hoffe ich, jeder unbefangene Geist zugeben, daß das moderne Judentum kein Kind des alten, ritualistischen Systems von Typen und Symbolen ist, sondern daß es seine Kindheit überwachsen hat und nun in der vollen Blüte der Mannheit steht, mit aller Macht dahinstrebend, sein System zu einer solchen Vervollkommnung zu bringen, daß es von jedem denkenden Geiste als eine gute Grundlage einer universellen Religion betrachtet werden kann!" Im September 1875 kehrte Kalisch wieder nach Rewark zurück und widmete sich besonders Vorträgen, trotzdem er seinen täglichen Lehr- und Prediger- Verpflichtungen nachging, Für die jüdischen Zeitschriften Amerikas lieferte er litterarische Beiträge, auch diese Monatsblätter zählten ihn zu ihrem Mitarbeiter. Er verstand es, mit tiefer Gelehrsamkeit und mit unermüdlichem Fleiße theologische und polemische Fragen jeder Art erschöpfend zu untersuchen und auszuarbeiten. Im Jahre 1879 veröffentlichte er eine englische Uebersetzung des „Sepher Jezirah", ein Buch über „die Schöpfung", die jüdische Metaphysik des Uraltertums. Er versah das Buch mit Vorrede, Erklärungen, Glossen und einer Skizze über den Talinnd. Er gab es für das älteste, hebräisch geschriebene, philosophische Werk aus, jener Philosophen, die die Wahrheit durch Schlüsse a priori zu finden suchten und so alle Geheimnisse der Natur zu durchdringen glaubten. „Es lehrt, daß eine erste, ewige, allweise, allmächtige und heilige Ursache der Ursprung und der Mittelpunkt des Universums ist, von welcher allmählig alle Wesen ausströmen (emaniren). Gedanke, Sprache und Thal sind in untrennbarer Einheit im göttlichen Wesen. „Gott schuf" oder „machte" ist metaphysisch ansgedrückt durch das Wort „schreiben." Die hebräische Sprache und ihre Buchstaben decken sich gewöhnlich mit dem bezeichneten Dinge, und so bilden heiliger Gedanke, hebräische Sprache und ihre Darstellung in geschriebener Form eine Einheit, welche eine schöpferische Wirkung erzeugen!" Die Skizze über den Talmud soll Mißbräuchen und dem Unverständnisse, denen das so schwierige Talmudstudium ausgesetzt ist, begegnen. Das Buch fand große Verbreitung. Eine schwere Krankheit, an der er litt, hielt ihn trotz ärztlicher Warnung nicht ab, sein Predigeramt auszuüben, und er übersetzte inmitten seiner Leiden „Ha Tapuach“ (der Apfel), eine Abhandlung über die Unsterblichkeit der Seele, welche dem Stagyriten Aristoteles zugeschrieben wird. Der „American Hebrew“ veröffentlichte die Uebersetzung 1885. Das Buch ward im 12. Jahrhundert von Abraham ben Salomon aus dem Arabischen ins Hebräische übersetzt. Es wird an der Autorschaft Aristoteles trotz der Autorität des Herrn Professor Franz Delitzsch gezweifelt. Am 30. Mai 1883 überkam ihn ein paralytischer Anfall, von dem er sich nie ganz erholte.