Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1887)
- Date
- 1887-12-01
- Page
- Seite 267 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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_ * v; — 267 — Testa nientes nachwies, das heißt, dessen menschlichen, nicht göttlichen Ursprung. Das Resultat, zu dem er gelangt, mit der Beweisführung an dem Evangelium Mathäi, ist, daß dasselbe wegen der Widersprüche und Fehler des Verfassers keinen göttlichen Ursprung zuläßt und der moralische Teil eine Synopsis, des Judentums ist. Das Werk giebt, indem es Licht über eine religiöse Lebensfrage wirft, den Impuls zu einer ferneren, weitgehenden Forschung. In weiten Kreisen dadurch als klassischer Gelehrter, unbefangener Denker und tiefer Philosoph bekannt, wurde Kalisch bald auch als Altertumsforscher berühmt, indem er die ihm von Prof. Gibbes aus New-Aork, zugesandte phönizische Inschrift entzifferte, die auf einem auf dem Begräbnisplatze zu Sidon gefundenen Sarge sich befand. Kalisch's Uebersetzung ward der syrisch-ägyptischen Gesellschaft in London eingesandt, von Dr. Benisch vorgelesen und als einzig der Annahme würdig befunden. Es beginnt nun die Epoche im Leben Kalisch's, in welcher er, einer geheimen, zwingenden Stimme folgend, wie sie Israels vorzeitigen Propheten beim Beginne ihres großen Reformwerkes erklungen haben mag, seine erhabene Lehrmission von Ort zu Ort, von Land zu Land trug, damit der Glaube vom Anwuchs der Jahrhunderte gereinigt, der Gottesdienst gehoben, eine bessere Kenntnis des Geistes und der Litteratur des Judentums verbreitet und die Glaubenslehre eine freie werde. Von den Ufern des Hudson zum Ohio, vom Missisippi zum großen Salzsee, vom atlantischen Ocean zum Pacificmeere trug Kalisch die heilige Glut seiner Lehre, sowie die Römer einst das heilige Feuer des Heerdes überall auf ihren Zügen mit sich führten. Im April 1856 wirkt Kalisch an der „Ahabath Achim"-Gemeinde in Cincinnati, schon im folgenden Jahre an der „Bnai Jeschurun" in Milwaukee, Wisconsin. An der letzteren Gemeinde bildete er sich eine wahre, in sich harmonische, religiöse Reformgemeinde. Beiläufig sei bemerkt, daß eine Kritik. Kalisch's den Präsidenten Buchanan veranlaßte, sich durch ein Schreiben zu entschuldigen, daß er im Glückwünsche an die Königin Viktoria, den Ausdruck „alle Nationen des Christentums" gebraucht habe. Nach drei Jahren unternahm Kalisch es, als Wanderredner und Prediger durch die Vereinigten Staaten zu reisen. Er besuchte die Hauptstädte Amerikas. Schon nach einem Jahre nahm er die Rabbinerstelle zu Jndianopolis, Indiana, an. In dem dortigen Jünglings-Litteraturvereine hielt er seinen berühmten Vortrag über „die Quelle aller Civilisation" (Louros of all Civilisation). Der Geschichtsschreiber Joseph Parton zog in der „Atlantik Monthly“ die Hauptstellen an: „Sobald als das Christentum sich über das römische Reich verbreitete, starb Wissenschaft, Kunst, Gelehrsamkeit und ward die Entwicklung der Civilisation gehemmt." „Wissen ist Quelle aller Civilisation." Der Vortrag erlebte zwei weitere Auflagen. Viele Anerkennungsschreiben wurden ihm in Folge derselben zu Teil, wie das des Gelehrten M. D. Conway in London. Nach zwei Jahren übernahm Kalisch die Predigerstelle in Detroit, Michigan, an der „Beth El"-Gemeinde, wo er drei Jahre verblieb. Hier veröffentlichte er seine Gedichtsammlung „die Töne des Morgenlandes", die bei allen Freunden wahrer ursprünglicher Poesie herzliche Aufnahme fand. Poetische Einfachheit, ein bezaubernder Rythmus, realistische Ausdrucksweise, und Regelmäßigkeit des Metrums charakterisieren die Gedichte Kalisch's. Vor allem aber ist eine tiefe Wahrheit, die Moral, in jedem enthalten. Religion, Philosophie, Malerei, Dichtkunst, Wissenschaft finden in ihnen ihre harmonische Vereinigung.