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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-12-01 · Heft 12 (1.12.1887) · p. Seite 266

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 12 (1.12.1887)
Date
1887-12-01
Page
Seite 266 (sequence 2)
Language
German
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266 Zu Krotoschin in Posen war Kalisch ani 15. November 1817 als das älteste von sieben Kindern geboren. Sein Vater Bnrnham K. war ein gelehrter Talmudist und vererbte seinem Sohne Wissenseifer, wahre Frömmigkeit, Wohlwollen gegen Jedermann. Bon der Mutter Sarah erbte er Energie, Herzensgute, Geistesstärke. Sie erlebte das Glück ihres Sohnes und starb im 87. Lebensalter im Jahre 1883 in New-Aork. Schon im neunten Lebensjahre sich im Talmud auszeichnend, studierte Kalisch später Theologie, Philologie, Philosophie au den Universitäten zu Berlin, Breslau, Prag und erfreute sich der Teilnahme hervorragender Professoren, die ihn in seinem Streben nach Erkenntnis förderten. Schon während der Universitätszeit lieferte er litterarische Beiträge für den „Orient", herausgegeben von Prof. Julius Fürst, für den „Breslauer Beobachter" und den „Figaro" und erwarb sich bald den Ruf eines tüchtigen Litteraten. "» In dem kriegerisch gestimmte» Jahre 1842 übersandte er denr Prinzen von Preußen, dem jetzigen deutschen Kaiser, den von ihm gedichteten und von Musikdirektor Müller in Breslau komponierten „Schlachtgesang der Deutschen." Dieser Gesang wurde eines der ineist gesungensten Lieder der Zeit. In die politischen Händel des Jahres 1848 verwickelt, mußte er Deutschland verlassen, und er begab sich über London nach Amerika, dem Boden seiner für das Heil des Judentums so fruchtbar werden sollenden Wirksamkeit. Am 28. August 1849, einem für die Entwicklung der jüdischen Reform wichtigen Tage, kam er in New-Aork an, und sah sein Bemühen um eine Anstellung schon am 24. Juli 1850, wo ihn die „Tifereth Israel-Gemeinde" zu Cleveland, Ohio, als Rabbiner anstellte, mit Erfolg gekrönt. Inmitten dieser hermetisch in alle nutz- und sinnlosen Riten und Ceremonien, wie sie dem Zustande Israels während der Wanderung in der arabischen Wüste wohl angemessen waren, eingelebten Gemeinde pflanzte Kalisch ohne Zögern das Banner der Reform auf. Unter Reformjudentum verstand er ein auf Bibel gegründetes Judentum, mit Wissenschaft, Vernunft, Philosophie als Führer und Warner. Seinem männlichen, offenen Auftreten, seiner lichtvollen Erklärung des Gesetzes gelang es, den Widerstand der Gemeinde zu besiegen und sie der Reform zu gewinnen. Nicht aber so leicht waren die orthodoxen Rabbiner zu beschwichtigen, deren fortwährende Angriffe Kalisch bewogen hatten, eine Rabbinerkonferenz, die erste Amerikas, zu veranlassen. Sie trat in Cleveland 1855 zusammen. . Ihr Zweck war, „die geistige Lage der Juden Amerikas zu bessern, den jüdischen Gottesdienst von widersinnigen wie unzeitgemäßen Gebräuchen zu befreien, sinn- und nutzlose Gebete auszumerzen und einen geläuterten Gottesdienst im Lande herzustellen." Auf Seiten Kalisch's standen die Rabbiner Or. Lilienthal, Rothenheim, Merzbacher, Kohen. Kalisch verfaßte das Gebetbuch „Minhag Amerika", welches noch jetzt in den meisten jüdischen Synagogen Amerikas im Gebrauche ist. Als Lehrer und Seelsorger vernachlässigte er seine Gemeinde nicht. Sie war durch ihn, dessen ganze Seele der heiligen Sache hingegeben war, seine Mitbrüder ans eine Gleichheitsstufe mit der übrigen Menschheit zu erheben, sie aus liebloser, verächtlicher Stellung zu befreien, zu welcher blindes Vorurteil und Fanatismus sie verurteilt hatten, zur Blüte gebracht worden. Im Jahre 1856 veröffentlichte Kalisch den „Wegweiser für rationelle Forschungen in den biblischen Schriften", worin er die Noninspiration des neuen

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