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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-11-01 · Heft 11 (1.11.1887) · p. Seite 260

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 11 (1.11.1887)
Date
1887-11-01
Page
Seite 260 (sequence 20)
Language
German
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260 doch für feststehend, daß der jüdische Wohlthätigkeitssinn im Vergleich mit dem anderer Konfessionen als mustergiltig und unerreicht hingestellt werden darf, lieber alle konfessionelle Nörgeleien erhaben, scheinen sie nur einen Wunsch zu hegen, der leidenden Menschheit mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu helfen. Diese Stimme hat um so größeren Wert als obbenanntes Blatt von einem Christen redigiert wird — Aus Gotlienburq schreibt man uns: Am 15. August starb in Kopenhagen der hervorragende dänische Schriftsteller Professor Meyer Aaron Goldschmidt (geb. 1819). Da ich leider jetzt nicht genügende Muße habe, Ihnen eine kleine biographische und literarische Skizze über denselben zu schicken, so teile ich Ihnen nachstehend mit, was Dr. Krederilr Winkel Horn, Professor an der Universität in Kopenhagen in seiner „Geschichte der Literatur des skandinavischen Nordens" über denselben sagt. „Er (M. A. Goldschmidt) ist Meister der Form wie kein Zweiter lind sein Styl ist so rein und elegant wie man das selten wieder findet; dabei machen der tiefe psychologische Blick des Verfassers und seine Gabe, die interessanten Details aufzufassen und sie in treffender, geschmackvoller Weise wiederzugeben, seine Darstellung zu einer in hohem Grade fesselnden. Am glänzendsten zeigt sich sein großes Talent, wenn er sich mit jüdischen Verhältnissen beschäftigt. Hier hat er wahre Meisterwerke, wie »La Jod«“, „Ravnen“ („Der Rabe") „Maser“ (Zehnten) u. A. geschaffen. Auch seinen Schilderungen von Natur und Volksleben, wie sie teils als Episoden in größeren Werken, z. B. in seinen! Roman Hjemlös (Heimatlos), teils als selbständig auftreten, weiß er durch seine feine Beobachtung und poetische Auffassung einen eigentümlichen Reiz zu geben." — Herr Baron von Hirsch in Paris hat der „Alliance Israelite Universelle“ 400,000 Francs für die Schulen im Orient zur Verfügung gestellt. — Am 15. August starb in Brüssel Herr Carl Wiener, geboren in Kenia 1832. Wenn auch weniger bekannt als seine zwei Brüder Jakob und Leopold, ist er berühmt durch Anfertigung von Medaillen und Münzen. So gravirte er Medaillen über „Einzug des Kaisers von Rußland in London", „Jubiläum der belgischen Unabhängigkeit," „Deutsche Einheit", „Amerikanische Republik", „Kölner Dom", „Kathedrale von Toledo", „Antwerpen", „Nationalbank von Brüssel." Er war Ritter des „Wasa-Ordens" und „Christus-Ordens." — Herr Dr. Gaster veröffentlicht seine Vorlesungen von der Universität Oxford, über den Ursprung der Volksmythen, Sprichwörter, Legenden und Aberglauben. Entgegen Grimm, der die Volksmythen aus einer genieinschaftlichen Quelle — den Naturphänomen — herleitet, neigt er sich den Ansichten von Max Müller und Benfey zu, daß dieser Volksglaube durch Völkerwanderungen vom Oriente her verpflanzt sei. Er beweist dies besonders an der Asmodai-Sage, dem Geiste im Dienste König Salomons. Asmodai wird in der Slavonischen Sage „Kitowras", bei den Griechen der „Centaur", bei den Deutschen „Markolf", in der Arthursage „Merlin" genannt. Ebenso wird die biblische Erzählung von „Adam und Eva" zu einer slavonischen Sage- — In Basel hat der Landrat mit Mehrheit das Bürgerrechtsgesuch eines Juden abgewiesen. Man will dort überhaupt keine Juden mehr als Bürger aufnehmen. Das nennt sich ein Land der Freiheit! — Der Kaiser von Brasilien wurde zum Ehrenmitgliede der Gesellschaft „Ligue nationale contre l’ath&sme“ ernannt. — Am Progymuasium für Mädchen in Warschau wurde Fräulein U. P. Iamenhof als Lehrerin der deutschen Sprache augestellt. — Die jüdische Gemeinde in Odessa errichtet zum Andenken Ratkows eine Heilanstalt für Arme ohne Unterschied der Konfession. — Eine Deputation der jüdischen Gemeinde in

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