Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1887)
- Date
- 1887-11-01
- Page
- Seite 261 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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261 Iekoterinoslaw überreichte am 13. August dem Metropoliten Platin in Kiew eine Adresse und eine mit Silber beschlagene Bibel. — In Michaelowka in Rußland hat Herr Krisznkow, ein Jude, auf eigene Kosten eine Schule für die dortigen Bauernkinder errichten lassen. — Die polnische Schriftstellerin Elisa Osescho veröffentlichte jüngst eine Erzählung „Der Krämer", in welcher sie ein ergreifendes Bild eines diesem Stande angehörigen Juden entwirft. — In Pischnei-Uoivgorod ließ General Paranoff einige Individuen, welche sich gegen die Juden vergriffen haben, öffentlich mit Peitschenhieben tüchtig traktieren. Diese Methode scheint gegen russische Antisemiten die gründlichste und wirksamste. — In ffibtnjij in Südrußland brach am 2. August eine Judenverfolgung aus. Mehrere Personen wurden getötet und viele verwundet. — Auch in Zekaterinoslaw wäre es am 2. August, dem vierten Jahrestage der dortigen Judenverfolgungen, bald zu Ausschreitungen gekommen. — Wie „Hammagid" berichtet, erließ die Nnffische Regierung an die Postämter einen Ukas, wonach vom 1. Januar 1888 ab alle jüdischen Briefträger entlassen werden sollen. — Aus Piriatin dringt von Neuem die Klage über das Elend Jakob Reifmanns. Die reichen Juden in St. Petersburg, Moskau, Odessa werden wohl die nötigen Mittel noch aufbringen können, um für das Alter des armen, fast erblindeten Gelehrten zu sorgen. Diese Zeilen sollen den Zweck haben, sie hiezu anzuregen. — Fürst Ferdinand von Bulgarien wurde in Zosia durch einen Triumphbogen, den die Juden daselbst haben anfertigen lassen, besonders geehrt. Er wurde in einem herrlich ausgestatteten Zelte von den Juden begrüßt. Der Chacham, ein würdiger Greis, erhob die Hände und segnete den Fürsten, worauf der Fürst ihm die Hand ehrerbietig küßte. Nach erfolgter Ansprache wurde eine hebräische und bulgarische Adresse überreicht, welche der Fürst huldvoll entgegennahm. — Man geht mit dem Gedanken um, einen Großrabbiner für Bulgarien mit dem Sitze in Sofia zu erwählen. — In Uew-Vork starb am 19. August Prof. vr. A. Meyrowih aus Wilna stammend, im Alter von 77 Jahren. Er besaß hervorragende Talmudkenntniffe, trat zum Christentume über, studierte Theologie in Oxford un,d Rom und trat 1843 eine Stelle als Professor des Hebräischen in Bristol an. Im Jahre 1869 übernahm er an der Universität in New-Iork dasselbe Fach. 1876 erhielt er einen Ruf an die Staats-Universität von Missouri. Im Jahre 1880 erblindet, kehrte er nach New-Aork zurück. — Rev. Ä. Morais, Rabbiner in Philadelphia, wurde von der Universität in Pensylvanien zum Ehrendoktor der Rechte ernannt. — In Chicago wird eine russisch-polnische Synagoge mit einem Kostenaufwande von 40,000 Dollars aufgebaut. — In foaisuiUc (Amerika) fand die Jahresversammlung des Ordens „L»ci-Lrith" statt. Der Orden hatte im vergangenen Jahre eine Einnahme von 231,651 Doll, und eine Ausgabe von 70,600 Doll. — In dem gesetzgebenden Körper zu Georgia ward jüngst über eine Gefängnisreform beraten, bei welcher Gelegenheit ein Mitglied dieser Körperschaft, Herr Louis Arnheim, ein Jude, sich also äußerte: „Obgleich nicht ein Bekenner des Christentums, zolle ich gleichfalls dieser Religion meine Hochachtung. Sie ist es ja, welche Barbarei in Zivilisation verwandelt hat, wo immer sie sich Bahn brach. Sie hat das Herz der Menschen veredelt und diese besser, weiser und milder gestaltet. Sie ist es, welcher der leidenden und sich abmühenden Menschheit den Glauben an den endlichen Weltfrieden und die Hoffnung auf ein ewiges Leben gebracht hat, indem sie die erhabene Lehre von der Unsterblichkeit der Seele verbreitet. Vergessen >vir aber gleichwohl nicht, daß einer der Grundpfeiler, auf welcher sie ruht, die Zehn-Worte sind, welche