Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1887)
- Date
- 1887-11-01
- Page
- Seite 258 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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258 tu Ungvär wurde zum Bezirksrabbiuer iu I;olnoK gewählt und Herr M. Wchler, Sohu des Herru A. Büchler, Rabbiner iu S. Jasbäreuy, zum Rabbiner in Csongrad. — Am 6. September trat Herr Dr. Klein seine Stelle als Rabbiner in Altofen an. — Am 19. August wurde in Waag-Mstrih unter allgemeiner Teilnahme der Bevölkerung der Rabbiner der dortigen jüdischen Gemeinde, Herr Markus Weiß, der ein halbes Jahrhundert dort gewirkt hat, zu Grabe getragen. Er erreichte ein Alter von 85 Jahren. — Am 23. August starb in Kittsee der dortige Rabbiner Mayer Abeies im Alter von 83 Jahren. — In Arad verstarb Herr' Clkan Kohn, ein hervorragender Kantor, bekannt unter dem Namen „Chonele Chasen", im 81. Jahre seines Lebens. Aus der Schule Ztreliski's (David Brod) hervorgegangen, hat er neben dem polnischen Gesänge auch schon der modernen Zeit Rechnung getragen und war so der vollendete moderne polnische Sänger der Synagoge. — In Puna S;erdal>ely äußerte sich jüngst der Antisemitismus wieder in einer Brandstiftung. — Aus preß barg schreibt man uns mit Bezug ans unsere frühere Mitteilntig, den Brand und die Not in S;erdahrly betreffend: Größtenteils sind ganz arme Leute abgebrannt, deren gesamte Habseligkeiten kaum 100 fl. betrugen, die nun aber weit über ihren Schaden hinaus mit Geld bedacht worden sind; etwas mehr Beschädigte erhielten auch 1000 fl. und darüber. Man wußte eben nicht, was mit dem vielen Gelde anzufangen sei und man hat, anstatt etwa wie bei dem seinerzeitigen Ringtheater-Brand einen Fond für künftige Unterstützungen, für etwaige Unglücksfälle in der Folge anzulegen, den Leuten das Geld an den Kopf geworfen, natürlich solchen, die mail von früher als arm kanrite und die es verstanden, ihre verlorenen Sachen mit gutem zehnfach überschätztem Wert zu taxiren. Hingegen haben die vorher Bemittelten, denen aber nach einem erlittenen Schaden von 5—8000 fl. blos ein kleiner Rest ihres Vermögens übrig blieb, der jedoch nicht hinreicht, das Geschäft wieder in Stand zu bringen, das Hans mit der zahlreichen Familie zu erhalten, haben die nicht ganz Mittellosen, denen aber in Folge ihres ganz unersetzten großen Schadens der künftige Untergang droht, gar nichts erhalten. Ist das vernünftige Wohlthätigkeit? und kann dieser Vorgang gebilligt werden? Von Vielen wird er vielleicht gut geheißen, aber für diejenigen, die das Bibelwort kennen: den Sinkenden mußt du unterstützen, bevor er ganz gesunken (Lev. 25, 35) ist das nicht die rechte humane Handllmg. — Das Kreis-Turnfest in Krems, welches jüngst abgehalten wurde, war reich an antisemitischen Uebungen. Die Vertreter des deutschen Turnvereins in Brün», welche ein Bild des Niederwald-Denkmals überreichten, wurden mit den Worten „Verjudet, Verjudet" begrüßt. — Die in Prag erscheinende Bauernzeitschrift „Landbote", Organ der unabhängigen deutschen Landwirte, herausgegeben von dem Bauernführer Hermann Wählte, schreibt unter Anderem folgendes: „Aber noch etwas kann konstatiert werden. Es ist dies nämlich, daß nicht in allen Fällen die Juden die Wucherer auf dem Lande sind, sondern daß größtenteils gute, fromme Christen, ja sogar Adelige die Wucherei in der allerunverschämtesten und frechsten Weise betreiben. Es hat sich herausgestellt, daß die gefährlichsten, gerichtsbekannten Güterzertriimmerer Christen sind; die gierigsten Wucherer, die am Lande ihr Unwesen treiben, sind Christen, die fleißig zur Kirche rennen. Damit soll nicht gesagt sein, daß es unter den Juden lauter Engel giebt. Aber die armen Juden hassen die Wucherer, die Blutsauger geradeso tote die Christen und die armen Juden werden von den reichen jüdischen Wucherern gerade so ausgebeutet, wie die Christen von ihren reichen Glaubensgenossen." — Der große Antisemit Alexander Palacs, Dichter und gewesener