Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1887)
- Date
- 1887-11-01
- Page
- Seite 256 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2969669-2969740-2969752--2110-2972280- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
256 des ehemaligen Landesrabbiners ins Leben gerufen, erhielt durch Rescript die Rechte milder Stiftungen. — Am 13. August feierte die jüdische Gemeinde in Keringk« das fünfzigjährige Bestehen der Synagoge. Die Festrede hielt Herr I)r. Jaraczewsky aus Mühringen. — In Schleifninhl bei Luxemburg wurde am 3. September die goldene Hochzeit des Ehepaares Samson Godchaur gefeiert. Der Jubilar ist nach einer uns am 9. Oktober zugehenden Nachricht verstorben; er war einer der bedeutendsten Industriellen im Lande und beschäftigte in seinen Tuchfabriken an 2000 Arbeiter. Mit Recht jubelte ihm die stattliche Schaar seiner Arbeiter entgegen: „Den Meister loben seine Werke — der Großes schuf aus eigner Stärke — Bedeutungsvoll die Klänge rauschen zur Erntefeier seiner Saat — Und rings in stiller Ehrfurcht lauschen - die Zeugen segensreicher That." — Am 6. September feierte Herr Bezirksrabbiner ör. Gninebaum in Landau mit seiner Ehegattin das seltene Fest der goldenen Hochzeit im engsten Familienkreise, nachdem der Jubelbräutigam im vorigen Jahre bereits sein 50jähriges Amtsjubiläum als Rabbiner des dortigen Bezirkes begangen hat. Von allen Seiten, aus Deutschland und Amerika erhielt das Jubelpaar die herzlichsten Glückwünsche, zahlreiche Telegramme, prachtvolle Blumenspenden und verschiedene zum Teil reiche Geschenke. Ein Ständchen der Lüdde'schen Kapelle begann und schloß die seltene Feier, an der auch Behörden und Mitbürger herzliche Teilnahme bekundeten. Möge dem würdigen Jubelpaare noch ein recht langer und sonniger Lebensabend beschieden sein! — Herr Dr. Iastroiv aus Berlin wurde als Professor der Geschichte nach Kern berufen. — In Berlin wird durch einen Verein im Osten der Stadt eine 600 Sitze umfassende Synagoge gebaut. . Solche Synagogen haben, wenn sie nicht der Hauptgemeinde unterstehen, immer etwas Dezentralisierendes an sich. — Bei Erdarbeiten in der Georgenkirchstraße in Berlin stieß man auf Spuren des ältesten jüdischen Friedhofes. Auf diesem Platze wurde bis zur Vertreibung der Juden unter Kurfürst' Joachim II. begraben. — In Lembach lebt eine Frau Namens Esther Rosenbaum, die das hundertste Lebensjahr zurückgelegt hat. — Unser Aufsatz „Erzherzog Karl von Oesterreich in der Schweiz" (S. 152) hat in Herrn A. D. Makel einen hebräischen Uebersetzer gefunden (Hazephirah No. 189). — Ein neuer Religionshandelsartikel wird im „Israelit" angekündigt „Rein koscher gebrannter Kaffee". Wie weit doch in gewissen Kreisen die Schändung des Judentums gediehen ist! — Aus Bischweiler (Elsaß) berichtet man: Der Pfarrer Grimm veröffentlicht im hiesigen Wochenblatt, daß ihm die Familie des beiin Baden verunglückten Fabrikanten Ernst in Ausführung der eigenhändigen Aufzeichnungen des Verewigten 3100 Mark übersendet, mit der Bestimmung voll 1000 Mk. für die protestantischen Arnien, 500 Mk. für den Versorgungsverein, 500 Mk. für die katholischen Armen und 1000 Mk. für die israelitischen Armen. Der Verunglückte war Protestant. — Otto Glagan will in Berlin ein antisemitisches Tageblatt ilnd Theodor Kitsch einen antiseinitischen Volkskalender herausgeben. — In Marbach hielt am 14. August Ritter von Schönerer einen zweistündigen Vortrag, wofür er den Dank Wistels einerntete. In Folge höherer Weisung durfte ein Musikkorps des Marburger Jägerbataillons hiebei nicht Mitwirken. — Am 11. September hielt Herr vr. Wmrl in Lostar eine antisemitische Versammlung ab und sprach zum Volke vom Balkon eines Gasthauses herab- Die Behörde löste schließlich die Versamnilung auf. — Herr Freiherr v. Lchorlemer-Klst hat anläßlich der Generalversammlung des Westfälischen Bauernvereins, der in Esten tagte, in seiner Rede hervorgehoben, daß der Verein kein konfessioneller sei. Im