Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1887)
- Date
- 1887-11-01
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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254 Rechtsgelehrsamkeit; die gegenseitige Durchdringung des griechischen und römischen Geistes bildete die vornehmste Aufgabe der damaligen Zeitgenossenschaft. Aber noch ein anderes Element gab es in derselben, das semitische, welches in den allgemeinen Verband entweder freiwillig oder gezwungen ausgenommen, jetzt zwar niedergeworfen und beinahe vernichtet, in seinem Kern eine Transformation erfahren hatte, die eben in der Annäherung an die übrigen Nationen bestand und dadurch eine nicht zu ermessende Wirkung in Aussicht hatte, da es zugleich das Prinzip der ältesten Religion behauptete und so zum Gemeingut der Welt machte. lS. 315. Band 3. I.) Möge die erhabene Denkweise des größten Geschichtforschers des 19. Jahrhunderts ein Mahnruf für alle Zeiten bleibe». Schweidnitz, im Oktober 1887. Dr. Rosen zweig, König!. Preuß. Oberstabsarzt a. D. Worra 1 sschau. In Tohannisbad starb am 23. August der Rabbiner der israelitischen Gemeinde in Berlin Herr Dr. P. Z. Krankl, geboren am 28. Februar 1848 in Ungarisch-BroL in Mähren. Herr Dr. Keiner in Gothenburg, ein Schüler des Heimgegangenen, schieb uns am 29. August: Soeben erhalte ich die tief traurige Nachricht von dem Ableben des Herrn Di-. Frankl. Ach ich bin tief betrübt! Dr. Frankl war edel, treu und reich begabt, von einer durchdringenden Verstandesschärfe und seltener fabelhafter Arbeitskraft. Er hatte einen großen Beruf zu wirken und hat diesen Beruf während seiner kaum zehnjährigen Wirksamkeit in hoffnungsreichster, verheißungsvoller Weise erfüllt. Er wirkte versöhnend, das lag in seiner edlen Natur; aber er ließ sich doch nicht irre machen; sein Auge war unabgewendet auf den Kompaß des in Wissenschaft, edler Religiosität und Pietät sich entwickelnden Geistes des Judentums gerichtet. Er hatte in allen dreien dieser schönen Vorzüge und Gaben, nach denen wir ringen und streben, sein gut Teil. Voll seiner lvissenschaftlichen Gediegenheit geben seine karäischen Studien, seine Artikel in der großen Encyklopädie von Erscch u. Gruber und in der Frankel-Grätz'schen Monatsschrift, deren Mitredakteur er mehrere Jahre war, glänzendes Zeugnis. Seine edle Religiosität und Pietät kani in seinen sinnigen, geist- und gehaltvollen Predigten zum Ansdruck. Und dieser Mann war nicht älter als 39 Jahre! Eine tückische Krankheit, welche ihn in den letzten zwei Jahren ergriffen, hat ihn hinweggerafft. Verloren hat ihn nicht nur die Berliner Gemeinde, das Berliner Rabbinat, dessen Zierde er war und dessen Allsehen er in den weitesten Kreisen der zerstreuten Gemeindemitglieder mit so sehr gehoben — wie das jeder wahrnehmen konnte, der das letzte Jahrzehnt in Berlin gelebt und nach der Richtung hin Erfahrungen machte, — verloren hat ihn nicht nur die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, an der er als Lehrer wirkte und persönlich so erziehend und bildend auf die Hörer einwirkte — verloren hat ihn jedes Herz, das für die heilige Sache des Judentums in Liebe und Teilnahme schlägt. Sein Name bleibt gewiß unvergessen, sowohl in den Annalen der Berliner jüdischen Gemeinde, sowie der Geschichte des Judentums, das die