Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1887)
- Date
- 1887-11-01
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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252 Es ist das eine ganz merkwürdige und wunderbare Thatsache, die uns da erzählt wird, einmal schon deshalb, weil es sich so gefügt hat, daß die Sodomiten, die sich durch ihren Fremdenhaß und ihre Ungastlichkeit so sehr hervorthaten, gerade einem Fremden die Rettung ihres Landes und ihres Lebens verdanken sollten, dann aber auch, weil Abraham, der sonst von einer solchen Nachgiebigkeit, von einer solchen Friedfertigkeit beseelt war, daß er jeden Zwist selbst mit Aufopferung des eigenen Vorteils zu vermeiden suchte und, wie er selbst sagt, gerne nach links answich, wenn der andere rechts gehen wollte, hier als Führer bewaffneter Kriegsleute auszieht, mit dem Schwerte in der.Hand durch Nacht und Finsternis sich den Weg bahnt, die Feinde angreift, schlägt, besiegt, verfolgt, vertreibt, bis völlig gesühnt ist die Unbill und für immer getilgt die Schmach, die den Sodomiten von ihnen zugefügt worden war. Belehren will uns die Schrift damit, daß wir trotz der Unduldsamkeit, unter der wir oft so schwer zu leiden habend uns nirgendswo als Fremde ansehen sollen, die nur auf das eigene Wohl bedacht sind und kein Gefühl haben für das Volk, in dessen Mitte sie wohnen. Sie will uns ferner zeigen, daß es auch für den Mann des Friedens eine Zeit des Kampfes giebt, daß wir da nicht ruhen dürfen, wo Uebermut und Gewaltthat das Recht verdrängen, das Heil zerstören, daß wir da, wo die Mächte der Finsternis sich ausbreiten, gleich Abraham uns erheben müssen, um die Nacht zu zerteilen und dem Lichte den Weg zu bahnen, auf welchem es einem neuen Morgen uns entgegenführt. Der Waffensieg Abrahams war in der That auch nicht der einzige Erfolg, niit dem er von dem Kampfe wieder zurückkehrte; größer war der Geistessieg, den er da errungen hatte. Als er nämlich an der großen Stadt Salem, dem späteren Jerusalem, die damals noch von Heiden bewohnt war, vorüberzog, da kam Malkizedek, der König und zugleich Hoherpriester daselbst war, mit Zeichen der Verehrung und Huldigung ihm entgegen. Er begriißte den Abraham, indem er sprach: „Gestgnet sei Abraham von Gott, dem Allerhöchsten, dem Herrn des Himmels und der Erde. Gepriesen sei der Gott, der oberste Herr aller Welten, der deine Feinde dir in die Hand gegeben hat." Wenn es Menschen giebt, sprach Malkizedek, die jedes Land, in das sie kommen, als ihre Heimat ansehen, die überall, wo sie wohnen, zum Wohle und Segen ihrer Mitmenschen wirken, dann giebt es wahrlich auch nur einen Gott, der die Welt zu seiner Ehre erschaffen, einen Vater im Himmel, der in seiner Gnade auf die ganze Erde herabschaut. Die diesem einzigen Gotte dienen, die sind die Männer des Friedens und der Eintracht und ist's geboten, daß sie zum Kampfe sich erheben, dann ist es ein Kampf für das Licht und für das Recht, den sie führen, sie müssen siegen, denn sie führen den heiligen Kampf Gottes gegen Gewalt und Finsternis, ihr Sieg ist ein Sieg der Wahrheit und der Erleuchtung, des Heiles und des Friedens. Wo wir wie Abraham im Herzen den Frieden anstreben und daher den Kampf aufnehmen gegen Verkehrtheit und Entartung, gegen Bosheit und Frevel, da kann der Sieg nicht ausbleiben, da wird das Ziel des wahren Friedens einst auch sicherlich erreicht und für die Dauer begründet. In diesem Kampfe werden die Bessergesinnten aller Völker uns aufrichtig und herzlich zur Seite stehen, wie Malkizedek dem Abraham seine Treue und Verehrung dargebracht. Wo das Recht zur Herrschaft gelangt, da wird auch das Reich des Friedens gegründet. Auf diesen» Boden bleibt Israel ein Priester der Menschheit und das Königtum der Gerechtigkeit bleibt seine unverwelkliche Zier, groß steht es da vor seinem