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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-11-01 · Heft 11 (1.11.1887) · p. Seite 250

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 11 (1.11.1887)
Date
1887-11-01
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 nachher gleich zeigen werden; uns vielmehr statt dessen mit gemeinen Schimpfworten aufgewartet wird — wir sagen so groß kann und darf die Geduld nicht sein, zu schweigen und ruhig zuzusehen und abzuwarten bis es einmal in jenen Kreisen besser wird. „Welche Anklagen werden denn in jenem Pamphlet gegen die Juden erhoben?" wird wohl jeder der geehrten Leser fragen. Nun, die Frage wäre folgendermaßen gestellt kürzer zu beantworten: „Welche lobenswerte Eigenschaften oder Tugenden hat denn tutfcr objektiver (!) Phamphletist an denseben wahrgenommen?" Ja dann wären wir mit der Beantwortung gleich fertig und könnten unsere Erörterungen schließen, denn bis zur letzten Seite scheint derselbe keineswegs eine einzige gute Eigenschaft an diesen unseren so achtungswerten Mitbürgern finden zu können — trotz seiner Objektivität! Doch der Wahrheit die Ehre! Ganz ängstlich und sehr schwer scheint diesem Herrn die Anerkennung der von vielen Antisemiten nicht einmal bestrittenen Thatsache, daß sich die Inden eines schönen und innigen Familienlebens erfreuen, zu werden, indem er — vielleicht absichtlich? — eine diesbezügliche anerkennende Bemerkung erst am Schlußabsatz des ganzen Pamphlets macht, während sie in dem Kapitel, welche beit Vorzügen gewidmet ist, fehlt! — Um jedoch auch den geehrten Lesern selbst ein Urteil über dieses neueste Machwerk zu ermöglichen, wollen wir aus der Unzahl von Schmähungen und unbegründeten und unbewiesenen Anklagen wenigstens einige herausgreisen. Zuerst richtet der Pamphletist, wie viele vor ihm, seine Angriffe auf den Talmud, aus deni er acht lange Seiten abdruckt, ohne indeß Neues an das Tageslicht zu fördern. Warum geschieht dies? Nur, um in allen Variationen die unwahre Behauptung aufzustellen, daß „die echten Juden die so verwerflichen „heiligen" Bücher höher achten, als die Geltung der Staatsgesetze der Christen in deren Mitte sie leben" (S. 5) oder wie es an einer andern Stelle heißt, daß „sie (die Bücher) ein vollgiltiger Beweis der Geringschätzung (?) und selbst „des Hasses (?) geben, welcher den Juden anbefohlen wird gegen die Christen, „unter derem Schutze sie leben und gedeihen, von denen sie Gleichberechtigung, „wenn nicht gar Bevorzugung (!?) verlangen." (S. 8.) Man mag über den Talmud denken, wie man will, aber die freche Behauptung muß mit aller Entschiedenheit zurttckgewiesen werden, daß unsere auf allen Gebieten der Arbeit, der Wissenschaft und Kunst rührig arbeitenden jüdischen Mitbürger die Slaatsgesetze ihren religiösen Vorschriften hintansetzen, eine Behauptung, für die der Beweis erst erbracht werden muß. — Unter anderem erfrecht sich der Pamphletschreiber zu schreiben: die Bücher des Talmuds seien als „Lehrbücher für Gauner" oder „Vorschriften zur Verschwörung gegen die Christen" zu bezeichnen. (S. 23.) Solche Schmähungen bedürfen keines weiteren Commentares. Sie sprechen mehr als ein Buch und richten sich selbst. — Und weiter. Es wird die leere und unsinnige Behauptung aufgestellt, die Juden, welche kaum l°/o der ganzen Bevölkerung ausmachen forderten, daß sich 99"/», d. h. alle anderen Mitbürger nach ihnen richten sollten. Natürlich erfahren wir nicht, in welchen Fällen dies geschieht, noch werden

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