Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1887)
- Date
- 1887-11-01
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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249 Sagt uns schon der Titel derselben, zu welcher Klasse von Erzeugnissen des Büchermarktes wir dieses neueste Produkt desselben zu rechnen haben, so läßt uns der Inhalt keinen Zweifel mehr übrig. Sie ist nämlich ein Pamphlet der ärgsten Sorte, in welchem aus jeder Zeile die Absicht hervorleuchtet, eine geachtete Klasse von Bürgern, welche vom Gesetz wie die andern geschützt und mit ihnen gleichberechtigt anerkannt werden, in den Augen der Leser verächtlich zu machen. — Ich will den geehrten Leser nicht beleidigen. Deshalb kann ich ihn nicht bitten, der keineswegs einladenden Aufforderung Folge zu leisten, mir etwa in diesen Morast, der sich dort findet, zu folgen. Doch glaube ich nicht zögern zu dürfen, ihn vor diesem neuen Machwerk zu warnen und dessen Bedeutung niedriger zu hängen. Es sind ja Dinge, welche wir in den letzten Jahrzehnten schon so und so oft gehört haben, welche — das muß man sagen — uns da systematisch, wie noch selten, dargeboten werden. Der Verfasser, von der geistigen Epidemie des Antiseinitismus stark angekränkelt und ergriffen, ist ein gelehriger Schüler seiner Vorgänger, die er nur an Gemeinheit der Gesinnung noch weit überrag!. — Er will zwar „redlich (!) bemüht gewesen sein, die Licht- und Schattenseiten der zugelassenen Fremden (sic) soweit nötig (?) hervorzuheben, um — man höre und staune — zur Aussöhnung (!) und Rechtsgleichheit (!) mitzuwirken." Was veranlaßt denn diesen Herrn, als Friedensapostel gegen unsere mit allen Mitbürgern im besten Einvernehmen lebende friedliche und arbeitsame jüdische Bevölkerung aufzutreten? Ist er vielleicht einmal von einem Juden beleidigt worden, daß er auf dem Kampfplatz erscheint, um sich mit so schmutzigen Waffen an allen Glaubensgenossen zu rächen? Nein, hören wir auf Seite 28 des Pamphlets. Dort beteuert er, daß er (— wunderbarer Weise — Anmerk. d. Vers.) „niemals von Juden belogen, betrogen oder irgendwie beleidigt worden, also — wie er mit gesperrter Schrift hervorhebt — frei von persönlichen Beweggründen sei und er der heiklen Frage objektiv (sic) gegenüberstehe." Jndeß wer keine Geduld und Lust verspürt, sich durch den in 13 Kapiteln niedergelegten Schmutz hindurchzuarbeiten, wird schon nach den ersten 5 Seiten die Ansicht gewinnen, daß der Verfasser weit entfernt ist, einen objektiven Standpunkt einzunehmen, vielmehr wird sich dem Leser die Ueberzeugung aufdrängen, daß er es hier mit einem durch und durch von niedriger Gehässigkeit getragenen Pamphlet zu thun hat. — Wahrlich Börne's Worte treffen auch hier zu, wenn er einmal schreibt: „Ich glaube an Alles eher, als an die Bosheit der Menschen, ich glaube auch nicht, daß sie die Quelle der Verfolgung sei, welche die deutschen Schriftsteller gegen die Juden üben. Es ist nichts als ein garstiges Muttermal, welches die Deutschen nicht abwaschen, nichts als eine Schulfuchserei, die sie nicht los werden können. Man muß Geduld mit ihnen haben; es wird schon besser werden, freilich große Geduld." Aber so groß kann und darf die Geduld nicht sein, bei solchen schweren Anklagen und Behauptungen — zumal sie des Beweises entbehren, — wie wir