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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-11-01 · Heft 11 (1.11.1887) · p. Seite 248

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 11 (1.11.1887)
Date
1887-11-01
Page
Seite 248 (sequence 8)
Language
German
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248 welche ich Ihnen lebhaften Dank zolle. Zwar wird ihr kritscher Kommentar wegen der Kühnheit Ihrer Kritik bei der großen Zahl der Exegeten großen Anstoß erregen, die als Exegeten selber überkühn, aber schwache Kritiker sind. Fiir mich hat, wie Sie wissen, die Kühnheit in der Kritik nichts Erschreckendes, wo sie mit Sprach- und Sachkenntnis, mit Scharfsinn und vor Allem mit gesundem Menschenverstand verbunden auftritt. Gewiß werde ich Ihnen nicht in jedem Falle zustimmen können, wo Sie vielleicht mit allzu großer Zuversicht das Richtige getroffen zu haben meinen; allein das hindert mich nicht anzuerkennen, daß Ihr Buch durch eine Fülle vortrefflicher Emendationen eine wesentliche Bereicherung der biblischen Litteratur ist." Dies Urteil galt dem Psalmenkommentar und bekundet, welchen Wert ein Mann, der in Bibelstudien grau geworden, dem Graetz'schen Werke beilegt. Graetz blickt an seinem siebzigsten Geburtstag auf Jahre der Arbeit und des Erfolges zurück; die Arbeit hat auch ihm wohlgethan; er besitzt eine Frische, eine Jugendlichkeit und Elastizität des Körpers und des Geistes, die ihm noch viele Jahre segensreichen Schaffens verheißt. Es schien uns der Gesinnung dieses Mannes zu entsprechen, daß wir zu seinem Jubeltage unsere freudige Teilnahme nicht durch einen überschwänglichen Hymnus, sondern durch diese unbefangene Würdigung seines Wirkens bekunden.*) Dr gjij,pner *) Anm. d. Redaktion. Bei der Würdigung der unbestreitbaren Verdienste und hervorragenden Leistungen Graetz's auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft kömmt seine persönliche religiöse Anschauung wenig iu Betracht. Da er es einerseits scheut, die praktischen Consequenzen der wissenschaftlichen Erkenntnis gelten zu lassen, andrerseits aber auch vor der entschiedensten Verurteilung der gefeiertesten Koryphäen der Orthodoxie (wie z. B. Josef Karo's, des Verfassers des Schulchan Aruch, Sabbatai Kohen, Jonathan Eibenschütz u. a.) nicht zurückschreckt, ist es, wenigstens für Fernerstehende, nicht genug klar, welche Stellung etwa Graetz in den religiösen Sen des Judentums der Gegenwart, die noch ihrer Klärung und Lösung harren, einnehmen e. Das wissen wir, daß ohne die Bestrebungen für Reform und Cultur im Judentume, über die er im letzten Bande seiner Geschichte geringschätzig hinwegurteilt, er selbst nicht möglich gewesen wäre. Als Reformator, der sich nicht bei rein äußerlichen Dingen aufhält, zeigt sich Graetz indessen selbst im ersten und zweiten Bande des genannten Werkes, in seinen Kommentaren zu Kohelet, Psalmen und dem hohen Liede, wie in seinen exegetischen Arbeiten, die es erkennen lassen, daß er von der freiesten Anschauung geleitet wird. Dem Wegweiser auf religiösem Gebiete werden die treuen Gesinnungsgenossen, dem Manne der Wissenschaft alle Freunde derselben aus vollem Herzen die gebührende Huldigung darbringen. Zur Abwehr. Es giebt Menschen, die wohnen auf dem Cimborasso der Gemeinheit. Es ist unmöglich ihnen beizukommen — sie behalten immer Recht. Der Witz, der sie aufsucht, sinkt schon am Fuße des Berges entatmet nieder und bekennt mit Scham, daß ein Prügel besser sei als eine Lanze. Diese Worte Börne's, der es verstanden, mit der scharfen Waffe seiner Feder für Freiheit, Wahrheit und Gerechtigkeit mit Begeisterung einzutreten, fielen mir in den Sinn, nachdem ich mich mit geduldiger Mühe durch den Schmutz einer soeben erschienenen Schrift von C. Rodenhausenr) durchgearbeitet. *) Esther, die semitische Unmoral im Kampf wider Staat und Kirche. 223 Seiten. Leipzig. E. Thiele

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