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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-11-01 · Heft 11 (1.11.1887) · p. Seite 247

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 11 (1.11.1887)
Date
1887-11-01
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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247 Selbstvergötterung vieler Professoren, die keine andere Meinung dulden als die ihrige und mit jedem Wort der Anerkennung zurückhalten, wenn der Jünger einmal das erfüllt, wozu derartige Übungen da sind und selbständig denkt und urteilt. Hier kann die Graetz'sche Manier als mustergültig bezeichnet werden. Auf einem immensen Forschungsgebiete völlig heimisch, weiß er fast stets engbegrenzte Aufgaben zu stellen, bei deren Bewältigung der fleißige nckd verständige Schüler etwas Neues findet und so zu weiterer wissenschaftlicher Thätigkeit angeregt wird. Graetz ist auch nichts weniger als rechthaberisch; ja es gilt bei den Schülern geradezu als ein Sport, bei den Übungsarbeiten irgend etwas gegen Graetz vorzubringen und der Lehrer erträgt den Tadel gutmütig und gelassen, erwägt unparteiisch das Für und Wider, geht auch auf das Unreife mild und rücksichtsvoll ein, um nur nicht die Regungen zu selbständigem wissenschaftlichen Schaffen zu ersticken; thäte Graetz nichts weiter für das Seminar, als daß er in der Stunde am Anfang jedes Semesters diese Themata stellt, er hätte schon dadurch um das Seminar sich ein großes Verdienst erworben. Graetz hat in den letzten Jahren der Bibelexegese seine Arbeit gewidmet. Er hat die große Masse von bibelexegetischem Stoffe, der in der talmudischen Litteratur vorliegt, der besonders für die Fragen der höheren Kritik so wichtig ist und den christlichen Exegeten nicht zugänglich war, für die Wissenschaft nutzbar gemacht; das scheint uns eine gar nicht verächtliche Leistung; sodann erntet sein Scharfsinn, seine Gelehrsamkeit, sein Kombinationstalent auch hier Triumphe, während freilich Vieles, was Graetz auf diesem Gebiete lehrt, bestritten wird. Es liegt vielleicht schon in der Natur des Gegenstandes, daß der Erfolg hier kein so glänzender sein konnte als auf dem Gebiete der Geschichte, wo Graetz bahnbrechend auftrat. Aber auch auf diesem Felde hat er so tiefe Spuren eingegraben, so neue Wege eingeschlagen, daß er in der Entwicklung der Bibelexegese eine wichtige Stellung einnehmen wird, und der geringschätzige Ton, in dem zuweilen christliche Gelehrte von diesen Arbeiten reden, ist nur erheuchelt, ist nur der Ausdruck des Ärgers, daß ihnen sowohl die Vertrautheit mit der hebräischen Sprache wie mit dem talmudischen Schrifttum fehlt, welche Graetz besitzt und die ihm von wesentlichstem Nutzen für seine exegetischen Versuche sind. Freilich seine große Stellung im Judentum der Gegenwart verdankt er vor allem seiueni Geschichtswerk, das er fortwährend zu verbessern trachtet. Es giebt Schriftsteller, die fortwährend neue Bücher schreiben müssen, um sich immer wieder in Erinnerung zu bringen, um sich davor zu schützen, daß sie in Vergessenheit geraten. So ist es mit dem Graetz'schen Ruhme nicht: er ist so fest als wohlerworben. Der Neid kleinlicher Menschen wird daran absolut Nichts ändern. Graetz selbst ist zu sehr in sich gefestet, um dadurch gestört zu werden, sondern es ist ihm nicht selten ein sicheres Zeichen, daß er das Rechte getroffen hat, und darum eine Helle Freude, wenn gewisse Leute sich über ihn ärgern. Göthe sagt von sich: Ich bin Euch sämtlichen zur Last, einigen sogar verhaßt; das hat aber gar nichts zu sagen, denn mir behagt es in alten Tagen, so wie es mir in jungen behagte, daß ich nach Alt und Jung nicht fragte." Ungefähr so unabhängig denkt auch unser Graetz von manchen Blüten der Tageskritik. Der Beifall der kundigsten und würdigsten Männer hat ihm nicht gefehlt. So konnte der Verfasser dieses Aufsatzes durch Zufall Einsicht in einen Brief nehmen, den Olshausen, der bekannte Bibelforscher, an Graetz geschrieben und der folgendermaßen lautet: „Wiederum, hochgeehrter Herr Professor, haben Sie mich durch eine sehr wertvolle Gabe erfreut, für

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