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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-11-01 · Heft 11 (1.11.1887) · p. Seite 242

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 11 (1.11.1887)
Date
1887-11-01
Page
Seite 242 (sequence 2)
Language
German
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242 liche Judentum begeisterte Prediger den damaligen Landrabbiner von Emden mit Lob überschüttet. Jellinek preist ihn als ehrenhaft und charakterfest und sagt zum Schluß: „Was aber nicht mit Stillschweigen übergangen werden darf, das ist die Entschiedenheit und Konsequenz, die Herr Hirsch in allen seinen Schriften zeigt. Er ist kein rationalistischer Seiltänzer, der mit der Balancirstange des Rationalismus alle möglichen Kunststücke macht, ernst, beharrlich und um das Lobhudeln der Menge sich nicht kümmernd, verfolgt er seine Bahn als würdiger Volkslehrer in Israel und wir kennen keinen zweiten Rabbiner in Deutschland, der ihm zur Seite gestellt werden könnte." Ob Jellinek dieses Urteil noch heute fällen möchte? Es war noch die Zeit, wo alle diejenigen, welche dem geschichtlichen Judentum treu waren, unbekümmert um einige Differenzen, in einer Reihe standen, wo Hirsch es noch vorzog, ein Haupt von Gemeinden statt ein Häuptling von Konventikeln zu sein. Frankel nennt Hirsch (Jahrgang 1844 der Monatsschrift) einen Ehrenmann, einen scharf ausgeprägten Charakter. Hirsch hat diese Anerkennung später schlecht vergolten. Wir führen diese Urteile hier nur an, um zu erweisen, daß der Widerstreit zwischen dem geschichtlichen und dem orthodoxen Judentum, der jetzt in Deutschland, man möchte fast sagen so eifrig gepflegt wird, damals nicht existirte. Wer wie Graetz wissenschaftlich sich an Znnz und Frankel anschloß und dabei Hirsch zu Dank verpflichtet war, war nicht vor die Alternative gestellt zwischen dem Einen und dem Andern zu wählen, sondern konnte allen diesen Männern zugleich seine Liebe und Verehrung widmen. Die Gegensätze waren auch noch unentwickelt. Graetz war noch nicht der Bibelkritiker von heute und Hirsch hatte den Fanatismus noch nicht auf die Spitze getrieben. Graetz hatte sich durch seine Schrift „Gnostizismus und Judentum" eine feste Position in der wissenschaftlichen Welt erworben. Der junge Autor hegte nicht ohne Grund die Sorge, daß eine Schrift, die sich ganz abseits von den heftigen religiösen Kämpfen dieser so lebhaft erregte» Zeit hielt, nicht für zeitgemäß gelten möchte und unbeachtet bleiben könnte, da die Leser damals, wie es schien, nur solche Schriften begehrten, die entweder direkt in den Streit der Parteien, in die religiösen und politischen Strebungen eingriffen oder falls sie, wie die gelehrten Arbeiten Frankels aus dieser Periode, streng wissenschaftlichen Charakters waren, indirekt dieselben beeinflußten. Aber die Gediegenheit der Forschung, die Fülle der Gelehrsamkeit, der Scharfsinn und der Reichtum an neuen Ideen und Anregungen hat dieser ersten Arbeit von Graetz sofort Beachtung verschafft; man folgte mit Spannung dem Nachweis, wie die Gnosis zur Zeit der Entstehung des Christentums auch ins Judentum Eingang gefunden und sodann vom Judentum zurückgewiesen worden ist, man war entzückt durch die glänzende Erläuterung, die eine ganze Reihe von Talmudstellen erfuhr, indem Graetz sie individualisirte, aus dem Charakter und der wissenschaftlichen Anschauung ihrer Urheber erklärte, oder indem er die polemische Spitze nachwies, die sie gegen bestimmte Männer oder gegen bestimmte Ansichten haben, und so den talmudischen Stoff belebte und beleuchtete. Noch heute nach mehr als vierzig Jahren behauptet diese Jugendschrift, die aber nirgends jugendliche Unreife, sondern durchweg strenge wissenschaftliche Zucht bekundet, ihren Platz würdig in der wissenschaftlichen Litteratur. Es war ein Glück für Graetz und für die jüdische Wissenschaft, daß die Hoffnungen desselben auf Grund des gewonnenen litterarischen Ansehens ein rabbinisches Amt in einer größeren Gemeinde zu erlangen, nicht in Erfüllung

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