Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1887)
- Date
- 1887-10-01
- Page
- Seite 239 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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239 in einer Rede, die er am 6. Jnni in Berlin hielt: Unter den Einwohnern Ostindiens befinden sich anch etwa 3000 Juden, die zum Teil von weißer, zum Teil von gelbbrauner, zum Teil vou schwarzer Hautfarbe sind. Die Weißen sind in neuerer Zeit aus Europa eiugewaudert. I» den Gelbbraunen vermutet man Abkömmlinge von Juden, die nach der Zerstörung Jerusalems oder während des Exils hierhergekommen sind, und die schwarzen Juden, die nicht semitischen, sondern hamitischen Typus haben, dürften Nachkommen der Leibeigenen der Erzväter rc. oder solche sein, die vielleicht schon vor der Zerstörung Jerusalems von jüdischen Missionaren bekehrt worden sind. Die schwarzen und gelbbraunen Juden haben eine sehr geringe Gotteserkenntnis und sind fast ganz heidnisch. — Die Olivenernte „in Palästina ist in diesem Jahre keine günstige gewesen. Das Erträgnis der Ölfabrikation hat 6500 Centner nicht überschritten. Der Wert des Centners am Platze betrug 60—65 Francs. Ein Drittel der Ölertrages wurde nach ägyptischen Häfen ausgeführt. Die übrigen zwei Drittteile blieben im Lande und wurden in den Seifenfabriken von Jerusalem, Gaza, Nablus, Lidda und Hebron verbraucht. Es giebt daselbst au vierzig Seifenfabriken, die jährlich über vierzig Tausend Centner Seife erzeugen, wovon der Centner durchschnittlich mit siebzig Francs bezahlt wird. Weferale und Mitteilungen. Im Verlage von H. Meyer in Halberstadt ist erschienen: Jllustrirter Jüdischer Familien-Kalender für das Jahr 5648 n. E. d. W. vom 19. September 1887 bis 5. September 1888. 10. Jahrgang. Herausgegeben von Julius Meyer. Derselbe enthält neben den orientierenden Notitzen eine Biographie Aerend Lehmanns, des König!, poln. Residenten von Mar Lange, Gedichte von Ludwig A. Kosenthal eine Erzählung „Die Tochter Alfahzi's" von demselben und einen Artikel überschrieben „Spiritismus" von Iredrich flott. Wir empfehlen hiemit diesen Kalender unseren Freunden für das bevorstehende Neujahr. — Es ist uns zugegangen: Zur Geschichte der Krankenpflege in der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Es ist eine der wichtigsten das Judentum kennzeichnende Pflichten, die Kranken zu pflegen und so befand sich denn von jeher in jeder jüdischen Gemeinde eine „fromme Gesellschaft," die sich die Übung dieser Liebespflicht zur Aufgabe stellte. Schon um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, bevor die Juden aus der Mark vertrieben wurden (1573), besaß die jüdische Gemeinde in Berlin ein Armeu-Krankenhaus. Die spätere jüdische Kolonie gründete, als sie kaum ein viertel Jahrhundert in Berlin ansässig war, einen Verein Olisbratlr Bi km- Cholim „Genossenschaft für Krankenbesuch und Krankenpflege", welcher bald zur Errichtung eines Krankenhauses (Hekdesch) schritt. Seit dem Jahre 1735 fungierte in diesem Krankenhaus der bekannte Arzt Benjamin de Lemos, der Vater der vielgenannten Henriette Herz, welcher in Gemeinschaft mit seinem berühmten Schwiegersöhne Dr. Markus Herz und mit dem durch seine Studien über die Fische bekannt gewordenen Arzte vr. M. E. Bloch für die Krankenpflege innerhalb der jungen Gemeinde thätig war. Mit dem Wachstum der Gemeinde wurde der Bau eines Krankenhauses eine dringende Notwendigkeit und haben sich uni das Zustandekommen desselben auch Hirsch David, Großvater des Kantianers Lazarus Bendawid und Meyer Wulff, der Urgroß-