Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1887)
- Date
- 1887-10-01
- Page
- Seite 238 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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238 zwei Jahren die fragliche Fabrik zu errichten, widrigenfalls Erlaubnis und Kaution verfallen. — In St. Petersburg dürfen jetzt nach einer Verfügung jüdische Geschäftsleute nicht länger als acht Tage verweilen. — In St. peterbnrq wurde bestimmt, daß Personen mosaischen Glaubens in Zukunft nur in der Art in die Universität ausgenommen werden, daß ihre Zahl nicht mehr als drei Prozent der Gesamtzahl der in die Universität Eintretenden ausmacht. Auch in Dorpat will man Ähnliches durchführen. — Am Gymnasium zu Lublin hat unter fünfzehn Zöglingen Cleasar Seidenman» den ersten Preis, eine goldene Medaille, erhalten. — Am 22. Juni fand in St. Petersburg eine Totenfeier für den am selben Tage in L»;ern zu Grabe getragenen Herrn Leo» Kosenthal statt. Herr Dr. Drabkin widmete ihm einen tiefempfundenen Nachruf. — In Odessa wird demnächst eine große Synagoge eingeweiht werden. Die Baukosten belaufen sich auf etwa 140,000 Rubel. — In Galah ist am 19. Juli der neue Tempel ein Raub der Flammen geworden. — Am 4. Juli fand in der Synagoge zu St. Petersburg eine Totenfeier für den verstorbenen KalKow statt, der von humanen Gesinnungen gegen die Juden erfüllt war. Die Großgemeindeu beteiligten sich am Leichenbegängnisse durch Niederlegung von Kränzen auf den Sarg. — Der Polizeiminister von Nikolajew erließ einen Befehl, wonach alle dort lebenden österreichisch-ungarischen Juden binnen dreißig Tagen Stadt und Land zu verlassen hätten. — Am 4. Juni wurde in Iefath der Bann ausgesprochen über alle Juden, die sich an der Gründung einer Schule beteiligten, in welcher hebräisch und arabisch gelehrt werden soll. Der jüdische Pöbel durchzog unter wüstem Gejohle die Straßen der Stadt, voran der Schulmeister Berit Stopper, der Fluch auf Fluch gegen die Neuerer ausstieß und die Frauen zum Heulen und Zähneklappern anstachelte. Auch sonst noch zeigt sich unter den Juden in Zefath große Entartung. Man müßte gegen diesen Pöbel, der das heilige Land durch seine Anwesenheit schändet, doch von europäisch-jüdischer Seite energisch Vorgehen und nicht diese Bettler, die dem Judentum zur Unehre gereichen, mit großen Summen bedenken. — In Algier trat am 26. Juni ein neuer Messias auf. Er verkündete, daß noch in derselben Nacht die Welt durch ein Erdbeben untergehen werde. Eine zahlreiche Menschenmenge glaubte seinen Worten und flüchtete sich an die Küste „Bal el Quad". Die Gerichte suchten am Morgen, als die Weissagung sich nicht erfüllte, nach dem falschen Messias, ohne ihn zu finden. — Der Gouverneur von Je; hat den Mohamedanern strengstens verboten, an Juden Milch zu verkaufen, aus dem merkwüdigen Grunde, weil die Milch stärkende Kraft besitze, die man dem Andersgläubigen nicht zu Teil werden lassen soll. — In Tanger starb der Rabbiner Messud Cahen im Alter von 102 Jahren. — Am 11. Mai wurde in Jerusalem der Grundstein zu dem neuerbauten Rothschild'schen Hospitale gelegt. — In Jaffa wurde Herr U. Aaphtali Zwi aus Bialystock zum Rabbiner erwählt. — In Barbeton in Afrika ist eine jüdische Gemeinde entstanden. — Der General-Gouverneur von Syrien, Maschid Pascha, lenkte die Aufmerksamkeit der türkischen Regierung auf die Tüchtigkeit der arabischen Inden im Lande. Laut Beschluß des Justizministeriums wurde in Folge dessen ein Staats-Erlaß ausgegeben, daß sowohl in Hauptwie in den Provinzstädten Syriens Israeliten fortab bei allen Behörden und Gerichtshöfen beamtet werden dürfen. — In Bagdad, woselbst 25,000 jüdische Seelen leben, herrscht große Not. Durch das Austreten des Euphrat und Tigris ist jede Aussicht auf eine Ernte dahin. — Der Sultan von Marokko hat den Juden die aus dem Hungerjahre 1879 aufgelegte sogenannte Blutsteuer erlassen. — Über die Juden in Indien äußerte sich ein Missionar