Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1887)
- Date
- 1887-10-01
- Page
- Seite 235 (sequence 19)
- Language
- German
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235 Turntag sprach sich in entschiedener Weise, gegen antisemitische Bestrebungen in Turnvereinen aus. Möchte man doch in Österreich diese erfreuliche Kundgebung der deutschen Turnerschaft, die 323,135 Turner in 3372 Vereinen zählt, ernstlich beherzigen! — Herr Dr. Aigismund Hercherg-Friinkel, der Sohn des bekannten jüdischen Schriftstellers aus Vrody, hat sich als Privat-Dozent für Geschichte des Mittelalters und historische Hilfswissenschaften in. Wien habilitiert. — Der polnische Schriftsteller Kornel AzessKi dankt der Übersetzerin seiner Gedichte, Fräulein ilrgine Wolf, und schreibt: „Einen solchen Übersetzer zu haben, wie Sie, geehrtes Fräulein, es sind, bedeutet die Wonne des Schaffens abermals zu empfinden." — Die Zahl der Juden in Böhmen betrug im Jahre 1886, 116,000. Davon lebten 102,600 in böhmischen und 14,000 in deutschen Gegenden. Außer 45,000, welche in Landgemeinden wohnen, befinden sich die Juden in Städten. — Nach PiseK wurde Herr Dr. Iriedländer, bisher in Goltsch-Äenilrau, als Rabbiner berufen. — Das Bezirksrabbinat in Wansdorf bei Wien wurde Herrn Dr. D. Brüll übertragen. — Nachdem Herr Direktor Wilbrand vom Hofburgtheater in Wien Abschied genommen, wurde Ionnenthal von der Intendanz mit der Führung der Direktion betraut. — Herr Loria in Mailand hat der „Alliance Israelite Universelle“ 100,000 Francs gespendet. — Am 6. Juli starb in Krapina der durch Beteiligung an humanen Bestrebungen bekannte Herr Moritz Iartzasih. An seinem Leichenbegängnisse beteiligte sich auch die katholische Geistlichkeit. Herr Rabbiner Dr. Ernst aus Warasdin widmete ihm Worte ehrenden Nachrufes. Die Kroatische Presse beklagt sein Hinscheiden in vielen ihm gewidmeten Artikeln' — Die Kaiserin von Österreich sandte zur Erinnerung ihres Besuches bei der Frau Charlotte Cmbden-Heine in Hamburg derselben ihr Porträt im eleganten Rahmen, und deren Sohne eine Tuchnadel mit der k. k. Krone und den Initialen der Kaiserin in Brillanten nebst einem Kabinetsschreiben, in welchem der lebhafte Dank der Kaiserin für die Mitteilungen aus Heine's Leben und die Überlassung einiger Heine-Reliquien ausgesprochen wird. — Die österreichische Kronprinzessin Stephanie besuchte die Synagogen in Marienbad und Karlsbad und wurde in denselben von Herrn Rabbiner Dr. Porges begrüßt. — Der Kaiser von Österreich hat mit Entschließung vom 18. Juni 1887 genehmigt, daß die Karaiten im Falle der Einberufung zum Landsturmdienste auf ihre diesfällig zu stellende Bitte nicht mit der Waffe, sondern nur zu sonstigen Dienstleistungen für Kriegszwecke zu verwenden sind. — In Wien sollen die ersten Exemplare der Scheidemünzen, welche die neugegründeten jüdischen Kolonien in Palästina, als: „Petach Tikwah,“ „Mikwah Israel,“ „Bosch Pinnah,“ „Bischon Lezion“ u. s. w. unter Garantie der „Alliance Israelite“ in Paris herausgeben, eingetroffen sein. Diese Münzen sind aus Bronce angefertigt und haben den Wert von einem ganzen, einem halben und einem Viertelpiaster. Die Reversseite der Münze zeigt den Namen der betreffenden Kolonie in hebräischen Lettern, während auf der Aversseite wieder sich die Buchstaben: A. I. U. („Alliance Israelite Universelle“) und der Wert der Münze in Ziffern befinden. Wir halten es nicht für angezeigt, daß die Alliance mit Münzprägungen in Zusammenhang gebracht wird. — In Neuländer wurde am 10. Juli aus dem dortigen Beth- Ha-Midrasch von den Fanatikern die hebräische Bibel entfernt, weil einige junge Leute sich zusammenthaten, täglich ein Kapitel daraus zu lesen. Das sind die Konsequenzen des orthodoxen Fanatismus, die Bibel wird als ein ketzerisches Buch betrachtet und wer sich mit ihr beschäftigt als Abtrünniger angesehen. Ein Judentum ohne Bibel, ein größerer geistiger Vorfall ist nicht denkbar. Dabei 20*