Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1887)
- Date
- 1887-10-01
- Page
- Seite 233 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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233 am 3. August im Beisein des Rabbiners und der Gerichtsbehörde die etwa seit fünf Jahren beerdigte Wittwe Levy, welche seinerzeit tot aufgefunden wurde, exhumiert, weil der Verdacht Anhaltspunkte fand, daß die Frau ermordet und beraubt worden sei. — Am 27. Juli starb Herr Hermann Wassertrilling, früher Rabbiner in Kojanowo. Er war seit 1854 schriftstellerisch thätig. Von ihm sind, hebräische Gedichte und Predigten erscheinen. — Die Bibliothek von dem verstorbenen vr. Wormser, früherem Rabbiner von Weilburg, ist in Frankfurt a. M, zu verkaufen. — Am 18. Juli starb in Dessau der Hofbuchdrucker Hermann Neuburger im 81. Lebensjahre. Er genoß in Fachkreisen auch wegen seiner schriftstellerischen Thätigkeit großes Ansehen. — In Görlitz starb jüngst Frau Bertha BehmaK in einem Alter von über 100 Jahren, sie stammte aus Griitz in Posen. — In Leipzig starb am 7. August der Musiker Kduard Goldstein, geb. zu Odessa 1851. — Ihre Majestät die Kaiserin hat bei ihrem Aufenthalte in Homburg v. d. Höhe auch den dortigen Rabbiner, Herrn vr. Kottek, zur Audienz befohlen. — Herrn Julius Löwenheim, Redakteur der „Eisenacher Zeitung", wurde bei seinem Rücktritte von diesem Blatte von dem Großherzog von Sachsen-Weimar der Großherzogliche Hausorden der Wachsamkeit zweiter Abteilung verliehen. — Die jüdische Privat-Schule in Unna ist durch Beschluß der Stadtverordnetenversammlung zu einer öffentlichen Stadtschule erhoben worden. — In PasewalK machte sich in jüngster Zeit in Presse und Schule der Antisemitismus bemerkbar. — Herr Rabbiner vr. Kahn in Fulda erklärte jüngst „Mit dem Kaddisch-Gebet, welches in einer Orgel-Synagoge verrichtet werde, sei man nicht „joze" (d. h. erfülle man seine Pflicht nicht) und es sei gerade so gut, als ob gar kein Kaddisch gesagt werde." Oh über diese Heuchler und Fanatiker! — Im Äeschurun von Hirsch Nr. 32 und 33 ist unser Aufsatz „Erzherzog Karl von Österreich in der Schweiz im Jahre 1797" nachgedruckt, natürlich ohne richtige Quellenangabe. — Aus Starkenburg schreibt man uns: Es könnte sich mancher gebildeter Jude fragen, warum im „Israelit" bei Ausschreibungen oft zu lesen ist „Russen und Polen sind ausgeschlossen." Erstens giebt es ja keinen Juden mehr, der ein Pole sei, er ist von Geburt ein russischer Unterthan. Zweitens sind ja Russen auch Menschen. Die ganze gebildete Welt erhebt ihre Stimme mit Recht gegen den Antisemitismus, weil er nur eine Art Racenhaß ist und warum soll der Jude gegen seinen eigenen Glaubensbruder, der einer anderen Nationalität angehört, sich mit Worten äußern, die dem Scheine nach ein Ausdruck des Hasses und der Feindseligkeit sind? Ist die Gemeinde durch Umstände veranlaßt, nur einen Deutschen zu engagieren, kann man sich ja ausdrücken „Bewerber, nur Inländer sollen sich melden." Der Grund solcher Äußerung ist aber meistenteils Rache Seitens des Vorstandes, denn nicht selten sind auf dem Lande, besonders in kleinen Gemeinden, Vorstände anzutreffen, die ihre Religion nicht kennen und deshalb auch nach ihr nicht handeln. Wenn der Vorstand mit dem Lehrer nicht auskommen kann, was so viel heißen will, als der Lehrer läßt sich nicht vom Vorstande und den Gemeindegliedern mit Füßen treten oder er will nicht nach ihrer Laune handeln, und er fortgehen muß, so äußert sich nachher der Vorstand in der Annonce, „Polen und Russen sind ausgeschlossen". Was ist dieses mehr als eine Äußerung der.Rache? Bedenket ihr Vorstände, der Antisemit könnte leicht Stoff aus euerer Äußerung zu seiner Verblendung gewinnen, darum fort mit solchen Gehässigkeiten! — Herr A. Dilsheimer in Daris, aus Aschaffenburg stammend, hat für die dortige Cultusgemeinde 10,000 und für die Stadt 100,000 Frc. letztwillig bestimmt. Jährlich soll abwechselnd ein jüdisches und ein christliches 20