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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-10-01 · Heft 10 (1.10.1887) · p. Seite 231

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 10 (1.10.1887)
Date
1887-10-01
Page
Seite 231 (sequence 15)
Language
German
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231 Tugend und Laster, die müssen wir als klar geschiedene Gegensätze erkennen, die einander vollends ansschließen und auch nicht das Geringste mit einander gemein haben. Du niußt den Mut und die sittliche Kraft in dir erwecken, dem guten Willen auch die edle That folgen zu lassen, mußt de» Mnt besitzen, dich von dem Bösen und Verwerflichen, das noch immer Herrschaft über dich gewonnen hat, dich zu trennen und losznsagen und so die wahre Geistesfreiheit zu erkämpfen und in diesem Kampfe' den rechten Herzensfrieden zu erobern. Das Niedrige, das Falsche, das Böse, das dich zu einem Werkzeuge Asasels macht, zu einem Knechte thörichter und niederer Bestrebungen macht, das mußt du wie ein drückendes Joch von dir abwerfen. Frevel und Bosheit gehören nicht in ein Herz hinein, das mit Gott im Builde stehen will und von edler Menschlichkeit beseelt sein soll; wo sie sind, da kann das Göttliche nicht wohnen, da hat der Fluch und nicht der Segen seine Heimat. Für Gott oder — für Asasel! — wie soll unsere Entscheidung ausfallen, wohin soll unsere Wahl sich neigen? Wenn >vir da nur irgendwie zweifeln und und des schwanken würden, auch nnr mit einem Schritte auf dem Boden des Unrechts Frevels stehen bleiben wollten — daun würden wir, die wir heute zurückkehren wollen, bald wieder auf den Pfad der Sünde geraten. Täuschen wir uns nicht, glauben wir nicht, daß wenn wir heute zum Lichte emporstreben, nicht morgen wieder die frühere Finsternis durch die Pforten unseres Herzens hindurchdringen wird. Schon manchmal hat das heilige Versöhnungsfest sich wie ein erhellender Morgen über unsere Seele ausgebreitet, aber kaum ist es dahingegangen, da ist es wiederum Nacht geworden und wir haben wieder die Wege der Finsternis ausgesucht. Wollen wir wahre Erleuchtung des Geistes und des Herzens, dann soll das auch ein inniges und ernstes Verlangen sein und nicht sollen wir da zugleich auch Wohlgefallen finden an dem Bösen und Verwerflichen, das uns von dem Herrn trennt und entfernt. Wenn tvir zu unserem Gotte zurückkehren, dann sollen wir nicht auf halbem Wege stehen bleiben, sondern unermüdlich fortschreiten, damit wir das erhabenste Ziel der sittlichen Vollendung erreichen. Ja wir Israeliten, die wir die Träger und Erben der erhabensten Gotteslehre sind und in Jahrhunderten der Finsternis das Banner des Lichtes und der Wahrheit nicht verlassen haben, die wir in dem Leben des Geistes allein das Heil unserer Zukunft erblicken können, tvir sind besonders darauf angewiesen, das Vergängliche dem Eivigen zu unterordnen, das Göttliche über das Irdische zu stellen und wenn uns die Losung verkündet und die Wahl gestellt wird: Für Gott — oder für Asasel! dann haben wir keine andere Antwort, keine andere Entscheidung als „Für den Ewigen", der durch uns geheiligt werden soll. „Für Gott!" Mit diesem Rufe ist Israel in die Welt hinausgezogen, mit diesem Rufe hat es freudig die brennenden Scheiterhaufen bestiegen, ist es mutig in das Elend, in den Tod gegangen. Ein Grab war die Welt ihm geworden, Nacht und Finsternis umgaben es von allen Seiten, aber sein Geisteslicht tvar da nie untergegangen, sein erhabener Gottessinn war ihm ein unerschöpflicher Lebensquell. Helllenchtende Sterne sehen wir auch in der düsteren Leidenszeit an dem Himmel unserer Vergangenheit erglänzen und soweit ihr Lichter strahlten, erblaßten auch die Schatten des bösen Vorurteils und düsteren Wahnes, die die Geister bedeckten und nur wenn Israel geblendet von den spärlichen Strahlen der Wintersonne, die znmeilen über seinem Haupte leuchteten, sein eigenes Licht fallen ließ, dann kam inimer ans den freundlichen Morgen wiederum die finstere Nacht. Das wird auf jedem Blatte unserer Geschichte uns erzählt, durch tausendfache Beispiele

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