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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-10-01 · Heft 10 (1.10.1887) · p. Seite 229

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 10 (1.10.1887)
Date
1887-10-01
Page
Seite 229 (sequence 13)
Language
German
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229 das könnte ja die Wahl zwischen beiden nicht getroffen werden — aber wissen wir auch, was gut ist und wohlgefällig vor Gott und was schlecht ist nnd böse in den Angen des Herrn? Wenn wir blos auf unsere beschränkte menschliche Einsicht angewiesen wären und jeder nur an seine Kenntnis und Anschauung sich zu halten brauchte, um da den richtigen Unterschied immer aufzufinden, immer genau die Grenze bezeichnen zu können, die diese beiden Gebiete des menschlichen Thuns und Wollens von einander trennt, da würde gar oft die heilloseste Verwirrung entstehe», es würde da mit den Verwechslungen und Mißverständnissen so weit kommen, daß schließlich alles auf eines hinausliefe und dieser Maßstab der Beurteilung unserer Handlungen ganz und gar nicht mehr gebraucht werden könnte. Was nennen die Menschen nicht alles recht und gut und es ist das schreiendste Unrecht, der größte Frevel, den man sich denken kann! Was wird nicht alles von ihnen gelobt und für edel und rühmlich gehalten, das bei rechtem Lichte besehen und mit klarem Blicke betrachtet, blos als ein Werk der Selbstsucht und Eitelkeit, der Tücke und Bosheit sich darstellt und auf das Schärfste getadelt und verurteilt werden müßte! „Der Weg der Frevler liegt im Dunkeln, sie wissen gar nicht wie tief sie gesunken sind," wie weit sie sich verloren haben. Sie sind so unkundig über das, was sie thun, so wirre in ihrer Anschauung, daß sie sich über ihr Thun und Streben gar keine Rechenschaft geben können, oft vielleicht gar das Gute wollen und doch immer nur Böses schaffen. Die Oberflächlichkeit, die Selbstgefälligkeit, die Verblendung führt die meisten Menschen so tief in den Irrtum hinein, daß ihnen jedes Verständnis für die Wahrheit verloren geht und sie wie die thörichten Kinder alles für gut halten, was den Schein des Guten an sich trägt, was von anderen für gut gehalten wird und einen hübschen Anstrich hat, der das Auge besticht und nach außenhin Wohlgefallen erregt. Zwischen dem Guten und dem Bösen unterscheiden, Beides so zu trennen und auseinanderzuhalten wissen, daß eine Vermischung und Verwechslung beider gar nicht stattfinden kann, dazu gehört eine so tiefe Einsicht, ein so ernster und strenger Wahrheitssinn, daß da die Täuschung und Trübnis der Anschauung völlig ausgeschlossen bleibt. Das ist das göttlich Teil und die geistige Größe und Weihe des Menschen, daß er weiß und versteht, was gut nnd was böse ist und daß in der Erkenntnis dessen sich nicht täuschen und irreführen läßt. Nun wäre das eigentlich für uns gar nicht so mühsam, uns den Weg zu dieser Erkenntnis zu bahnen und die klare lind richtige Einsicht zu erlangen, die jedes Streben auf seinen inneren Wert prüft und uns das Gute und Edle von dem Bösen und Verwerflichen unterscheiden lehrt. Wir besitzen sie als ein von dem Ewigen uns verliehenen Geistesgut, wir haben in unserem Gewissen einen Führer und Wegweiser, der uns auf diesem Gebiete nie irreleitet und es kömmt nur darauf an, daß wir auf seine Stimme hören und diesen Quell der sittlichen Weisheit, der im tiefsten Herzensgründe uns geöffnet ist, nicht trüben und verschlossen halten. Ein Licht Gottes ist die Menschenseele und wenn wir es nur erstrahlen lassen in seiner Klarheit und Reinheit, da wird es in unserem Herzen schon helle werden und nicht finsterer Wahn unsere klare Einsicht verdunkeln, nicht trügerischer Schein uns verblenden und irreführen. An der Fähigkeit, zwischen dem Guten und Bösen den rechten Unterschied zu machen, sie int Lichte klarer Einsicht völlig von einander abzugrenzen, kann es uns also gar nicht fehlen und es wird nur immer darauf ankommen, daß wir derselben uns bewußt bleiben und von ihr den rechten Gebrauch machen. Aber fragen wir uns nun weiter, ist mit der Erkenntnis des Guten und des Bösen, und wenn

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