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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-10-01 · Heft 10 (1.10.1887) · p. Seite 228

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 10 (1.10.1887)
Date
1887-10-01
Page
Seite 228 (sequence 12)
Language
German
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228 uns verkündet und zugerufen wird, Für Gott — oder für Asasel! das ist die Entscheidung, zu der wir heute aufgefordert und hingedrängt werden. Es giebt nur eine Wahl zwischen zweien, entweder das Gute, Rechte und Heilige, durch dessen Erkenntnis und Uebung wir die edle Menschenwiirde uns bewahren und in unserer Geistesentwicklung zur Gottähnlichkeit gelangen, oder das Schlechte, Gemeine und Niedrige, das wie ein finsterer Unhold sich unserer Seele bemächtigt und den Menschen dem Tiere gleichstellt, ja ihn noch tief unter dasselbe herabsetzt. Man sollte meinen, daß da eigentlich die Wahl nicht schwer fallen könne, daß es zu einer solchen überhaupt nicht zu kommen bräuchte, denn so viel Einsicht und Verständnis, so viel Liebe zu sich selbst darf man dem Menschen doch zutrauen, daß er nicht mit eigener Hand sich sein Verderben bereiten, selbst der Zerstörer seiner Geistesgröße, seines Herzensfriedens und Seelenglückes sein werde, aber solche Meinung wäre allein schon nicht nur ein schwerer Irrtum, sondern auch eine arge Sünde gegen Gott und gegen uns selbst, der erste Schritt auf dem Wege der Verkehrtheit und Entartung. So ist das menschliche Wese« keineswegs geartet, daß die Neigung zum Guten ihm bis in den innersten Grund eingepflanzt, mit ihm auf das festeste verbunden, auf das engste verwachsen wäre. Nein! gerade der Zug und Hang zum Bösen ist es, der am Tiefsten in ihm wurzelt und da den fruchtbarsten Boden findet, und wer da meint, daß er nur seinem freien Willen zu folgen brauche, auf den Rat seines Herzens sich verlassen könne, um stets die Wege der Rechtschaffenheit zu wandeln, der ist mit Blindheit geschlagen, dem fehlt die Grundlage aller Weisheit und Tugend, die Selbsterkenntnis. Darüber müssen wir uns, ehe überhaupt die Möglichkeit eines Fortschritts zum Besseren für uns vorhanden sein soll, vollkommen klar geworden sein, daß wir durchaus nicht die guten, trefflichen, rechtschaffenen Menschen sind, für die wir uns immer zu halten Pflegen, und daß es daher anch gar nicht so überflüssig ist, unsere Wege zu prüfen, zwischen dem Guten und dem Bösen zu wählen. Mit dieser Selbstprüfung, mit diesem Zugeständnisse, daß vielleicht Manches an uns schadhaft sei, ohne daß wir davon wissen und darauf achten, daß das Schlechte zumeist die Oberhand in unserem Herzen hat und wir nicht immer so leicht bereit sind, uns für das Gute zu entschließen, ist schon der erste heilsame Schritt gemacht auf dein Wege, der zur Höhe des besseren Menschentums emporleitet. Wir betreten damit wenigstens schon die Schwelle und Vorstufe, die in das Heiligtum der höheren Weisheit und Erkenntnis uns einführt, jetzt fangen aber die Schwierigkeiten, mit denen wir zu känipfen haben, ehe wir da hineingelangen, erst recht für uns an. Wir sollen zunächst selbst über uns Gericht halten! Wird aber dieses Urteil, das wir da über uns zu fällen haben, nicht ganz von dem günstigen Vorurteil beherrscht sein, dessen wir uns gar nicht entschlagen können, wenn es uni unsere eigene Angelegenheit sich handelt? Ueber Andere Gericht halten, ihren Fehlern nachzuspüren, ihre Verderderbtheit an den Tag zu bringen, das verstehen wir meisterlich, ja ihnen noch manche Schuld beizulegen, die sie gar nicht haben; aber als Richter über sich selbst, wie milde, wie nachsichtig pflegt man da zu sein! Das, was man gethan hat, das muß unbedingt gut sein. Man wird doch nicht durch Vorwürfe, mit denen man daS Gewissen belastet, sich die süße Ruhe rauben lassen und von sich selbst eine schlechte Meinung zu bekommen suchen? Wir sollen zwischen dem Guten und dem Bösen unterscheiden! — ohne

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