Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1887)
- Date
- 1887-10-01
- Page
- Seite 227 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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227 unser Schrifttum durchleuchtet, der mit seinem ganzen Denken und Streben, mit seines Herzens Glut und mit seines Geistes Hingebung au dem Judentume hängt, in dem Judentume wurzelt, ob sie den achteii oder auch nur anhören, ob sie den nicht als einen Thoren, der sich mit leere» Träumereien abgiebt, als einen Frevler, der die Grnndfesten des Glaubens erschüttert, verschreien und verdammen würden? Was die an dem Judentum erhalten wollen, das ist nur die ungenießbare Schale und Kruste, die Äußerlichkeit und Verunstaltung, weil sie eine solche ist und der besseren Einsicht widerstrebt. Der edlere Kern, der inag dann verfallen und verwesen; darauf wird ja eben hingezielt und hingearbeitet, daß es zur Frömmigkeit und Gottesfurcht der geistigen Erleuchtling gar nicht bedürfe und die äußere Werkheiligkeit alle Religion ausmache, neben der die innere Veredlung entbehrlich sei. Das sind die Übel, au denen wir kranken, das ist das Siechtum, das uus in den Gliedern liegt. Wer aber daran Schuld trägt, daß es so weit fortgeschritten und vorgedrirngen ist'? Das ist der verderbliche Wahn, daß man durch Nichtsthun am Besten fortkomme, daß man das Judentum sich selbst überlassen »lüsse, der Zeit überlassen dürfe, die möge daraus machen was sie wolle. Wir müssen uns zu Thaten aufraffen, nicht zu Thaten des Verderbens, wie sie wiederum die Gleichgültigkeit und Gesinnungslosigkeit zu Stande bringt, sondern zu Thaten des Heiles, durch die ein rechter Segen gestiftet, durch die die Ehre unseres Namens gefördert, das Leben des Geistes gekräftigt, die Lehre des Judentums zur Geltung gebracht wird, daß sie in unserer Mitte etwas mehr ist als ein leerer Schein und Schatten, als ein hohler Klang und Name, daß sie ihr erhellendes Licht in unserer Mitte verbreite, unsere Herzen mit warmer Begeisterung für alles Edle und Hohe erfülle und uns die Krone unseres Hauptes werde, das Licht unserer Augen, unseres Herzens Zier, unserer Seele Schmuck, unseres Lebens Schatz und Herrlichkeit, daß sie in uns erhoben werde und wir in ihr uns beglückt und beseeligt fühlen. Aus euerer Trägheit erwachet, rüstet Euch zur That! Brechet mit der gewohnten Schlaffheit und Lässigkeit, ermannt euch, rafft euch zu Thaten auf, zu rettenden Thaten, zu Thaten des Heiles, durch die neuer Segen gestiftet, reiches Gedeihen geschaffen, die Ehre unseres Namens gefördert, die Wohlfahrt unserer Zukunft begründet, der Bestand unseres Geisteslebens gesichert wird. Noch ist es nicht zu spät es ermahnt das Jahr, das sich erneut, uns dazu, daß wir von Neuem aufnehmen das bessere Streben, das wir haben fallen lassen, daß wir uns aufraffen zu neuem Thun und Wirken, daß wir mit frischem Eifer und verjiingter Thatkraft an das Werk unserer Erhebung schreiten und das sinkende Heiligtum stützen, aus seiner Verfalleuheit es aufrichten, aus seinen Trümmern es erheben, daß es dastehe uns zum Heile, unserer Zukunft zum Segen, unserem Namen zur Ehre, zur Ehre Gottes, der es in unserer Mitte gestiftet und eingesetzt hat als einen Segen für alle Völker der Erde. „Im Holl oder für Asaset." (Für den Bersöhnungstag.) Für Gott oder für Asasel! das ist das Losungswort, das an dem Versöhnungstage, an welchem wir mit uns selbst ernstlich ins Gericht gehen sollen,