Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1887)
- Date
- 1887-10-01
- Page
- Seite 226 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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226 arbeitet werden, und auf dem nur deshalb häßliche Wucherpflanzen aufschießen, weil diejenigen, die es bearbeiten sollten, müssig die Hände in den Schoß legen? Und wißt ihr, welches der Weinberg ist, der wüste daliegt, auf dem, ob er auch mit den edelsten Reben bepflanzt ist, doch nuc das Unkraut groß wird? deu die Füchse verheeren und die Maulwürfe zerwühlen, weil Niemand da ist, der's wehrt oder nur darauf achtet? Der Weinberg des Ewigen, das ist das Hans Israels und die Gemeinde Judas, das ist der Acker, iu den er die Saat seiner Lehre gelegt hat. Und da hoffte man auf ein rechtes Gedeihen, und siehe! es hat nur ein bösartiger Mißwachs sich herausgestellt! und da hoffte man, daß die Frucht des Heiles werde hervorsprießen, und siehe! es kam die kläglichste Entartung! Und warum das? warum in Israel eiue solch betrübende Verwirrung, eine solch unselige Verwüstung? Warum bei dieser Blüte, bei diesem Glanze, der von außen uns umgiebt, nach innen eine solche Gesunkenheit, ein solches Siechtum, daß wir fast meinen müßten, das Herz Israels habe zu schlagen aufgehört, und die Aasgeier brauchten nur über diesen entseelten Rumpf herzufallen, um sich's da nach Verlangen gütlich zu thun? Wahrlich! An den mahnenden Stimmen und den warnenden Lehrern hat es in unseren Tagen nie gefehlt, mangelt es auch jetzt noch nicht. Nie wird von Judentum so viel gesprochen, nie über Judentum so viel geschrieben, als in der jetzigen Zeit; Reden werden gehalten und Bücher werden veröffentlicht in erdrückenden Mengen, aber die Reden, wer hört sie? und die Bücher, wer liest sie? Wer will denn überhaupt noch den Geist des Judentums walten und gelten lassen? Die Einen, die wollen von dem Judentums nur den Schein und den Namen forterhalten wissen. Warum sollten sie den auch ablegen? der stört sie doch nicht weiter und giebt ihnen noch dazu den Anstrich der Aufklärung und Menschenliebe. Am Ende kann doch die jüdische Gemeinde, die noch durch manches andere Band geeint ist, diesen Namen nicht entbehren. Der Geist?. der mag sehen, wie er selber mit sich fortkömmt. Ob heute das Judentum sich so oder so gestaltet, wenn nur nach außen der Schein gewahrt ist und man weiter nicht mit diesen Dingen behelligt wird, dann kann man es schon weiter so hingehen lassen. Kömmt einmal die Zeit, in der es geraten ist, auch diesen Rainen abzulegen und diesen Schein von sich zu werfen, dann wird auch dies sie keine Üeberwindung kosten. Nur kein Wesen aus dem Judentume geinacht! es soll nicht leben und es soll nicht sterben; das ist die Weisheit, mit der uns die Einen beglücken. Nun kommen die Anderen! die sagen, das Heil sei nur bei ihnen zu suchen, bei ihnen allein habe das Judentum, das von seinen eigenen Bekennern verstoßen wird, eine Zuflucht gefunden. In dieser Verblendung leben sie und es fehlt auch nicht an solchen,'die ihnen das einbilden möchten, damit man in dem Glauben lebe, der Fortschritt im Judentume sei eigentlich nichts weiter als eine große Sünde, nur befinde man sich eben so wohl dabei, daß man ihn gerade nicht weiter beschränken und aufhalten möchte; echtes, wahres, lebendiges Judentum, das sei aber nur bei denen im anderen Lager zu Hause und deshalb müsse man ihnen dafür noch besonderen Dank wissen, daß sie das so weiter pflegen und forterhalteu. Wißt ihr, daß dort der Geist des Judentums erst recht gemieden, erst mit voller Absichtlichkeit und wohlberechnendem Vorbedachte verpönt und geächtet wird? Komme einmal einer zu ihnen, der gründlich und ernstlich in unserer Lehre geforscht, der mit dem Geiste echter Wissenschaftlichkeit