Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1887)
- Date
- 1887-09-01
- Page
- Seite 214 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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214 semitismus, der nur in Neid und Mißgunst wurzelt. Diese Schrift verdient weite Verbreitung und eine deutsche Übersetzung. — Der durch ihren Wohlthätigkeitssinn bekannten Madame de Kurtado Heine in Paris ist das Ritterkreuz der Ehrenlegion verliehen worden. — Das „Institut de France" in Paris hat zu dem in Madrid zusammentretenden internationalen litterarischen Kongresse Herrn Julius Gpperl zu entsenden beschlossen und hat die Regierung die Wahl bestätigt. — Herr Leopold Perenstamm, Direktor der »Mus«5e Crevin“ in Paris, hat für zwei Werke der Bildhauerkunst eine Medaille erhalten. — Am 9. Juni starb in Padua Dr. Marco da Zara, ein durch hervorragende Verdienste um das Vaterland hochgeschätzter Mann. Er hinterließ Geld zu wohlthätigen Zwecken, darunter eine bestimmte Summe zur jährlichen Austeilung an eine jüdische und zwei christliche Bräute. — Das am 5. Juni in Mantua unter anderen Bildnissen enthüllte Medaillon Guiseppe FinLr trägt eine italienische Inschrift, welche mit dem Satze schließt: Das Municipium zu Mantua — wollte hier ins Gedächtnis rufen — ein Beispiel bürgerlicher Tugend — das die Schmeicheleien verachtete und für den Schmerz unbeugsam war — Immer tapfer. — Man schreibt uns: Das 50 jährige Regierungsjubiläum der Königin Viktoria gab den englischen Juden überall Anlaß zu Kundgebungen ihrer Treue und Anhänglichkeit zu der Königin, unter deren Regierung seit 1837 sie schließlich die so lange vergeblich angestrebte Emanzipation und Gleichberechtigung mit ihren übrigen Mitbürgern erhielten. Eine passende Parallele zieht die „Jewish World" zwlschen der Emancipation der Juden in anderen Ländern und in England. In Frankreich bedurfte es einer blutigen Revolution und des Umsturzes des den Juden feindlichen Systems, in Deutschland uud Österreich verdanken sie es einem Zufalle, der gezwungen herbeigeführt ward, um eine ähnliche Revolution zu vermeiden, in England aber ist es der freie Beschluß und spontane Wille der Regierung, dem die Juden den vollen Genuß der bürgerlichen Gleichstellung verdanken. Darum die außerordentliche Freude der Juden am Jubiläumstage. In der Cathedra!- Synagoge am Duke's Place, bei den „British Jews in Berkeley Street", bei den Abkömmlingen der spanischen Hidalgos in Bevish Marks, wie den Polnischen Flüchtlingen in ihren Chevras in Spitalfields; in allen Provinzen und Colonien, bei den schwarzen Juden an der Malabar-Küste und den dunklen, beturbanten Brüdern in Kairo, Aden und Cypern — überall ergoß sich der mächtige Herzensdrang in feierlicher Dankkundgebung zu Gott. Ein gelobtes Land ist England unter der Regierung der Königin Viktoria für die früheren Parias des Ghetto geworden. Der Oberrabbiner Dr. Adler übersandte der Königin eine Copie des von ihm für die Jubiläumsfeier verfaßten Gebetes und erhielt im Aufträge der Königin ein Schreiben, ihm versichernd, daß die Königin über die ausgesprochenen Gefühle in dem Briefe sich höchst erfreut gezeigt habe. — Hingegen haben fromme Juden in England und deutsche Orthodoxe Herrn Dr. Adler in London heftig angegriffen, weil er bei der Jubiläumsfeier der Königin Viktoria dem Festgottesdienste in einer Kirche anwohnte. Die „Zukunft" in No. 152 weist diese thörichten Angriffe zurück und nennt das Gebühren der Orthodoxen in Deutschland thöricht und heuchlerisch, welche baar jedes Wissens durch solche Albernheiten sich bemerkbar machen wollen. — Leider hat die Londoner Gemeinde zwei große Verluste zu verzeichnen durch den Tod der beiden Bice-Präsidenten der „United Sinagogue" Lionel L. Cohen und Äic Barrow H. Ellis. Der erstere hat es vom in dem Jews Orphan Asylum erzogenen Waisenkinde zum Lehrer an der Free School und zum Mitglieds des Parlamentes gebracht, der letztere