Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1887)
- Date
- 1887-09-01
- Page
- Seite 213 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969740-2969750--2065-2972233- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
213 Hunderts gewesen, und zu wünschen wäre es, daß es auch immer so bleibe. Jeder möge bestrebt sein, dahin zu wirken, daß das Zeitalter der Humanität nicht den Charakter der vorhumanen Zeit annehme. Wenn wir auch nie daran zweifelten, daß die giftige Pflanze des Antisemitismus nur in verderbten Gemütern und rohen, für alles Höhere unempfänglichen Naturen keimen und Wurzel schlagen könne, so erfüllt es uns dennoch stets mit Freude, wenn wir immer wieder und namentlich von solch maßgebender Persönlichkeit die Schmach des 19. Jahrhunderts als eine solche bezeichnen hören. — Herr Dr. Adolf Goldberger, in Budapest verstorben, hat 200,000 fl. zu wohlthätigen Zwecken vermacht, mit der eigentümlichen Bestimmung, das das Kapital erst dann für die Zwecke verwendet werde, wenn es sich um das 22 fache werde vermehrt haben. — In Budapest sind aus dem abgelaufenen Jahre unter den Juden 2359 Geburten und 1879 Todesfälle zu verzeichnen. — An der Universität in Budapest waren unter 3212 Studenten im abgelaufenen Jahre 1061 Juden. — In Kajar wurde der Pöbel gegen die Juden aufgestachelt. Die Ortschaft wurde in Brand gesteckt. Militär mußte eingreifen. — In Iamakoff (Bulgarien) haben judenfeindliche Kaufleute die Verlegung des Wochenmarktes von Montag auf Samstag durchgesetzt. — Der czechische Ortsschulrat in Lclekomih hat bei Erlaß einer Kundmachung betreffs des Verkaufs des alten Schulgebäudes betont: „Israeliten werden zur Lizitation nicht zugelassen." Der Landesschulrat zog die Weisen des Ortsschulrates darüber zur Rechenschaft und mußte eine neue Kundmachung ohne den antisemitischen Zusatz ausgegeben werden. — Der erste Wiener Turnverein hat ein Cirkular erlassen, in welchem er erklärte, daß in den Verein nur Arier ausgenommen werden können. Juden, auch getaufte, verlieren dadurch ihre Mitgliedschaft. — Der Kardinal Fürst-Primas von Gran in Ungarn ist bei den jüngsten Wahlen für die Antisemiten eingetreten. — Der Bischof von Nerzprin, Herr Dr. Zigmnnd Kowatfch, der den Antisemitismus verdammte und bekämpfte, starb jüngst im Alter von 67 Jahren. Ehre seinem Andenken! — Der Bischof von Przemysl, Kolecki, besuchte in Begleitung des Herrn Baron von Hagen den Rabbiner von Wielkieoczy, um sich zu entschuldigen, weil sein Kutscher infolge des Regenwetters an der ihn erwartenden jüdischen Deputation bei Gelegenheit seines Empfanges aus Versehen vorüberfuhr. - Das Österreichische Kronprinzenpaar wurde von den Israeliten Galiziens überall enthusiastisch begrüßt. Die hohen Herrschaften besuchten auch Synagogen, Schulen und jüdische Fabrik-Etablissements. In Krakau wurde die aus dem dreizehnten Jahrhundert stammende Synagoge besucht. Der rote Marmorstein, welcher das Datum 1307 trägt und an Judenverfolgungen erinnert', wurde von den hohen Herrschaften mit besonderem Interesse in Augenschein genommen. Erinnert wurde auch sonst in Krakau an solche Seiten dadurch, daß Pöbelhaufen an der Wohnung des Kronprinzen sich anschickten, vorübergehende Juden unter wildem Gejohle und Geschrei zu mißhandle«. — In Lemberg sprach bei Anwesenheit des öfter. Kronprinzen im israelitschen Tempel Herr Prediger Dr. Lönienstkin ergreifende Worte des Gebetes. Auch in der Synagoge in Czernomih richtete der Kronprinz herzliche Worte an Herrn Landrabbiner Dr. Igel, und an die Vertreter der Gemeinde. — In Paris und London erregte der neunjährige Pianist und Komponist Äofef Hofman«, aus Polen stammend, großes Aufsehen. Der Kronprinz des deutschen Reiches, welcher bei dem Eoncerte in London anwesend war, beglückwünschte den Künstler zu seinen Erfolgen. — Von Herrn E. Duchiron, einem Katholiken, ist in Paris eine Brochüre erschienen „Dos )uits st 1a läxailts". Der Verfasser bekämpft den Anti-