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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-09-01 · Heft 9 (1.9.1887) · p. Seite 207

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 9 (1.9.1887)
Date
1887-09-01
Page
Seite 207 (sequence 15)
Language
German
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207 bildungsschulen" worauf folgende Resolution angenommen wurde: „Die Versammlung erklärt sich prinzipiell damit einverstanden, daß in allen größeren Städten die Bildung von Jiinglings-Fortbildungs-Vereinen angestrebt werde." Damit schloß die Arbeit des ersten Tages. Ani Abend hat der am Rabbiner- Seminar bestehende Verein „Amicitia" einen Commers veranstaltet. Am zweiten Sitzungstage referirte Herr Dr. Goldschmidt-NirKenfeld „über die Gründung einer israelitischen Jugendzeitung", worauf die Versammlung den Beschluß faßte, 1) „Eine geeignete israelitische Jugendzeitung, sowie zur Bildung eines jüdischreligiösen Interesses geeignete Jugendschriften entweder zu schaffen oder zu subventionieren, 2) eine Commission zu wählen, welche auf den Geist dieser Jugendliteratur im Sinne des Rabbinerverbandes und als dessen Vertreter einen dauernden Einfluß ausübt." Im Anschlnsie hieran lieferte Herr Dr. Dogelstem- Ztettin ein Referat „über Jugendschriften", hierauf hielt Herr Dr. iiippucr-Glogau einen Vortrag über „David Friedländer und Propst Teller." Zum Schlüsse wurde noch eine Resolution, eine encyklopädische Bearbeitung des Talmud betreffend, angenommen, welche lautet: „In Erwägung der außerordentlichen Wichtigkeit, welche der Talmud für die Gestaltung des jüdischen Lebens viele Jahrhunderte hindurch gehabt hat und noch heute besitzt, in Erwägung der Verkennung und der vielfachen Angriffe, welche der Talmud in Folge der Eigentümlichkeit seiner Composition und in Folge seiner vielfach rätselhaften Ausdrucksweise erfährt, in Erwägung ferner, daß der Talmud ein glänzendes Denkmal jüdischen Geistes und wert ist, von der modernen Welt studiert zu werden, beschließt der Rabbiner-Verband durch geeignete Kräfte in seiner Mitte und mit Hinzuziehung von Gelehrten außerhalb des Verbandes ein encyklopädisches Werk anzulegen, in welchem der Inhalt des Talmud nach allen wissenschaftlichen Richtungen besonders aber nach seiner ethischen Seite klar gelegt wird." Herr Dr. Bäck-Lifla beleuchtete den Antrag, die Gründung einer Pensions- und Wittwenkasse betreffend, über welchen kein Beschluß gefaßt wurde. Herr Dr. Uoth-Konih hielt einen Vortrag „über die religionsunterrichtlichen Verhältnisse in kleineren Gemeinden, die des Rabbiners entbehren"; die Schlußrede hielt Herr Dr. Zorl-Bresla», welche mit einem begeisterten Hoch auf den Kaiser schloß, worauf Herr Dr. Kippiier-Glogau dem Präsidium namens der Versammlung den Dank aussprach. Ein Comitä Breslauer Gemeindemitglieder lud die Teilnehmer der Versammlung zu einem Souper, welches in den festlich geschmückten Sälen der „Gesellschaft der Freunde" stattfand, wobei auch Festlieder gesungen und Trinksprüche ausgebracht wurden. Wir werden übrigens auf diese Versammlung im Vergleiche zur früheren Rabbinerversammlung in Breslau (1876), auf die man so von oben herabschaute, anstatt zu ihr aufzublicken, noch zu sprechen kommen. Damals hat man es freilich noch nicht verstanden, „mit Ausschluß aller religiösen Differenzpunkte, Hebung religiösen Sinnes herbeizuführen." — Aus Darmstadl schreibt man uns: Am 25. Mai starb dahier in einem Alter von beinahe 77 Jahren Herr Bernhard Lessungrr, Oberpost-Jnspektions-Registrator i. P. Er galt allgemein als ein pflichttreuer, fleißiger Beamter und hatte sich der allgemeinen Achtung zu erfreuen. Als Mitglied der hiesigen isr. Gemeinde nahm er an Allem lebhaftes Interesse, was das Gemeindewohl berührte. Er hing der Reformpartei an und suchte die Reform des öffentlichen isr. Cultus nach Kräften zu fördern. Dabei war er stets darauf bedacht, allsabbatlich Morgens die Synagoge zu besuchen, nur äußerst selten unterließ er es. Was ihn aber noch besonders auszeichnete, war sein Streben, die wohlthätigeu An-

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