Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1887)
- Date
- 1887-09-01
- Page
- Seite 206 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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206 seine Arme ziehen will, entwindet sich diese mit einer schnellen Bewegung. „Nein, — ich bitte Sie, mein Herr — ich bitte Sie". — Selbst die ihr in den Schooß geschütteten Dukaten bleiben ihrer Keuschheit gegenüber derart unwirksam, so daß der Verführer einen Kuß erhalten zu haben sich nicht einmal rühmen darf. Felsenfest und standhaft bleibt die dem umnebelten Intellekte begehrenswerte Maid. Das war kein Wunder, denn Hirschel wurde ungeachtet aller Drohungen von Seiten des Oberst nach kurzen Intervallen immer wieder am Eingänge des Zeltes sichtbar. Mit Argusaugen bewachte der Vater sein Kind. Sarah verkriecht sich in den entferntesten Winkel und als der Oberst sie bittet doch näher zu kommen, erwidert sie: „Nein, mein Herr! Auf Wiedersehen — ein andermal" — und war entflohen. Der Faktor wird kurz nach dieser Begebenheit als Spion ertappt und der Tod durch den Strick ihm zudiktiert. Als dieses die Tochter erfährt, eilt sie, mit aufgelöstem Haar, wie eine Wahnsinnige sich geberdend, zuin Oberst und seine Kniee umfassend ruft sie in herzzerreißendem Ton: „Eilen Sie, retten Sie meinen — Vater!" „Sarah! Hirschel Ihr Vater?" Erstaunt schweigt der Oberst. Seine Rettungsversuche mißlingen. In der Nähe der Richtstätte ruft, von Todesschauern geschüttelt, der Delinquent: „Herr Offizier — Euer Hochwohlgeboren — sehen Sie, die dort — das Mädchen — das schöne junge Mädchen ist meine Tochter- Haben Sie gewußt, daß es meine Tochter ist?" Der Offizier bejahrte, Sarah selbst habe es ihm mitgeteilt und sein Kind habe ihn, den schlechten Vater, keinen Augenblick verleugnet. Der dem Tode geweihte Hirschel fährt fort: „Herr Offizier — ich wäre nicht aus Ihrem Zelt gegangen, ich hätte das Mädchen nicht allein gelassen — um nichts auf der Welt — aber nun — jetzt — wenn Sie mich jetzt erretten, dann — dann werde ich ihr befehlen — Sie verstehen mich — ich befehle es, ich bin einverstanden." — Sarah hielt den Vater krampfhaft umschlungen. Die Soldaten vermögen nur mit vieler Mühe die Arme der Verzweifelnden vom Halse ihres Vaters zu trennen und sie langsam und schonungsvoll etwa zwanzig Schritte zur Seite zu führen. Plötzlich aber entwindet sie sich ihren Händen und lauft wieder auf ihren Vater zu. Als sie sich festgehalten sieht, erhebt sie drohend die Hand und flucht allen auf schreckliche Weise. Sarah war der Köder an der Angel Hirschels, um die Goldfische des Oberst zu fangen. Keuschheit und blinder Gehorsam gegen den Vater sind die beiden hervorragenden Tugenden der Faktorstochter. Monalsfchau. Am 5. und 6. Juli tagte zu Kreslau der Verband deutscher Rabbiner. Es waren fünfundzwanzig Teilnehmer erschienen. Die Versammlung wurde durch den Vorsitzenden der Breslauer Synagogen-Gemeinde Herrn Rechtsanwalt Dr. Milch begrüßt. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Zoel die Begrüßungsrede. Es wurde folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung spricht aus, daß sie bestrebt sein will den Jugendgottesdienst einzuführen und überläßt den Modus den einzelnen Gemeinden." Herr Rabbiner Aloch-posen hielt einen Vortrag über „Akiba Eger, seine Aufnahme als Rabbiner in Posen und seine dortige Amtsverwaltung." Herr Dr. Uagelstein-Itettin referirte über „Religions-Fort-