Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1887)
- Date
- 1887-09-01
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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205 und die Rabbinerversammlung so tief niedergedrückt und gebeugt zu haben, daß sie zu sehr mit reservierter Zurückhaltung, zu wenig mit geziemender Freiheit gesprochen hat. Von den Beschlüssen oder vielmehr Vorschlägen ist nicht zu reden; sie sind gut gemeint, aber, zum Teil nach eigenem Bekenntnis, schwer ausführbar. So schon der erste: Empfehlung eines besonderen Gottesdienstes für die Schuljugend. Man hat nicht auf den Vorschlag und die Zustimmung der diesjährigen Rabbinerversammlung gewartet, sondern die Einrichtung längst für notwendig erklärt, aber praktisch als nicht durchführbar befunden. Die Einrichtung eines Jugendgottesdienstes — in der verschiedensten Weise und zu den verschiedensten Zeiten — hat sich dauernd und allgemein nicht erhalten. Der Jndifferentismus ist auch dafür schon zu groß geworden. Die orthodoxe Jugend hat durch den Schulbesuch und die fehlende Teilnahme am Gottesdienste keinen so großen Schaden, weil sie an der Pflege des religiösen Lebens im Hause Ersatz, wenn auch keinen vollen, findet. Wir finden hier also wiederum den Beweis, daß an dem Einfluß des Rabbiners im Hause der Hebel zur Hebung des religiösen Interesses und Lebens angesetzt werden müsse. R. Drei jüdische Mädchengestatten. Von W. Frank. Drei weibliche Gestalten sind es, welche der Phantasie dreier großer Dichter entsprungen oder gar bei Abfassung ihrer Werke ihnen in Wirklichkeit Modell gestanden haben, die ich den Lesern der Monatsblätter hiermit vorführe. Gerade in unserer Zeit thut es not, daß man zeige, wie die unparteiisch urteilenden Großen aller Nationen nicht nur das unschuldig verfolgte Israel zu allen Zeiten in Schutz genommen, sondern sogar hervorzuheben bestrebt waren, daß die Nachkommen Abrahams Vorzüge besitzen, deren die Bekenner anderer Religionen sich nicht zu rühmen haben dürften. Unsere Gewährsmänner sind: l. Iwan Turgenjeff, 2. Sacher Masoch und 3. Walter Scott. I. Turgenjeff, nur ein Prosaist, und dennoch ein Poet jeder Zoll. Keine der Bedingungen fehlten Turgenjeff, welche den großen Dichter machen. Vor allem aber ist er Meister des sprachlichen Ausdrucks. Er erhob die russische Litteratur zur Weltlitteratur. Dieser berühmte Mann schildert in einer wohl weniger bekannten Novelle: „Der Faktor" eine Jüdin. Der kurzgefaßte Inhalt der kleinen Erzählung ist ungefähr folgender: Ein Oberst teilt mit, daß er 1813 in Danzig gelegen und gezwungen war eine langwierige Belagerung aushalten zu müssen. Von der Langeweile gequält, habe er dumpfbrütend in seinem Zelte gelegen, als er durch das unverhoffte Erscheinen eines bettelhaft gekleideten Juden aus seinen Grübeleien aufgerüttelt worden sei. (Der Eintretenoe ist der Titelheld, der Faktor.) Hirsche! habe in der Unterhaltung versprochen, dem Oberst eine schöne Zeitgenossin zuführen zu wollen und der Oberst sei freudig auf diesen Vorschlag eingegangen. Hirschel, der Faktor, hält Wort. Sarah ist um Mitternacht mit dem Oberst im Lagerzelt allein. Als er die schüchterne Gestalt in