Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1887)
- Date
- 1887-09-01
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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■?, , { ’-«f — 196 — handeln, weil es erkannt war, daß Vaterlandsliebe nicht die Liebe für das Land der Väter ausschließt. Die englischen Juden könnten ihre Führerschaft begründen, indem sie eine jüdische Akademie zur Beförderung jüdischer Wissenschaft griinden. Das Gebiet der jüdischen Gedankenwelt ist ein gar weites! Die Bibel war ein Lebensstudium und jetzt sind die jüdischen Bibel-Gelehrten sehr zurück! Der Talmud benötigt Jnterpretirung, weil, man die Juden seinetwegen angreift, dann gewähren jüdische Philosophie und Ethik Materialien für einen dritten Zweig einer jüdischen Akademie. Schließlich benötigen die Materialien für jüdische Geschichte und Archäologie besondere Forschungen, welche am besten unternommen werden können von einer organisirten Körperschaft wie eine Akademie. So würde eine jüdische Akademie gebildet sein aus vier Sektionen: 1. Biblische Studien, 2. Talmud, 3. Philosophie und Ethik, 4. Geschichte und Archäologie. Wenn man einwendet, daß die schon existirenden Seminarien diese Studien verfolgten, bemerkt Prof. Grätz, seien diese nur für Unterricht, nicht für Forschung bestimmt. „Nur solche wissenschaftliche Arbeiter," schließt er, „welche gänzlich frei sind von jedem Joche, können wahrhafte akademische Resultate erzielen. Innerhalb kurzer Zeit habt ihr Würdiges geleistet und ein goldenes Blatt den. Annalen jüdischer Geschichte hinzugefügt! Ihr habt der Welt dieses Schauspiel einer Englisch-Jüdischen historischen Ausstellung geboten, über welche der Vorhang noch nicht gefallen ist. So setzt die Krone auf euer Werk, errichtet eine jüdische Akademie, oder macht wenigstens einen Anfang mit einer ihrer vier Sektionen!" Die jüdische Kanzekveredsamkeil im achtzehnten Jahrhundert. Bortrag, gehalten in dem Saale der Gesellschaft der Freunde in Berlin am 31. Januar 1887 von 11 r. Joel Müller, Docent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. III. Man kann nicht im Zweifel darüber sein, Jonathan Eibenschütz hat auch in der Art, wie er zu gewinnen sucht, wie er seiner Offenheit und Strenge doch manchen weichen herzlichen Ton beigesellt, das Beispiel der alten Propheten im Auge. Diese geraden, dem Ziele zustrebenden Worte, die ein freundlicher Zug mildert, berühren am sichersten das Herz, an welchem das immer glatte Wort nicht haften bleibt. Dieser scharfe Ton, den ein milder Hauch begleitet, den das reinste Mitgefühl umfließt, ergreift die Tiefen der menschlichen Seele, welche sich von dem Gekünstelten und Falschen abwendet. Fast wäre man. wenn man den in die Literatur getretenen Ertrag der Homiletik des letzten Jahrzehntes unserer Zeit beurteilt, versucht, zu fragen, ob die jüdische Kanzelberedsamkeit in der Gegenwart, bei den großen Zielen, welche anzustreben sie gerade jetzt berufen scheint, auch dem Höhepunkte echter, volkbewegender Rhetorik nahekommt. Allerdings hört und liest man auch Gediegenes. Man kennt und zählt noch Meister des Wortes. Aber ein großer