Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1887)
- Date
- 1887-08-01
- Page
- Seite 187 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2969669-2969740-2969749--2038-2972205- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
187 Eigentum gerichtet, diese Bewegung ist auch unzweckmäßig, inoportun, thöricht. Für die Marmaroscher und oberungarischen Juden, welche keine Freunde der Zivilisation sind und noch an Wunderrabbi's glauben, für sie errichten wir überall Schulen, dies ist ein sichereres Mittel sie zu ändern, als der Antisemitismus. — In Iötdivar hat Herr Philipp Kleiner 600 fl. ö. W. zur Errichtung der Wohnung des neu aquirirten Rabbiners gespendet. — Imre Kerenc;, Redakteur eines antisemitischen Blattes, ist wegen Defraudation in der Josefstadt eingesperrt worden. — In Bestchcrany hat ein Jude, Namens Mendelssohn, zwei Christen aus dem Brunnen unter großer Gefahr herausgezogen. — In Budapest hat sich unter der jüdisch studierenden Jugend ein Kulturverein gebildet, welcher den Zweck hat, jüdischen wie nationalen Sinn zu verbreiten. — Am 18. Juni begieng Herr Rabbiner Lengssrlder in Reichenau sein fünfzigjähriges Rabbinerjubiläum. Er trat 1837 sein Amt als Rabbiner in Tachau an, war 1862—1863 in Warasdin und seit diesem Jahre in Reichenau. Von ihm sind einige Reden im Drucke erschienen. — Der Rabbiner der israelitischen Gemeinde in Äafih, Herr S. A. Tauber, erhielt von dem Oesterreichischen Kaiser das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. — Wie der „Wiener Israelit" mitteilt, hat der Bezirksrichter von Podhajce Herr Leon Paskiewic?, ein Christ, Herrn Chane Jonas in Stanislan zu seinem Empfang des Franz-Josef-Ordens in einem schönen hebräischen Gedichte beglückwünscht.— Am 6. Juni wurde unter außerordentlicher Beteiligung die Generalversammlung der Israelitischen Beerdigungsbruderschaft in Prag abgehalten. Es ist dies vielleicht der älteste Verein der ganzen Monarchie, der von Rabbi Clieser Afch- Kenafi gegen Ende des 15. Jahrhunderts gestiftet wurde. — In Tarnopol wurde Herr vr. Alernnder Irühling zum Vicebürgermeister erwählt und in Remse mit Akklamation Herr Leop. Kosenthai zum Ortsrichter. — Die Bau- und Schnittholz-Großhändler Herr War Hirschler in Also Domboru und Herr Zoh. Leopold Hirschler wurden in Anerkennung ihrer auf dem Gebiete der öffentlichen Angelegenheiten und der Volkswirtschaft erworbenen hervorragenden Verdienste in den Adelstand mit dem Prädikate „Also Domborui" erhoben. — Der junge talentvolle Maler Herr Moritz Gottlieb in Galizien arbeitet gegenwärtig an einem Bilde „die betenden Marannen." — Aus Anspitz schreibt man uns: Die hiesige Kultusgenossenschaft erhielt in munificenter Weise von der Commune einen Platz zur Anlegung eines Friedhofes. Die Einweihung desselben erfolgte vor einigen Tagen anläßlich der Beerdigung eines begabten Schülers der hiesigen Realschule, Namens Benedict, Urenkels des einstigen Landesrabbiners Marcus Benedict. Herr Bezirksrabbiner Dr. Gross aus Lundenburg wurde zu dieser Feier berufen und brachte seine Einweihungsrede, welcher der k. k. Bezirkshauptmann, die Stadtvertretung, die Realschule mit dem Lehrkörper und ein großes Publikum aus allen Ständen anwohnte, einen außerordentlichen Eindruck hervor. — Die am 22. Mai im Wiener allgemeinen israelitischen Taubstummen-Jnstitute stattgehabte Prüfung der Zöglinge gab von neuem Zeugnis von der allgemein anerkannten Tüchtigkeit seines bewährten Leiters, des Kaiserlichen Rates Herrn Äoel Deutsch. — Am 18. Juni feierte das Piaristen-Gymnasium in Kremfier, eine altberühmte Humanitätsanstalt, das Fest ihres zweihundertjährigen Bestandes. In dieser Bildungsstätte wurde von jeher der Geist echter Humanität gepflegt. Die Piaristen-Professoren waren nicht nur tüchtige Lehrer, sondern auch edle humane Christen, die der akademischen Jugend den Geist der Menschenliebe predigten und vorlebten. Jüdische und christliche Studierende fühlten sich daselbst als Brüder. Bon vielen Seiten liefen Glückwunschschreiben ein und nahmen an dem 16*