Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1887)
- Date
- 1887-08-01
- Page
- Seite 188 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- “ * * l - , \ * 1 '* V ' " V . '-■•>. /' ' ■. ' ' '■ . '" V ■■ ■'■■ '‘-'v ■ : - ' '■ - — 188 - Feste Spitzen der österreichischen Behörden und der Intelligenz Teil. — Am 31. Mai starb Herr Mar Löw-Vrer aus Priinn in Marienbad. In ihm verlor Brünn einen seiner genialsten Großindustriellen, die Armen einen ihrer werkthätigsten Helfer, die Familie einen liebevollen Vater und Freund. — Am 10. Juni wurde in Wien der berühmte Zauberkünstler, Herr Professor Hermann, zu Grabe getragen. Herr Prediger Dr. Jellinek sagte von ihm in seinem Nachrufe: „Er war ein edler Menschenfreund, ein unermüdlicher Wohlthäter der Armen und Bedürftigen, zu deren Besten er seine Klinst oft verwertete und ihnen Summen zuwendete, wie kaum einer der Reichsten. Dieselbe Hand, welche unübertroffen war in der Kunst, die er ausübte, blieb auch kaum übertroffen, wenn er sie öffnete, um Wohlthaten zu spenden. Hierin täuschte er Niemanden, hier war Alles Wahrheit und Natur, eine wahrhaft edle und vornehme Natur." — Ueber das Leichenbegängnis Leo Holländers, gestorben am 5. Juni, wird aus Eperies gemeldet: Herr Leo Holländer wurde unter allgemeiner Teilnahme des Publikums zur letzten Ruhestätte geleitet. Vor Beginn der Leichenfeier sprach der Gemeindepräses, Herr Dr. Leopold Glück, im Namen der Gemeinde in warmen Worten das Beileid über den Verlust aus, den nicht allein die Familie, sondern die ganze ungarische Judenheit, speziell aber seine Gemeinde erlitten. Nach ihm gab der 1848/49er Honvödverein seinem Schmerze über das Hinscheiden des einstigen Kameraden Ausdruck. Dann hielt Herr Rabbiner Dr. M. Austerlitz die Trauerrede, in welcher er die glühende, durch glänzende Thaten bewährte Vaterlandsliebe des Verblichenen würdigte, die er zu einer Zeit bethätigte, als man ihn noch als Fremden im Vaterlande betrachtete, und den unvergleichlichen Eifer, mit welchem Holländer zu jeder Zeit für die Menschenrechte seiner Glaubensgenossen eintrat, seine unerschöpfliche Wohlthätigkeit und seine unermüdliche Thätigkeit für das Gemeinwohl hervorhob. In dem imposanten Kondukte bemerkte man alle Spitzen der hiesigen Behörden und Institute, den Präses und Sekretär der isr. Landeskanzlei, Herrn Martin Schweiger und Herrn Dr. Joseph Simon, ferner Deputationender Nachbargemeinde Kaschau, dann des hiesigen Honv6d-Offizierskorps rc. — In Budapest wurde am 14. Juni Herr Asaac Ledner zur ewigen Ruhe geleitet. Der Verstorbene bewahrte sich ein warmes Interesse für höhere Lebensideale. Er hatte früher vierzig Jahre hindurch in der jüdischen intelligenten Gemeinde Triesch das Vorsteheramt geführt und dem „Zwölfer Komitä" in Mähren angehört, das berufen war, die mährische Judenschaft bei der Behörde zu vertreten. — Am 17. Juni starb in Prag Herr Emanuel plohn im Alter von 90 Jahren. Mit ihm ist ein Stück des alt-jüdischen Prag heimgegangen. — In Meidling verstarb Herr Dr. Hermann Ellbogen im Alter von 83 Jahren, eine durch seinen Pflichteifer und durch seinen Wohlthätigkeitssinn allgemein hochgeschätzte Persönlichkeit. — In Ungarn fanden anläßlich der Wahlen viele Unruhen mit antisemitischen Charakter statt. In Auna-Serdahely wurde der von Juden bewohnte Stadtteil durch Feuer zerstört. —In den ungarischen Reichstag für die Dauer von 1887—1892 wurden gewählt von Juden die Herren Dr. Fra») Ctzorin, Dr. Arthur Äellinrlr, Dr. Andr. Uemönyl, Dr. Arnim Ueumann jun., Dr. Al» Ullmann und Moritz Wahrmann. — In Neusandec wurde bei einer jüdischen Hochzeit ein jüdischer Flötenspieler von einem Christen mit dem Schwerte niedergemacht unter dem Rufe „Hier hast du Hochzeit." — In der von Herrn Graf Audols Hoyas herausgegebenen Sammlung von Gedichten befindet sich Folgendes: „An die Antisemiten." Den Glauben nicht und nicht die Race, — Habt Ihr belegt mit Eurem Hasse, - Da-