Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1887)
- Date
- 1887-08-01
- Page
- Seite 180 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969740-2969749--2031-2972198- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
180 liebe und Gottesfurcht. So Pflegte er zu sagen: Viel habe ich von meinen Lehrern gelernt, niehr jedoch von meinen Genossen und am meisten von meinen Schülern (Mackoth 10). Während er für seine Person die großen Reichtümer, welche er besaß, nur im geringsten Maße genoß (Kethuboth 104), wußte er sie im Dienste des praktischen Judentums in bewunderswerter Weise zu verwenden, indem er stets und überall mit vollen Händen spendete und selbst die Kinder des im Judentum verpönten „Acher" unterstützte (Sabbath 113a., Chagiga 14b.). Und das sind Handlungen, welche — nach unserem Spruche — „zum Ruhme werden durch die Menschen." Aber wer die Gunst und den Ruhm der Menschen allein erstrebt, der findet darin noch nicht den im Erdendasein notwendigen Halt- und Stützpunkt, ja der kann gerade vermöge dieses Strebens, gerade dadurch, daß er sie auf alle und jede Weise und durch alle möglichen Mittel erstrebt, von der rechten Bahn des Menschentums und der echten Menschenwürde abgelenkt werden. Vielmehr muß mit der Menschengunst sich die Erstrebung der Gottesgunst verbinden, und in dieser Beziehung ist ein jedes Gebot der Religion, selbst das scheinbar geringste, beachtenswert und in seiner Wirkung verdienstlich, sowie der Glaube und der unverbrüchliche Gedanke an die Allgegenwart und Allwissenheit Gottes von dauernden Folgen. 2. „Rabban Gamliel, Sohn des R. Jehuda Hannassi sagt: Schön ist das Studium in Verbindung mit weltlicher Beschäftigung, denn die Bemühung um sie beide läßt keinen Gedanken an Vergehen aufkommen und jede Wissenschaft, mit welcher keine Arbeit verbunden ist, wird schließlich eitel und hat Sünde zur Folge. Alle, welche sich mit der Gemeinde beschäftigen, mögen sich mit ihnen (den Gemeindemitgliedern) um des Himmels willen beschäftigen, denn das Verdienst ihrer Väter unterstützt sie, und ihre Frömmigkeit besteht ewiglich; euch aber (den um die Gemeinde verdienten) rechne ich (Gott) viel Lohn an. als wenn ihr es gethan hättet (mit dem Studium befaßt)." Gamliel III., welcher von seinem Vater zum Nachfolger in der Patriarchenwürde bestimmt worden, während sein jüngerer Bruder Simon als der an Gelehrsamkeit Bedeutendere dessen Beistand sein sollte und einen neuen Titel „Chacham" erhielt, genoß deshalb nicht das hohe Ansehen des Vaters, und gleichsam als Entschuldigung dafür, daß er, der Selbsterkenntnis genug besaß, um einzusehen, wie sehr er au Wissen und Gelehrsamkeit hinter einzelnen seiner Zeitgenossen zurückstand, doch das Patriarchat ererbte und behielt, dürfte dieser sein Spruch angesehen werden: Nicht das Studium und die besondere Auszeichnung darin allein läßt den Menschen in sittlicher Größe erscheinen, sondern nur in Verbindung mit praktischer Beschäftigung, und zu dieser gehört ja auch die Bemühung um die Gemeinde-Angelegenheiten, die allerdings ohne alle Nebenzwecke, lediglich um Gottes willen geschehen muß. Aber dazu sind besonders diejenigen berufen, deren Vorfahren sich bereits Verdienste in dieser Beziehung erworben haben, da dieselben für sie ein besonderer Sporn und Antrieb sind, und für diese ihre Mühewaltung verheißt ihnen Gott schon so vielen Lohn, als ob sie sich (auch) mit dein Studium beschäftigt hätten (jer. Berach. V. 1). 3. „Seid vorsichtig gegen die Herrschaft, denn sie nähern sich Einem nur zu ihrein eigenen Bedürfnis; sie scheinen wie Freunde in der Stunde ihres Vortheils, aber sie stehen Einem nicht bei in der Stunde seiner Bedrängnis." In diesem Spruche findet Grätz (Gesch. d. I. 4, 253) eine Anspielung