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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-08-01 · Heft 8 (1.8.1887) · p. Seite 178

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 8 (1.8.1887)
Date
1887-08-01
Page
Seite 178 (sequence 10)
Language
German
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178;*T. i' Dreyfus richtend, begann er zu zeichnen. Der Sohn Wolf Dreyfus, ein perfekter Weltmann, merkte sofort die Absicht des Prinzen und verstaild es, seinen Vater deswegen so viel wie möglich in lebhaftem Gespräch zu erhalten. Indessen erknitdigte sich der Prinz nach der Anzahl der jüdischen Familien Endingens, nach der Einwohnerzahl, nach den bürgerlichen Verhältnissen, Erwerbszweigen re. So dauerte das Gespräch fort bis nach fünf Uhr. Vorsteher Dreyfus schien, nach der Uhr schauend, schon etwas in Verlegenheit zu sein. Denn er sagte zn seinem Sohne Wolf ganz leise „mechalel Schabbos“ (Sabbatentweihung) Wolf mit seinem ungenierten geschmeidigen Wesen erhob sich und wendete sich zum Prinzen: „Kaiserliche Hoheit wollen gnädigst erlauben; es ist Freitag, heute Abends 6 Uhr geht der Sabbat an. Mein Vater, als Vorsteher, ist gewöhnt, als einer der ersten beim Gottesdienst zu erscheinen. Kaiserl. Hoheit wollen daher gnädigst erlauben, uns zu verabschieden." Der Prinz hierauf den Maler fragend: „Vous est-il possible d’achever maintenant? „Sire encore quelques traits“ war die Antwort. Auf die Uhr schauend bemerkte der Prinz: „Ist erst fünf, wollen noch einige Minuten verziehen" und zum Vorsteher D. sich wendend sagte er: „Ich lasse Ihr ehrwürdiges Gesicht copieren, ist bald geschehen." Dreyfus hierüber etwas verlegen rief erregt aus: „Ew. Kaiserl. Hoheit!" — Seien Sie unbesorgt, beschwichtigte der Prinz, so sehr Sie auch einem Heiligen ähnlich sind, so soll doch Ihr Bild eine solche Devotion nicht erfahren, denn nur zum Andenken will ich es mitnehmen. Nun sei es Ihnen erlaubt, sich zu entfernen. Beten Sie auch für uns! Sabbat Mittag, als Michael Dreyfus, der Parnes von Endingen, mit seiner Familie und acht Orchim (arme fremde Gäste) zu Tische saß und bereits mit dem Mahle fertig war, trat der Prinz mit seinem Adjutanten zu ihm in die Stube. Die ganze Gesellschaft erhob sich und entblößte das Haupt „Bin nicht gekomnien, um zu stören, setze sich Jeder wieder ruhig hin!" sagte der Prinz mit einer leichten, freundlichen Handbewegung. Er und sein Adjutant setzten sich. „Nun, ehrwürdiger Großvater, stellen Sie mir Ihre Familie vor", sagte der Prinz. — „Zu dienen, Kaiserl. Hoheit! dieses ist meine Hausfrau, jener mein jüngster, erst verheiratheter Sohn, dieses seine Frau re., entgegnete der Vorsteher. — „Aber ich sehe dort noch acht Personen, die nach ihrem Aeußeren nicht zu Ihrer Familie gehören, bemerkte der Erzherzog. — Es sind heimathlose Arme, auf das Mitleid ihrer Mitmenschen angewiesen. Fast allerorts, wo Juden wohne», ist die Vorkehrung getroffen, damit diese bedauerungswürdigen Heimatlose Speise und Unterkommen finden", erklärte der ehrwürdige „Parneß". — Aber so viele fremde Personen zu speisen, welche die Zahl Ihrer Familienglieder übersteigen, ist doch ein großes Opfer, das Sie sich auferlegen, bemerkte der Prinz. „Ich weiß nicht, esse ich niit ihnen oder sie mit mir. erwiderte Dreyfus, heißt es doch in der heiligen Schrift: „Gott giebt Speise allem Fleisch, denn ewig währet seine Güte." (Ps. 136, 25.) Ich bin nur der Vollzieher seiner Anordnung." Der Prinz warf einen bedeutsamen Blick auf seinen Adjutanten. — „Woher kommt aber dieser Uebelstand und wie wäre dem abzuhelfen? frug er den Vorsteher. — Mit etwas verlegener Miene antwortete Dreyfus: Sind Juden nicht alle heimatlos? Müssen wir uns nicht alle mit schwerem Gelbe unseren Aufenthalt erkaufen und stets zu erhalten suchen? Würde man diesen armen Leu-

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