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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-08-01 · Heft 8 (1.8.1887) · p. Seite 176

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 8 (1.8.1887)
Date
1887-08-01
Page
Seite 176 (sequence 8)
Language
German
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176 Wenn aber trotz der Gleichheit vor dem Gesetz die Emanzipation die gesellschaftlichen Vorurteile heute noch immer nicht beseitigt hat, so können wir es uns vorstellen, was der gesellschaftliche Zustand der Juden vor sechzig Jahren war. In Mähren war die Zahl der jüdischen Familien gesetzlich festgestellt, die in der Provinz wohnen durften. War die Zahl voll und wollte einer heiraten, so mußte er auswandern oder das ungarische Jnkolat erwerben, um dann als Fremder vielleicht in seinem eigenen Geburtsorte mit seiner Familie wohnen zu dürfen. In Ungarn aber war er aus den Bergstädten ausgeschlossen; er durfte in diesen nicht länger als 25 Stunden verweilen; in den königlichen Freistädten konnte er das Bürgerrecht nicht erwerben, kein Haus besitzen, keine Profession treiben. Der Adel aber, der immer Geld brauchte, nahm den Juden gern in Schutz und verpachtete ihm willig in der Nachbarschaft der Städte irgend ein Grundstück, wo der Jude sich ansiedeln konnte. So entstand auf dem Palffy'schen Schloßberg, hart an den Thoren von Preßburg, eine zweite Stadt, doch die Preßburger Bürger erlauben nicht, daß der Jude vom Schloßberg über Nacht bei ihnen bleibe; mit Sonnenuntergang mußte er die Stadt verlassen, die das Thor zum Schloßberg jede Nacht abschloß. Der Jude konnte keinen Grundbesitz erwerben, weder Advokat, noch Beamter werden, für ihn war keine andere Carridre offen, als die des Arztes, des Pächters, des Schankwirtes und, mit Erlaubnis der Grundherren, des Kaufmannes oder Krämers in den Marktflecken. Was Wunder, wenn Einer oder der Andere sich dem Wucher ergab; er hatte ja keine gesellschaftliche Stellung zu verlieren, er war ein Paria, den selbst der letzte Bauer verächtlich dutzte. In diesem Zustande war die Judenschaft in Ungarn, als Leo Holländer zum Manne heranreifte. Er hatte eine Ausnahmsstellung in seiner Vaterstadt, denn als die russische Armee am Anfang des Jahrhunders durch Ungarn marschierte und die Stadt Eperies mehrere tausend Mann verköstigen sollte, erklärte die dortige Fleischerzunft, sie sei nicht im Stande, die nötige Anzahl von Ochsen herbeizuschaffen. Da erboten sich drei Juden, Markus Holländer, Markus Schäfer und Löbl Großmann, die durchmarschierenden Truppen und die Stadt mit Fleisch zu versehen, und kamen dieser Verpflichtung derart nach, daß die Stadtgemeinde als Anerkennung des Dienstes, den sie der Stadt geleistet hatten, ihnen erlaubte, Häuser und Grundstücke zu kaufen. Markus Holländer errichtete hier eine bedeutende Schnittwaarenhandlung, pachtete von der Stadt das Branntwein-Regale und wurde, ohne daß je der Verdacht eines unkorrekten Vorgehens gegen ihn erwacht wäre, einer der bemitteltsten Einwohner der Stadt. Sein Sohn Leo erhielt eine sorgfältige Erziehung im evangelischen Kollegium, begleitete seinen Vater auf dessen Reisen nach Wien, arbeitete im Geschäft, beschäftigte sich aber viel mit Litteratur, legte eine bedeutende Sammlung ungarischer Münzen an und wurde wirklich ein hochgebildeter junger Mann; doch die Säroser adelige Gesellschaft blieb ihm dennoch verschlossen. Mein Oheim Gabriel FejLrväry kam 1830 nach Eperies, da er von der Regierung die Opalgruben von Vörösvägäs gepachtet hatte. Als Sammler wurde er mit Holländer bald bekannt und schätzte dessen numismatische Kenntnisse. Drei Jahre später wollte er mich mit den Kunstschätzen Italiens bekannt machen, und lud Holländer ein, uns auf dieser Reise zu begleiten. Natürlich war dieser hocherfreut, Italien in einer solchen Gesellschaft sehen zu können, da dies auch zu Hause seiner gesellschaftlichen Stellung mehr Haltung gab. Vierthalb Monate lang waren wir stets beisammen und wurden Freunde. Sein ganzes Leben lang gieng sein Streben dahin, die

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