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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-08-01 · Heft 8 (1.8.1887) · p. Seite 175

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 8 (1.8.1887)
Date
1887-08-01
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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175 •s'r-sf5-F~i^r"Ttrsf T;: sich Jünglinge um mich, welche aus weiter Ferne kamen, um mein Wort zu hören. Die Fremden sage» zu den Eingeborenen Altonas: Ihr müßt uns an Fleiß übertreffen, denn wir leben nicht in der beglückenden Heimat, wir können nur drei Jahre hier zu Lande weilen. Und was haben wir nicht für Sorge ob der Unterkunft und der Ernährung, was macht nicht die Wohnung und die Erlangung der nötigen Bücher für Mühe und Drangsal! — Und die Beflissenen der Tora aus Altona erwiedern hierauf und meinen: Wir in der Heimat müssen ja unser Hans ernähren. Wir haben für die Unser» zu sorgen. Nur einen Teil der Zeit können wir der Lehre weihen. Ihr aber, o Jünger der Wissenschaft, nennt das Studium eure einzige Beschäftigung. Die Kunde des Gesetzes ist ja euer Beruf. Darum wurdet ihr ja erwählt und bestimnit, und euer Bedarf wird auch großenteils von Gemeindewegen geboten. Ihr seid wie jene, die einst in der Wüste ganz sorgenfrei das Manna aßen. . . . Dies sind die Worte des Streites. Und ich, der Lehrer, behaupte: Nieniand ist frei, Jeder erfülle voll und ganz seine Pflicht. Keine Ausnahme gebe ich zu, keinen Unterschied möchte ich machen, keine Ausflucht könnte ich annehmen. Aus den tiefen Klüften der Urstätte der Gotteslehre, vom Horeb und aus der Wüste klingt und tönt herüber der erschütternde Ruf: Israeliten! Wehe und abermals wehe, wenn ihr euer theuerstes Gut, wenn ihr den Kern eueres Volkslebens mißachtet, wenn ihr die jüdische Wissenschaft verschmäht, wenn diese einsam sitzet und das Haupt verhüllt! (Schluß folgt.) Isranz UuMy über Leo Kossänder. 1805 —1887. Bei der Fiirstin Metternich war eines Abends im vorigen Jahre die Gesellschaft Wiens ganz besonders animiert, nur Baron Nathan Rothschild, der Habitue des fiirstlichen Salons, blieb ernst, so daß es dem Grafen Andrassy auffiel, und er ihn fragte, ob er sich vielleicht unwohl fühle, oder Jemand in seiner Familie krank sei, denn materielle Sorgen seien ja bei ihm ausgeschlossen. „Ich fühle mich wohl," war die Antwort, „ebenso wie meine Familie und meine Freunde; wären Sie aber, Exzellenz, nur vieruudzwanzig Stunden ein Jude, so würden Sie in dieser Gesellschaft auch ernst sein." Diese wenigen Worte charakterisieren hinlänglich die Kluft, die in Wien und in ganz Deutschland zwischen der Geld- und Geburtsaristokratie gähnt. In London und Paris hat sich die Gesellschaft schon längst amalgamiert, in Oesterreich, und wohl auch bei uns, steht noch die Scheidemauer aufrecht, welche die Vorurteile eines Jahrtausends zwischen den Damen der jüdischen Geldaristokratie und den Töchtern der Kreuzfahrer und mittelalterlichen Raubritter aufgerichtet haben. Sie treffen sich höchstens in den Sitzungen der Wohlthätigkeitscomit6s, wo man das jüdische Geld nicht entbehren kann, gesellschaftlich verkehren sie nicht miteinander. Die Herren kommen wohl häufiger in Berührung, bei den Verwaltungsrats- Sitzuugen der Geldinstitute und Eisenbahnen, im Jockey- oder im politischen Parteiklub, aber selbst bei den geistreichsten und elegantesten Bankiers-Soireen sieht man nur ausnahmsweise hochgeborene Kavaliere, die sich über die traditionelle Etikette hinaussetzen, und lieber dahingeheu, wo man sich amüsiert, als daß sie sich in hochadeliger Gesellschaft langweilten.

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