Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1887)
- Date
- 1887-08-01
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 174 — sich soll Fleisch auf ihren Tisch kommen, Wein muß das fortwährende Getränke bilden! Köstliche Gerichte und Zwischenspeisen mögen das Mahl würzen! . . Die Gewänder . . das feinste Linnengewebe, die kostbarste» Stoffe sind nicht gut genug, zu Purpurtüchern erheben sie das Auge. Das Hausgerät ... ihr könnt die seltensten Dinge sehen. Da findet man Gold und Silber, feinstes Glas und Porzellan, da bewahren die Schreine gar wertreiche Geschmeide und Putzsachen mannigfach. Gott segnete ja hieselbst die Fleißigen. Viele Vornehme und Angesehene können dies so haben. Und dennoch sind auch diese noch nicht zufrieden. Und gar die Anderen, die keinen solchen Reichtuni erwarben, die klagen und stöhnen und rufen: Gott hat unser Gebet nicht erhört, er achtet nicht, er verbirgt sein Antlitz unserem Jammer! .... Sehr oft dringen an unser Ohr so thörichte Reden von dem Niedergange des Wohlstandes in Judas Häusern. Das ist krankhaft und böse. Wo habt ihr im göttlichen Bunde die Verschreibung gefunden, daß ihr alle dieser Pracht und dieser Herrlichkeit teilhaft werden müßt? Oder versteht ihr so das Bündnis, welches festgesetzt und gegründet ist auf Genügsamkeit, auf die Hingabe für die großen, idealen Zwecke der Lehre, auf die Niederbeugung und Beherrschung jedes überflüssigen Verlangens? . . . Betet so, daß ihr euch der vorgebrachten Bitten nicht zu schämen habt, sprechet mit dem Psalmisten: HErr, ich möchte nicht zu Schanden werde», wenn ich dich anrufe!" Wenn der Witz und der Humor Jonathans manchmal an den Prediger erinnern mag, der während der zweiten Türkenbelagerung in Wien wirkte, so ist er doch viel ruhiger, folgerichtiger, so hält er doch seinen Gedanken fester und sicherer. Jonathan ist in seinen Anreden auch fließend, wahr und ungekünstelt, er ist ein Redner, der geradeaus auf das Herz los geht, ein echter Volksredner. Das ist er, wenn er zur Hamburger Gemeinde sagt'): Ich wiederhole die Bitte, gebt mir für meine Predigt diese Ehrengabe und erweist mir diese Aufmerksamkeit. Ein Jeder lese täglich eine oder eine halbe Seite aus einem Sittenbuche. Seht, das ist doch gewiß ein geringes Zugeständnis, das ich mir erbitte, und ihr rettet hiedurch euer Geistesleben. Bedenkt! die sittliche Welt will wanken, der Bau des Glaubens und der Gesetzeskenntnis bricht zusammen! Ein Volksredner ist er, wenn er in Metz von der Sorgfalt, welche man der jüdischen Wissenschaft zuwendet, also spricht H: Zweihundert Meilen weit kommen sie daher, wandernd zugereist, die Jünger aus Polen, um das Wort der Tora zu hören; kraftlos kommen sie an, müde und ermattet von der weiten Reise. Dort ist die Lehre im Niedergange. Ihr aber, Söhne der Gemeinde von Metz, ihr seid glücklich und edel und fromm! Ihr erhaltet großmütig meine theueren Schüler. O, der Tag naht, der Tag kommt, an dem ihr den Lohn Eueres Edelmuthes und Euerer Tugend findet. Ihr bewähret Euch als Stützen der Tora! Ein Volksredner ist er, wenn ec in Altona bei dem Feste, das gelegentlich des vollendeten Studiuins eines talmudischen Tractates gefeiert wird, die Versammlung mit folgenden Worten anredet3): Es findet ein eigentümlicher Streit statt zwischen den Jüngern der Wissenschaft. Da sind viele Bewohner dieser fleißigen Stadt, welche der Kenntnis des Gesetzes huldigen, hier reihen ') Jaarot dewasch II 00 d. *) das. 37 a. 3) das. 76 d.