Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1887)
- Date
- 1887-08-01
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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173 Der sittliche Ernst Eibenschütz' bewährt sich überall. Er. greift in alle Verhältnisse ein, er berührt das private und häusliche Leben. Überall will er — im Sinne seiner Zeit — Fleiß, Würde, Strenge, Musterhaftigkeit. Er spricht in Hamburg von dem überlauten gesellschaftlichen Leben in den Nächten'). „Die Kundigen in der Geheimlehre", sagt er, meinen: Die Engelschaaren preisen den Herrn. Am Tage erklingt durch die Sphären der Ruf: „Heilig" und durch die Stille der Nächte tönt der Jubel eines zweiten Chores „Allgepriesen!" Und im Geiste haben Israels Söhne die Engelrufe erlauscht, und stimmen ein, wenn der Strahl der Sonne glüht, und preisen in hellem Klange, wenn sie tief ist in das Meer gesunken. Ihr aber, ruft Eibenschtttz seiner Gemeinde zu, ihr stört den Sang der Himmelskreise! Euere Stimmen fehlen in dem vollendeten Einklänge! Unter unnützen Reden und Tändeleien ziehen euch die Nächte hin. Nicht doch, meine Söhne! Das ist nimmer gut, daß ihr die kostbaren Augenblicke also für den flüchtigen Gruß, für das inhaltsleere Gespräch und für den losen Scherz hingebet, diese überaus kostbaren Augenblicke also verschleudert. Das heißt die Ordnung der Zeiten verkehren und verwechseln. In der Nacht wach und munter bei bedeutungsarmen Zeitvertreib und am Tage. .., da strahlt schon die goldene Sonne in voller Pracht, und sie fühlen sich noch müde und ruhen ans ihrem Lager, bewegen sich schlaftrunken von rechts nach links, die Stunde des Gebetes ist da, sie vermögen nimmer sich zu ermuntern. Eine Sünde führt zur zweiten, eine Vernachlässigung hat die andere im Gefolge. Wieder predigt er in Hamburg. Die Genügsamkeit empfiehlt er seinen Hörern^). Er sagt: Viele höre ich sprechen: Wer läßt uns bessere Tage sehen! Heißt es doch, Gott wendet sich dem Gebete der Gemeinde freundlich zu, und warum hört er nicht auf unsere inbrünstigen Rufe? Aber, prüfe es besser! Der Grundgedanke deines Wunsches ist ja falsch und nichtig. Dem Israeliten, dem Zöglinge des Tugendgesetzes, ziemt es, wie Jakob, genügsam zu sein. Dieser sprach im Gebete: Wenn ich nur Brod fände und ein einfach Kleid! Er betete nicht um königliche Prachtgewänder und um erlesene Speisen. Er trank die Milch seiner Heerden, hüllte sich in das Vließ seiner Schafe. Seine Wohnung war das schlichte Hirtenzelt. Moses führte die Schafe in das Steppenland. Was hatte er Anderes, als Brot und Milch und einen frischen Trunk? Jakob und Moses erflehten aber die Gnade Gottes. Anders aber die Söhne Israels in unfern Tagen. Mühevoll ziehen sie dahin in dem Lande, kennen nicht Ruhe noch Rast und gleichen dem Segelschiff auf bewegter See. Tenne und Kelter vermögen sie nicht ihr Eigentum zu nennen. Wie mögen sie also ihr tägliches Brot und das wärmende Kleid erlangen? Und sie zahlen Steuern, viel mehr Steuern als die anderen Söhne des Landes, und die Nahrung der Israeliten kommt auch im Preise höher zu stehen. Und dennoch wohnen sie mit den Bürgern ruhig zusammen, entrichten die Auflagen pünktlich, und haben dennoch ihr Brot, es fehlt auch nicht am schützenden Gewände. Ein sicheres Heim haben sie ebenfalls gefunden. Ist es nicht ein Wunder? „Es gibt keinen Israeliten, der sich nicht vor Kälte zu bergen wüßte, der nicht sein Kleid umnehmen könnte!? Ist dies nicht außerordentlich? Zeigt dies nicht von dem Walten einer besonderen Fürsorge? Hat Gott die Gebete dieses Volkes nicht erhört, seine Wünsche nicht in Erfüllung gehen lassen? . . . Aber diese Gemeinde verlangt Ungebührliches! Diese Versammlungen sind unmäßig und unbescheiden in ihren Ansprüchen! Tägl) Jaarot dewasch II 52 c. ~) das. 61 a.