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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-07-01 · Heft 7 (1.7.1887) · p. Seite 156

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 7 (1.7.1887)
Date
1887-07-01
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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156 bei denen der größte Teil des Volkes nicht bestehen kann". (Ab. Sar. 36 b. cf. Tossefta Sanhedr. II. jer. Schabb. I, 4. Weiss, zur Geschichte der Tradition. I, 186 ff.) Darum ermahnte der Patriarch Gamliel, der Sohn Simons und Enkel Hillels, daß man sich an einen Lehrer hielte, um dem Zweifel, dem Feinde eines rechten Lebens, zu entgehen, und daß er einen Lehrer aus der Hillel'schen Schule gewählt wissen wollte, bezeichnete er mit den Worten: „Und mehre nicht den Zehnten nach eigener Schätzung" —, was allein die Schule Schammais that, indem sie des Guten zu viel forderte und mit unnötigen Verordnungen über das notwendige Maaß hinausgieng. 17. „Simon, sein Sohn, sagt: Alle meine Tage bin ich unter Weisen aufgewachsen und da fand ich für den Menschen nichts- Besseres als Schweigen; und nicht ist das Studium das Wesentliche, sondern die That; und wer viel Worte macht, der kommt zur Sünde." Nicht lange nach dem Tode Herodes' I. wurde Judäa als römische Provinz von römischen Prokuratoren verwaltet (7—37 n. u. Z.), und wenn auch dieser Zustand sich auf kurze Zeit späterhin veränderte, als dessen Enkel, Agrihpa 1. £37) vom Kaiser Kaligula mit der Regierung des Landes den Königstitel erhielt, so traten doch wieder nach dessen Tode (44) an Stelle seines noch zu jungen Sohnes röniische Prokuratoren, welche durch Bedrückungen und Erpressungen, durch ihre Habsucht und durch brutale Maßregeln die Bevölkerung in dauernder Erregung erhielten und endlich bis zur Empörung und zum Aufstande reizten. Und daß dieser Aufstand in Ruhe und Stille organisirt und energisch betrieben werden sollte, — dazu ermunterte der in jenen Tagen blühende Patriarch Simon II., der Sohn Gamliels I. mit diesem seinem Spruche. Denn wenn auch die Hilleliten irr der Schreckenszeit, im Jahre der Belagerung Jerusalems (70) zur Partei der Gemäßigten gehörten, wohl, weil sie einsahen, daß gegen die römische Macht nichts ausgerichtet werden könnte, so ist es doch zweifellos, daß sie vorher und früher in ihrer Empörung ob des römischen Druckes den Zeloten nicht nachstanden und ebenfalls zum Aufstande riethen, welcher anfangs vom Glücke begünstigt war. Gehörte doch unser Patriarch auch zu jener Kommission, welche späterhin mit der Untersuchung der durch Johannes von Giskala gegen Flavins Josephus erhobenen Anklage betraut wurde! 18. „Rabban Simon, der Sohn Gamliels, sagt: Auf drei Grundlagen steht die Welt: Auf Wahrheit, Recht und Frieden: (Denn es heißt: Wahrheit und Recht des Friedens richtet in euren Thorens." Dem Schulhaupte R. Jochanan b. Sakkai, glückte es, aus dem belagerten Jerusalem zu eutkonrmeu und mit Bewilligung der Römer ein Lehrhaus in Jabneh zu errichten. Nach der Zerstörung des zweiten Tempels mehrten sich die Pflanzstätten religiöser Gelehrsamkeiten und ihre Leiter lehrten unabhängig von einander und oft im Gegensätze zum Schulhaupte in Jabneh zur Zeit des auf R. Jochanan b. S. folgenden Gamliel II. Dieser Zustand dauerte fort, auch unter dessen Sohn und Nachfolger, Simon III., welcher die herrlichen Eigenschaften seines Ahnen Hillel, die Tugenden der Milde und Demut, der Menschenfreundlichkeit und Friedensliebe besaß. Und es blieb nicht bei der Verschiedenheit der Lehren; auch die Gemüter wurden erbittert und feindlich: so z. B. R. Juda und R. Simon gegen R. Meir, und dieser besonders lehrte im Gegensätze zum Naßi (Chulin 6 'b. Bechor. 20 b. 24.), sodaß R. Simon III. sich veranlaßt sah, wie schon früher Gamliel II, den Grundsatz zum Beschluß und zur Norm zu erheben, daß keine Schule die Worte einer anderen als nichtig erklären dürfe, es

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