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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-07-01 · Heft 7 (1.7.1887) · p. Seite 155

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 7 (1.7.1887)
Date
1887-07-01
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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155 Todes schuldig; und wer zu eigenem Vorteil sich der Krone des Gesetzesstudiums bedient, schwindet dahin/' Herodes, welcher mit Hilfe der Römer auf gewaltsame Weise die Herrschaft über Judäa erlangte, suchte während seiner Regierung (37 - 4) zunächst seinen Rainen dadurch auszubreiten, daß er den Röinern nachahmte und in Jerusalem öffentliche Spiele lind Tierkämpfe einführte, sowie ein Theater herstellte. Eine derartige Wirksamkeit aber mußte ihm immer mehr des Volkes Haß eintragen und seinen Ruf immer mehr untergraben, wenn auch andere Thaten, wie der prachtvolle Ausbau des Tempels, geeignet waren, das Volk zu gewinnen. Dazu kamen die Blutthaten im eigenen Hause, in der königlichen Familie, besonders die Hinrichtung der Königin Mariamne, welche ein Opfer ränkesüchtiger Verleumdung wurde HerodeS klagte seine Gattin selbst an des Ehebruchs und des Vergiftungsversuches und der von ihm eiligst zusammen berufene Rat der Schrift gelehrten war ihm gefällig genug, seiner augenblicklichen Verblendung und Wut nachzugeben und das Todesurteil zu fälle». Bald darauf aber erkannte der König das Unrecht und Verbrechen, das er verübt hatte, und er verfiel in eine gefährliche Krankheit und in tiefe, bis an sein Lebensende reichende Schwermut. — Auf diese historischen Thatsachen ist das erste und letzte Glied des Spruches zu beziehen; die mittleren Glieder desselben sind vielleicht gegen den sadduzäischen Konservativismus gerichtet, welcher als solcher, ohne jede Fortentwickelung, ohne jedes „Hinzuthun", keinen Bestand haben könnte. 14. „Er Pflegte zu sagen: Wenn ich nicht für mich bin, — wer ist für mich? und so ich für mich allein bin, — was bin ich? und wenn nicht jetzt, — wann denn?" Dieser ethisch „vielfach anwendbare" Spruch des weisen Hillel scheint sich doch in historischer Beziehung den beiden vorhergehende» anzuschließen, etwa in dem Sinne: Jetzt, da wir kein rechtes Königtum, kein rechtes Hohepriestertum haben, welches für das Judentum mit guten« Beispiele vorangienge, — jetzt besonders inuß ein Jeder sein „Ich" hintansetzeu und für das Gemeinsame zu wirken sich beinühen! 15. „Schammai sagt: Mache deine Lehre zu einer feststehenden (für Alle in gleicher Weise geltenden <; sprich wenig und thue viel; und empfange einen jeden Menschen mit freundlichem Gesichtsausdruck." Dieses Spruches erstes Wort ist «vohl gegen Hillel gerichtet, welcher oft für sich selbst „erschwerend", für Andere dagegen erleichternd lehrte und entschied (Toßefta Maaßeroth c. 3: „leazmo haja osser“); während mit dem dritten Worte der Autor in rechter Selbsterkenntnis sich selbst zurechtwies, dessen Wesen und Temperament zuweilen eine geivisse Härte und Strenge bekundete (Schabb. 31, Beza 16). Für diese seine Art zeugt «vohl auch das mittlere Wort, welches die That ohne vieles Gerede fordert. 16. „Rabbau Gamliel sagt: Schaffe dir einen Lehrer, entferne dich voin Zweifel und mehre nicht den Zehnten nach Gutdünken (nach eigener Schätzung)." Die Differenzen u««d verschiedenen Lehrmeinungen Hillels und Schammais steigerten und vermehrten sich in den nach ihnen sich bildenden „Schulen", den Beth-Hillel und Beth-Schaminai, und sie «vuchsen so sehr an, daß das Volk nicht «vußte, nach «vein es sich richten sollte. Dazu kam noch der Umstand, daß die Schule Schammais eine Unmenge beschränkender Verordnungen traf, welche das Volk in seinen Lebensbewegungen allzusehr schädigten, sodaß »«an zur Feststellung des Grundsatzes sich genötigt sah :„Man soll nicht Gesetzesverordnungen treffen,

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