Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1887)
- Date
- 1887-07-01
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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153 der Bart, seine treuen, lebhaften Augen, die rosenrothen Wangen und Lippen wie der freundliche Mund gaben der ganzen Erscheinung ein außergewöhnlich ehrwürdiges, nnposantes Aussehen. Der Mann war auch wirklich von echt jüdischem Charakter nach altem Schlage, treu, offen und wahr. Sein Sohil Wolf, ein Vierziger, war dem Vater sehr ähnlich. Im Umgang mit den höheren Ständen Helvetiens und den adelige» Gutsbesitzern des Landes hatte er sich eine feinere Bildung angeeignet, so daß seine freie körperliche Bewegung, seine Präzise, ausdrucksvolle Sprache, wie überhaupt seine ganze edle Haltung und Physiognomie Jedwedem Achtung einflößten Wolf Dreyfns war daher auch dazumal schon der Vertrauensmann der helvetischen Regierung und von derselben zu manch wichtigen Geschäften herangezogen. Dieser vielbeschäftigte Mann fand erst Freitag Mittag Muße, seinen Vater zu sprechen. „Ette! (Vater) wer meinst du wohl, daß bei mir logiert?" „Eppes ein hoher Offizier!" „Ja, ein sehr hoher Offizier! des Kaisers Bruder, Erzherzog Ferdinand." „Ei, so! und wer bei mir?" „Der Erzherzog Karl, Oberst-Feldmarschall. Ich habe meine Aufwartung schon bei ihm gemacht. Du mußt deine Auswartung auch bei deinem Gaste machen. Ziehe Dich au, um drei Uhr wollen wir hinaufgehen." „Aber ich weiß mit solch hohen Herren nicht zu sprechen." „Je freier und ungezwungener man mit Hoheiten spricht, desto besser ist's. Benimm dich nur so, wie wenn bu beim Landvogt in Baden wärst. Jetzt gehe ich nach Hause und komme dann Nachmittags wieder." Zur festgesetzten Stunde war Michael festtäglich angekleidet. Haare wie Bart waren fein geordnet, um den Hals ein weißer Shawl mit Spitzen besetzt, eine prachtvolle weiße bordirte Atlasweste, schwarze Sammthosen mit silbernen Schnallen an den Kniebändern, feine weiße Strümpfe, Schuhe mit silbernen Schnallen und zu alldem ein feiner schwarzsammtner Frack. Wirklich der ganze Mann eine ehrwürdige, imposante Erscheinung — Wolf war zeitgemäß modern gekleidet. — So stiegen Vater und Sohn, zwei prächtige Gestalten, die Haustreppe hinauf, ließen sich durch den vor der Thüre stehenden Diener anmelden: „Der Hauswirt bitte um Gnade Sr. Kaiserl. Hoheit, seine Ehrfurcht zu bezeigen" re. rc. — Nach dieser Meldung öffnete sich alsbald die Thüre und der Adjutant trat hervor mit den Worten: Treten Sie ein! — Der Erzherzog war leicht gekleidet, ohne Uniforni, ein ganz junger Manu, sein Porträt ist allbekannt und braucht daher keiner Beschreibung. Sich erhebend sah er den Kommenden huldvoll entgegen. Da trat Wolf mit einer tiefen Verbeugung näher. „Ew. Kaiserl. Hoheit wollen gnädigst meinem Vater, Michael Dreyfns, Hauswirb und Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde, erlauben, seine Ehrfurcht zu bezeigen und Ew. Kaiserl. Hoheit zu danken für die Ehre, daß Hochdieselben in seinem Hanse Quartier genommen haben und zugleich eine religiöse Pflicht zu vollziehe», zu der ihm noch nie Gelegenheit geboten war " Der Erzherzog entgegnete nach einer leichten Handbewegung: „Freut mich, in dem Hause eines so würdigen Mannes zu wohnen. Doch möchte ich gerne wissen, welch' religiöse Pflicht damit verbunden ist!" Vorsteher Michael Dreyfns erwiderte: „Es ist uns Israeliten geboteil, beim Anblick eines gekrönten Hauptes und seiner Söhne einen hiefür bestimmten Segensspruch zu sagen." Das ist ja schön, erividerte der Erzherzog und wie lautet denn derselbe? wollen Sie ihn gefälligst laut aussprechen. Der Vorsteher griff