Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1887)
- Date
- 1887-07-01
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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151 nendem Schmuck, in blühender Jugendfrische, also — sagt der Prophet — wird euer Stamm stets dastehen — unbeugsam und ungebrochen, also euer Name — unvergessen — unverlöschlich! Eine kühne Verheißung das! — ein Wort, das allen Schwankungen, die auf bent trüben, unsicheren Grunde der Zukunft eintreten können, spottet. Wer hätte ihm wohl geglaubt und getraut, wer wohl sich der Hoffnung hingegeben, daß Israel, dessen Weg durch Stürme und Nächte, durch Flammen und Finsternisse führte, dennoch nicht untergehen, sich vielmehr stets verjüngen werde, wie der Himmel, auf dem stets ein neuer Morgen erstrahlt, wie die Erde, die nicht altert und hinsiecht? Und siehe! das flüchtige Wort ist eine feststehende Thatsache, ist eine unerschütterliche Wahrheit geworden, deren Zeugen Jahrhunderte und Jahrtausende sind, und von Sabbat zu Sabbat und von Neumond zu Neumond wird auf dem ganzen Erdenrunde in Israels Bethäusern Preis und Verehrung dargebracht dem Einen, Ewigen, dessen Namen wir bekennen, dessen Lehre wir bewahren. „Heute ist Neumond", es ist der Neumond des Monates Thamus. Traurige Klagen, schmerzliche Erinnerungen, wehniutsvolle Gefühle sind stets mit dem Beginne dieses Monats in den Herzen Israels erwacht, es ist sein Andenken mit Thränen verzeichnet in den Jahrbüchern unserer Geschichte. Mehr als einmal war an dem siebzehnten Tage desselben der Fortbestand unseres Stammes, unserer Lehre, unseres Daseins auf das ernstlichste bedroht. Gewaltige Schicksalsschläge erschütterten das Haus Jakobs, daß es in allen seinen Fugen erkrachte und fast dem Zusammensturze nahe war — und dennoch haben sie nichts für die Dauer bewirkt und vermocht, ist Israel durch sie nur gestärkt und geläutert worden. Der 17. Thamus ist ein ereignißreicher, durch traurige Erlebnisse geweihter, in seiner düsteru Bedeutsamkeit immer wiederkehrender Tag in der Geschichte unserer Vergangenheit. Es mar kaum ein Monat, seit dem auf des Sinai's Höhen die Lehre des Lichtes aufgestrahlt, dahingegangen, da war Israel wiederum dem finstersten Wahne verfallen; seinen ewigen Gott hatte es mit einem toten Götzen vertauscht. Am 17. Thamus, da hörte man den wilden Jubelruf der Siinde in Israels Lager, die Stimme der Wahrheit war verklungen, der Gott der Wahrheit war vergessen, die Lehre der Wahrheit war gestürzt — und zerbrochen hatte Moses die heiligen Bundestafeln, sie zertriimmert mit eigener Hand. — Und siehe! Israel verjüngte sich wieder, iiber den erregten Fluten der Leidenschaft schwebte der sänftigende Geist der Reue, der die Herzen läuterte und zu Gott wieder emporhob. — Nach einem schwülen, vielbewegten Tage gieng Israels Lebenssonne wieder ihrem Untergänge zu, von Osten stürmte der babylonische Eroberer daher, alle Macht unter seinen ehernen Tritten zermalmend, wie mit Adlersfluge nahte er Jerusalem, der lieblichen Gottesstadt — keine Macht konnte ihn verscheuchen und abhalten — es kam der 17. Thamus, der Feind durchbrach die Mauern, schob seine Heeresmassen immer weiter vor; Jerusalem füllte sich mit Mordenden und Klagenden, wo früher das Opferfeuer brannte, da schlug die rote Flamme der Vernichtung hervor, Israels Reich brach zusammen und dennoch lebte Israel fort. — Neue Widersacher traten auf, Israels Geistesleben sollte erstickt, das Licht seiner Lehre allsgelöscht, der Quell, aus dem die Kraft seiner Verjüngung strömt, verstopft und verschüttet werden. Am 17. Thamus wurden auf des Syrers Antiochus Geheiß die Gesetzesrollen verbrannt, Israels Bethäuser zerstört, seine Getreuen verfolgt und verjagt, doch siegreich erhob sich Israel aus dem Staube, in den man es getreten, aufstrebend zu neuer Kraft und Verjüngung. — Noch war der Kelch der Leiden nicht bis zur Neige geleert, noch tiefere