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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-07-01 · Heft 7 (1.7.1887) · p. Seite 150

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 7 (1.7.1887)
Date
1887-07-01
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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sehr viele populäre Ansprachen, Worte des Aufrufs, der Ermunterung und der Ermahnung. In Metz predigt er Buße und erklärt das tägliche Gebet, die 18 Segenssprüche. i) Er redet also: Du beginnst das Gebet mit den einleitenden Worten: „Herr, öffne Du meine Lippen, auf daß mein Mund deinen Ruhm verkünde." Indem du, o Mensch, dich zu Gott wendest, damit er dir das reine Wort des Gebetes von den Lippen fließen lasse, bedenke und beherzige, daß die Lippen als Wächter des Lautes und des Wortes vor die Sprachorbane hingesetzt sind. Diese Lippen haben es wohl zu beachten, daß kein unrichtiger Laut, kein unbedeutendes und fehlerhaftes Wort ertöne. So stellt man Wächter und Hüter vor das Haus, welches seltene Güter birgt. Hast du aber ein köstlicheres Gut als das Wort der Zunge, welches Tod und Leben giebt und bringt? Diese Lippen halte fest verschlossen, denn nichts gewährt dir größeren Vorteil als Schweigsamkeit. Diese Lippen seien und bleiben eng verrammelte Thore, die du nur nach dem Willen des Herrn öffnen magst, um von Gott und seiner Lehre zu reden, um Gutes und Gemeinnütziges vorzutragen. Dann kommst du den Worten des Dichters nach und sprichst: Oeffnet mir die Pforten der Tugend und des Rechtes, ich komme und will den Herrn preisen. — Nun denn, wer da klar denkt und sinnt, der mag sich also sagen: Wenn ich das Lob Gottes aussprechen will, da stärke ich mich zuvor in andächtigen Gedanken und bete fromm, daß ich die Lippen öffnen dürste und könnte... und doch gehe ich täglich hin, ohne Erlaubnis und ohne Gestattung, gegen den Rat und gegen die Pflicht, und öffne die Lippen viel und oft, und sie lassen unnütze, unwürdige Reden erschallen, Worte voll Spott und Trug; gar leicht entfährt mir die Aeußerung voll übler Nachrede, frei lassen die Wächter die gefährlichen Sätze und Sprüche ausziehen, welche den Nächsten bald wie Schwerter treffen, bald kunstvoll Schlingen legen, um ihn zu verrathen und zu verderben. Und wer diese Erscheinung betrachtet, wie müßte er nicht urteilen? Thörichter, würde er Manchem zurufen, da stellt er sich hin, mit dem Antlitze gegen Osten und flüstert das erste Wort des Gebetes: Herr, öffne meine Lippen, und den ganzen Tag steht ja die Pforte dieser Lippen weit offen, die glatten Reden fließen ununterbrochen fort, Fallstrick und Pfeil und der ganze Köcher des Truges zieht hindurch, laut und frei, ans offenem Markte klingt und tönt es, und tönt zurück, und nun betet er: Herr, öffne doch die sonst geschlossenen Lippen, damit sie Deinen Ruhm verkünden! (Fortsetzung folgt.) Warnus - Weumond. Wie der Himmel, auch wenn düsteres Gewölk sein leuchtendes Antlitz verhüllt, wenn grauer Nebel und schwarze Finsternis sich um seine Gefilde gelegt haben, doch wieder ihre Fesseln zerreißt, sie wie ein veraltetes Gewand von sich wirft, um mit verjüngter Pracht und Klarheit die Höhen zu umspannen; Wie die Erde, auch wenn Stürme über ihr hingebraust, Unwetter sich über sie ergossen, die Schatten der Nacht sie begraben, die Fröste des Winters sie in eine eisstarrende Wüste verwandelt haben, doch stets von Neuem sich erhebt in grü- ') Jaarot dewascb, ed. Wien I. 4d.

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